Zahlreiche Reisestornierungen

Zahl der Mers-Kranken in Südkorea steigt weiter

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Vorbereitung auf eine mögliche Mers-Epidemie: Südkoreanisches Krankenhauspersonal übt das Anlegen der Schutzkleidung.

Seoul - Der Mers-Ausbruch in Südkorea beunruhigt auch andere Länder: Immer mehr Menschen sagen geplante Reisen nach Südkorea ab. Dort haben sich weitere Menschen mit dem Virus angesteckt.

Mehr als zwei Wochen nach dem ersten Mers-Fall in Südkorea breitet sich das gefährliche Coronavirus in dem ostasiatischen Land weiter aus. Die Zahl der gemeldeten Patienten mit der Atemwegserkrankung stieg von 30 auf 36, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Mehr als 1600 Menschen, die sich angesteckt haben könnten, sind unter Quarantäne gestellt. Aus Angst vor dem Virus sind nach Angaben der Behörden mittlerweile mehr als 1100 Schulen geschlossen. Tausende Menschen in der Region haben geplante Reisen nach Südkorea storniert. 

Nordkorea will sich schützen

Auch das weithin isolierte Nordkorea will sich gegen eine Einschleppung des Virus aus dem Nachbarland schützen. Nordkorea habe Atemmasken und Wärmebildkameras von Südkorea angefordert, mit denen Menschen auf Fieber untersucht werden können, berichteten südkoreanische Medien unter Berufung auf das Vereinigungsministerium in Seoul. Die Kameras sollen bei der Einreise von südkoreanischen Pendlern in den grenznahen innerkoreanischen Industriekomplex Kaesong in Nordkorea eingesetzt werden. 

Die fünf neuen Patienten in Südkorea steckten sich den Angaben zufolge in direktem Kontakt mit Infizierten an. Das Virus verbreite sich nach derzeit verfügbaren Daten nicht über die Luft, zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap den Leiter des Samsung-Medizin-Zentrums, Song Jae Hoon. Song und andere Experten seien zuversichtlich, dass sich der Ausbruch durch strikte Quarantäne-Maßnahmen eindämmen lasse. 

Ersten Todesfälle hatten bereits Vorerkrankungen

Erster Mers-Patient in Südkorea war ein 68-Jähriger, der von einer Nahost-Reise zurückgekehrt war. Alle Folgeinfektionen bei Klinikpersonal, Patienten und Angehörigen gehen auf ihn zurück. Am Dienstag hatten die Behörden die ersten beiden Mers-Todesfälle im Land gemeldet. Es handelte sich um eine 58-Jährige und einen 71-Jährigten, die beide Vorerkrankungen hatten. 

Am Mittwoch starb ein dritter Patient an Mers. Es handle sich um einen 82 Jahre alten Mann, der ein Krankenzimmer mit Mers-Infizierten geteilt hatte, teilte das Gesundheitsministerium mit. Auch in China wird ein Mers-Infizierter behandelt: der Sohn eines südkoreanischen Patienten.

Mers-Symptome sind Fieber, Lungenentzündung und Nierenversagen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt auf ihrer Website davor, dass weitere Neuerkrankungen in Südkorea zu erwarten seien. Die WHO arbeite eng mit Behörden in Südkorea und China zusammen, um den Ausbruch zu kontrollieren, hieß es. Die Koreanische Tourismusorganisation richtete eine Reise-Hotline ein. Die Zahl der Stornierungen von Reisen nach Südkorea stieg demnach auf über 7000, die meisten seien von Menschen in China und anderen asiatischen Ländern gekommen. 

Typische Mers-Symptome sind Fieber, Lungenentzündung und Nierenversagen. Das Virus wurde erstmals 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen, wird jedoch nach bisheriger Erkenntnis seit vielen Jahren unerkannt von Kamelen auf Menschen übertragen. Es gehört zu den Coronaviren, zu denen viele Erkältungsviren und auch der Sars-Erreger zählen. Bis zum 3. Juni gab es nach den Zahlen der WHO weltweit 1179 bestätigte Mers-Fälle, darunter mindestens 442 Todesopfer.

Lagebericht der WHO

dpa

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