Göttinger Universitätsmedizin

Organspende-Prozess: Haft für Chirurgen gefordert

+
Eine Organtransportbox steht in den Räumen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Berlin.

Göttingen - Als der Göttinger Transplantationsskandal aufflog, sank die Zahl der Organspenden. Der Prozess gegen den mutmaßlich verantwortlichen Arzt geht bald zu Ende. Ihm droht eine Gefängnisstrafe.

Im Prozess um den Organspende-Skandal an der Göttinger Universitätsmedizin will die Staatsanwaltschaft den angeklagten Chirurgen für lange Zeit hinter Gitter schicken. Zur Halbzeit ihres Plädoyers am Landgericht Göttingen forderte Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff am Montagmittag Einzelstrafen von jeweils bis zu drei Jahren Haft für die elf angeklagten Fälle von versuchtem Totschlag. Erst nach dem Plädoyer auch zu den drei Fällen von Körperverletzung mit Todesfolge wollte die Anklagebehörde ihren Gesamtantrag stellen. Dies wurde für den Nachmittag erwartet.

Der frühere Chef der Göttinger Transplantationsmedizin soll in elf Fällen medizinische Daten manipuliert haben, um die Wartezeit seiner Patienten auf Spenderlebern zu verkürzen und damit ihre Überlebenschance zu erhöhen. Andere schwer kranke Patienten seien deshalb möglicherweise gestorben, weil sie auf der Warteliste für Spenderorgane zurückgerutscht waren. Der Arzt habe durch seine Manipulationen den Tod dieser anonym gebliebenen Menschen billigend in Kauf genommen, sagte Wolff.

Der Chirurg habe gezielt falsche Angaben gegenüber der Organvergabestelle Eurotransplant gemacht, sagte Wolff. So habe er etwa fälschlich angegeben, alkoholkranke Leberpatienten hätten die vorgeschriebene Abstinenzzeit von sechs Monaten bereits hinter sich. In drei Fällen soll der Chirurg Lebern ohne ausreichenden medizinischen Grund und ohne wirksame Einwilligung übertragen haben. Diese Patienten waren später gestorben.

Nebenklage und Verteidigung halten ihre Schlussvorträge voraussichtlich am Dienstag und Mittwoch. Das Urteil wird für den 6. Mai erwartet. Der angeklagte Arzt hatte die Vorwürfe in dem seit August 2013 laufenden Prozess stets bestritten. Nach Bekanntwerden des Falls war die Zahl der Spenderorgane in Deutschland deutlich gesunken.

dpa

Neueste Artikel

Missbrauch am Set: „Rosenheim-Cops“-Schauspielerin lüftet erschütterndes Geheimnis

Missbrauch am Set: „Rosenheim-Cops“-Schauspielerin lüftet erschütterndes Geheimnis

EU-Gipfel in Brüssel: Worum geht es für Merkel und Co?

EU-Gipfel in Brüssel: Worum geht es für Merkel und Co?

Chinas Wirtschaft wächst robust

Chinas Wirtschaft wächst robust

Offizier zeigt Staatssekretär von Von der Leyen an - die Vorwürfe sind pikant

Offizier zeigt Staatssekretär von Von der Leyen an - die Vorwürfe sind pikant

Zeltfestival 2018: Diese Acts haben schon zugesagt!

Zeltfestival 2018: Diese Acts haben schon zugesagt!

Krass: Gegen diese Geldanlage hat Bitcoin keine Chance

Krass: Gegen diese Geldanlage hat Bitcoin keine Chance

Kommentare