Nach Bundes-Notbremse

Corona-Projekt in Tübingen gestoppt - Harsche Kritik von Palmer: „Unser Modell hält die Zahlen unten“

Corona Modellprojekt Tübingen.
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Unbeschwerte Passanten in Tübingen? Der Corona-Modellversuch in der Stadt gehört schon bald der Vergangenheit an. (Archivbild)

Geschlossene Schulen, Geschäfte und Kulturstätten: Das ist nun bald auch in Tübingen wieder die Normalität. Das Corona-Modellprojekt in der Stadt wird beendet.

Tübingen - In das Vorhaben wurden große Hoffnungen gesetzt. Doch nun wird das Tübinger Corona-Modellprojekt* nach sechs Wochen beendet. Grund ist die neu beschlossene Bundes-Notbremse*. „Ab Montag ist also auch bei uns alles dicht. Theater, Handel, Schulen und Kitas“, äußert sich Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) via Facebook.

Mitgeteilt worden sei die Entscheidung von der CDU-Wahlkreisabgeordnete Annette Widmann-Mauz. „Nach dem heutigen Beschluss des Bundestages teilt unsere CDU-Wahlkreisabgeordnete der Presse mit, der Tübinger Modellversuch müsse nun enden. Die Inzidenz im Landkreis sei mit 180 eben viel zu hoch“, ließ Palmer am vergangenen Mittwoch (21. April) über seiner Facebook-Seite verlauten.

Tübingen: Corona-Modellprojekt nach Bundes-Notbremse gestoppt - Palmer bezieht Stellung

Im selben Posting äußerte der Grünen-Politiker harsche Kritik an der Entscheidung. Er machte darauf aufmerksam, dass die Inzidenz in Tübingen konstant unter 100 sei seit zwei Wochen. „Der Anstieg findet nur außerhalb Tübingens statt und hat jetzt den Wert von 240 erreicht, während wir bei 91 stehen“, schrieb er. Der zuletzt für die Stadt gemeldete Wert lag laut dem Sozialministerium am Mittwoch bei 91,8. Der Wert für den Landkreis wurde mit 181,5 angegeben. „In der Notbremse steigen die Zahlen ungebremst, unser Modell hält die Zahlen unten“, kritiserte er den Beschluss weiter.

Erst kürzlich schien das Projekt jedoch schon einmal vor dem Aus zu stehen - und das aufgrund hoher Infektionszahlen. Sogar Palmers Corona-Beauftragter zeigte sich schockiert*. Trotz hoher Zahlen hielt Palmer an dem modifizierten Modell in Tübingen* fest.

Im Video: Trotz steigender Zahlen durfte Tübingen bisher darf Modellprojekt bleiben

Bislang konnten sich Menschen in Tübingen seit dem 16. März an mehreren Stationen kostenlos auf das Coronavirus* testen lassen. Mit den Bescheinigungen der Ergebnisse, den Tagestickets, können sie dann in Läden, zum Friseur oder auch in Theater und Museen gehen. Begleitet worden war das Projekt unter anderem vom Tübinger Infektiologen Peter Kremsner.

Corona-Modellprojekt in Tübingen gestoppt - Lockdown-Regeln ab kommendem Montag

Nun gehört das Vorhaben bald der Vergangenheit an. Wie Palmer in seinem Facebook-Posting mitteilte, sollen die Lockdown-Regeln, die auch im Rest der Bundesrepublik gelten, ab kommenden Montag (26. April) in Kraft treten.

Das Vorzeigeprojekt war bereits zwei Mal verlängert worden und hatte bundesweit für viel Aufsehen gesorgt. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte bereits vor dem Aus einen Stopp solcher Versuche gefordert*. „Sie geben das falsche Signal“, schrieb er auf Twitter. (nema mit dpa) (*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA)

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