Trotz scharfer Kritik einiger Russen

Putin lässt Lebensmittel aus dem Westen verbrennen

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Russland will durch den Importstopp verbotene Lebensmittel aus dem Westen im großen Stil zu vernichten.

Moskau - Die russischen Behörden suchen an den Grenzen und im ganzen Land nach West-Essen, das durch ein Embargo verboten ist. In mobilen Öfen werden die Lebensmittel verbrannt. Geht's noch?

Erbarmungslos rollt die schwere Walze über einen Berg aus rund zehn Tonnen Käse. Lange Metallzähne fressen sich in die runden Käseräder und verwandeln sie in einen gelblichen Brei inmitten einer grünen Wiese bei Belgorod im Süden Russlands, wie ein Video im kremlnahen Internetportal Lifenews zeigt.

Trotz scharfer Kritik von Bürgern haben die russischen Behörden begonnen, durch einen Importstopp verbotene Lebensmittel aus dem Westen tonnenweise zu vernichten. Ein entsprechender Erlass von Präsident Wladimir Putin trat am Donnerstag in Kraft. Die Öffentlichkeit ist schockiert.

55 Tonnen Obst und Gemüse in Smolensk, 40 Tonnen polnischer Äpfel und Tomaten im Gebiet Moskau, 20 Tonnen Milchprodukte aus Deutschland in St. Petersburg: Im ganzen Land berichtete die Agraraufsicht von Lebensmitteln, die im großen Stil verbrannt oder zermahlen wurden. Mit dem umstrittenen Schritt reagiert der Kreml auf die illegale Einfuhr von Fleisch, Fisch und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse aus der Europäischen Union und den USA.

Trotz des Importverbots sind nach Behördenangaben im vergangenen Jahr Hunderte Tonnen Essen aus dem Westen nach Russland geliefert und dann umetikettiert worden. Vor allem über Weißrussland und Kasachstan führen die Schmuggelrouten. Denn dank ihrer Mitgliedschaft in der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion sind dort die Grenzkontrollen gering.

Putin-Kritiker sehen "unfassbare Lebensmittelverschwendung"

Russische Medien und Bürger sehen in der Verbrennung indes eine unfassbare Verschwendung von Essen. "Die Behörden wollen die Vernichtung von Lebensmitteln in einem Land begründen, das in seiner Geschichte viele Male Hunger gelitten hat und lange ein Nahrungsmitteldefizit hatte", kritisiert die Zeitung "Wedomosti".

Hunderttausende Russen protestierten mit einer Petition im Internet gegen das Projekt. Sie verlangen, das Essen an Bedürftige wie Rentner, Invalide und Veteranen zu verteilen. Mehr als 20 Millionen Russen gelten Berichten zufolge als arm. Rund 280.000 Menschen unterstützen die Aktion. Allein am Donnerstag kamen innerhalb weniger Stunden rund 20.000 Unterschriften hinzu.

Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschjow verteidigte die umstrittene Maßnahme als Schritt, um keinen Handel auf dem Schwarzmarkt mit West-Essen zu ermöglichen. "Wenn diese Produkte verteilt würden, wo wäre dann die Garantie, dass es keine Korruption gibt?", meinte er im TV-Sender Rossija 24.

Mit seinem Embargo will Kremlchef Putin langfristig die heimischen Bauern stärken und dafür sorgen, dass mehr russische Produkte in den Supermärkten zu kaufen sind. Das Embargo ist Putins Antwort auf Strafmaßnahmen des Westens wegen der Ukraine-Krise. Inzwischen droht der Kreml, seine Sanktionen auch auf Montenegro, Albanien, Island, Norwegen und Liechtenstein auszuweiten, die sich kürzlich den Strafmaßnahmen der EU angeschlossen hatten.

Aufsehen erregte in der Nacht zum Donnerstag ein Lastwagenfahrer an der weißrussischen Grenze. Als er erfuhr, dass seine Ladung mit 1,5 Tonnen Tomaten vernichtet werden soll, warf er kurzentschlossen den Motor an und machte sich über die Grenze nach Weißrussland davon.

dpa

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