Düstere Aussichten

Permafrost-Schmelze beschleunigt den Klimawandel: Darum droht die Methan-Katastrophe

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Der Klimawandel beschleunigt das große Tauen der Permafrostböden in Alaska. 

Im schmelzenden Permafrost sind nicht nur Tonnen an Kohlenstoff gespeichert - neue Forschungsergebnisse zeigen, dass unserem Planeten auch freigesetztes Methan gefährlich werden könnte. 

Nowosibirsk - Der Begriff „Permafrostboden“ ist vielen auch als „Dauerfrostboden“ bekannt. Der entsprechende Boden muss nämlich mindestens zwei Jahre lang ununterbrochen unter dem Gefrierpunkt liegen, bevor er seinen Namen aus wissenschaftlicher Perspektive verdient. Aus diesem Grund zählen Permafrostböden, die nur in den kältesten Regionen wie der Arktis und der Antarktis bestehen, zu den größten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Welt - nach neueren Schätzungen binden sie sogar knapp 1,7 Billionen Tonnen Kohlenstoff

Sobald Bakterien das organische Material zersetzen und in CO2 umwandeln, nimmt das Unheil seinen Lauf

Es ist somit kein Wunder, dass die aktuelle Erwärmung der Permafrostböden Wissenschaftler weltweit in Angst und Schrecken versetzt - denn das Tauen wird mit höchster Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass Bakterien den freigesetzten Kohlenstoff in CO2 und Methangas umwandeln und somit eine immense Menge an Treibhausgasen in die Atmosphäre gerät, wie das Wissenschaftsjournal „Nature Communications“ berichtet.

Der Trend der Eisschmelze ist längst zu erkennen, und zwar nicht nur in einzelnen Regionen, sondern weltweit: Sowohl im Himalaya, als auch in nordischen Gebirgen und in den Alpen stellten Wissenschaftler einen Temperaturanstieg von durchschnittlich 0,19 Grad fest, so das Wissenschaftsjournal weiter. 

Und auch folgende Erkenntnis dürfte nicht nur Greta Thunberg alarmieren: Anders als bisher gedacht setzen einige Böden das Methan und Kohlendioxid nicht langsam über Jahrzehnte hinweg frei, sondern innerhalb weniger Monate oder Jahre. Sollte sich der Prozess in diesem Tempo fortsetzen, dürften in absehbarer Zeit Milliarden von Tonnen an Treibhausgasen in die Luft gelangen. „Das passiert schneller, als es irgendwer vorhergesehen hat“, erklärt auch die Forscherin Merritt Turetsky im Wissenschaftsjournal „Nature“. „Das abrupte Schmelzen betrifft zwar weniger als 20 Prozent der Permafrost-Regionen, die CO2-Emissionen haben aber das Potenzial, die Auswirkungen auf das Klima zu verdoppeln.“

Permafrost als „tickende Zeitbombe“ - Unserem Planeten droht eine Methan-Katastrophe 

Eine Forschergruppe von der Universität Hamburg setzte mit kürzlich veröffentlichten Untersuchungsergebnissen den Trend der schlechten Nachrichten fort: Demnach entstehen in den Dauerfrostböden deutlich mehr Mengen an Methangas als bislang angenommen. Dieses könnte die Erde um zusätzliche 0,3 Grad aufheizen und somit zu einer Katastrophe führen. 

Die Permafrost-Schmelze birgt schon jetzt zahlreiche Gefahren für den Menschen 

Dank dem großen Tauen wird weiterhin nicht nur zahlreichen Bewohnern der Arktis buchstäblich der Boden unter den Füßen weggerissen, weil auf Dauerfrostböden ihre Häuser und Straßen erbaut wurden. Auch gespeicherte Umweltgifte wie Quecksilber und sogar im Eis gefangene Krankheitserreger könnten freigesetzt werden. 

Immerhin, einen kleinen Lichtblick stellt die kanadische Forscherin Turetsky in Aussicht: „Wenn wir die Treibhausgas-Emissionen beschränken, können wir die Klimaerwärmung immer noch drosseln“, meint sie. Was das große Tauen betrifft, macht sich die Wissenschaftlerin allerdings keine Illusionen: „Aufhalten lässt sich das Schmelzen aber nicht mehr."

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sl

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