Bei Drohnenangriff:

USA töten versehentlich westliche Geiseln

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Laut "Wall Street Journal" handelte es sich um einen Raketenangriff mit einer Drohne in Pakistan.

Washington - Die US-Rakete sollte Al-Kaida-Terroristen umbringen, riss aber auch unschuldige Geiseln in den Tod: Ein Italiener, der für die Deutsche Welthungerhilfe arbeitete, und ein US-Bürger starben bei einer CIA-Operation.

Präsident Obama zeigt sich schockiert.

Die USA haben bei einem Drohnenangriff gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida in Pakistan wegen eines Geheimdienstfehlers versehentlich zwei westliche Geiseln getötet.

Bei dem Einsatz im Januar kamen der Amerikaner Warren Weinstein und der Italiener Giovanni Lo Porto ums Leben, der für die Deutsche Welthungerhilfe arbeitete, wie US-Präsident Barack Obama mitteilte. Er übernehme die volle Verantwortung und entschuldige sich bei den Familien der Opfer. "Ich bereue zutiefst, was passiert ist", sagte Obama in einer spontan einberufenen Pressekonferenz in Washington.

Weinstein war 2011 von Al-Kaida entführt worden, Lo Porto ein Jahr später. Beide waren als Entwicklungshelfer in Pakistan tätig. Obama erklärte nicht ausdrücklich, wie die Männer ums Leben kamen. Medien berichteten aber übereinstimmend von einem Raketenangriff mit einem unbemannten Flugzeug, den der Geheimdienst CIA durchgeführt habe. Laut Obama habe die CIA den Al-Kaida-Stützpunkt viele hundert Stunden ausgespäht, ohne zu ahnen, dass die beiden Geiseln dort gefangen waren. Man müsse aus diesem Fehler lernen, sagte der Präsident.

Bei dem Angriff sei noch ein zweiter US-Staatsbürger getötet worden, der der Al-Kaida-Führung angehört habe, aber nicht das Ziel des Einsatzes gewesen sei. Bei einem separaten Einsatz sei zudem noch ein weiterer Amerikaner getötet worden, der ebenfalls für das Terrornetzwerk tätig gewesen sei. Auch er sei nicht speziell ins Visier genommen worden. Die Tötung amerikanischer Terrorverdächtiger ohne Gerichtsverfahren ist in den USA sehr umstritten.

Der sichtlich berührte Obama entschuldigte sich bei den Familien der Opfer. "Keine Worte können ihren Verlust aufwiegen", sagte er. Das Weiße Haus sprach von einer "schrecklichen Tragödie". Italiens Regierungschef Mattei Renzi sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus. "Ich fühle tiefen Schmerz über den Tod eines Italieners, der sein Leben dem Dienst an anderen gewidmet hat", erklärte er. Renzi sei persönlich von Obama informiert worden.

Lo Porto arbeitete in Pakistan für die Deutsche Welthungerhilfe, wie ein Sprecher der Organisation in Köln bestätigte. Er war im Januar 2012 zusammen mit einem deutschen Kollegen aus einem Haus in der ostpakistanischen Stadt Multan verschleppt worden. Der Deutsche kam im vergangenen Oktober frei. Die "Bild"-Zeitung hatte damals zur Freilassung berichtet, die Geisel sei einem Team des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Kabul übergeben worden. Unklar blieb, wie die Freilassung der Geisel erreicht wurde.

Die beiden Europäer waren nach damaligen Angaben aus Extremistenkreisen von den pakistanischen Taliban (TTP) entführt worden. Sie wurden nach diesen Informationen später an andere Gruppen mit Verbindungen zum Terrornetz Al-Kaida weitergegeben. Die pakistanische Polizei hatte nach der Entführung mitgeteilt, die Entwicklungshelfer hätten sich für die Welthungerhilfe um die Opfer der Jahrhundert-Flut aus dem Sommer 2010 gekümmert.

Nach der Entführung von Lo Porto erhielt die Welthungerhilfe nach eigenen Angaben kein Lebenszeichen von ihm. Zu keinem Zeitpunkt habe Kontakt zu den Entführern bebestanden. Der Mann sei spurlos verschwunden, sagte Sprecher Marc Groß. Der Italiener sei 2011 zur Welthungerhilfe gekommen und habe sich etwa um die Verbesserung der Wasserversorgung gekümmert. "Er war ein erfahrener Helfer, der sich in Krisenregionen auskannte, etwa beim Erdbeben in Haiti." In der 53-jährigen Geschichte der Organisation sei bis dato kein Mitarbeiter durch Entführung ums Leben gekommen.

Weinsteins Frau kritisierte die US-Regierung. Die Suche nach ihrem Mann sei "inkonsistent und enttäuschend" gewesen, sagte die Ehefrau des 73-Jährigen, Elaine Weinstein, dem TV-Sender CNN. Das Weiße Haus brauche eine klare Strategie, wie es mit Geiselnahmen umgehe. Die Verantwortung für den Tod ihres Mannes liege aber letztlich bei den Terroristen. Sie würden mit ihren Taten den Islam missachten.

dpa

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