Reiseziel mit Konfliktpotential

Neun Gründe, warum die Südamerika-Reise des Papstes interessant ist

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Papst Franziskus ist am Sonntagmorgen zu seiner ersten großen Reise nach Südamerika aufgebrochen.  

Quito/La Paz/Rom - Papst Franziskus hat am Sonntag die erste große Reise in seine Heimat Südamerika angetreten. Mit Bolivien, Ecuador und Paraguay hat er sich kleinere Länder mit Konfliktpotenzial herausgesucht. Warum die Reise wichtig ist.

Es geht um Koka-Blätter, aber natürlich um weit mehr. Wenn der argentinische Papst am Sonntag in seine geografische Heimat reist, stehen heikle aber auch äußerst anstrengende Termine auf dem Programm. Neun Gründe, warum der Trip wichtig ist:

1. Politische Rechte: Franziskus will die Aufarbeitung der früheren Militärdiktaturen in den drei Ländern fördern. Er wolle zu einer „Erneuerung des sozialen und politischen Lebens“ ermutigen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi.

2. Staaten am Rande: Die Länder liegen geopolitisch eher am Rande. Das ist ganz nach dem Geschmack von Franziskus, der sich bisher gerne Staaten für seine Reisen herausgesucht hat, die international weniger Aufmerksamkeit erfahren, darunter Albanien, Bosnien-Herzegowina, Sri Lanka oder Südkorea.

3. Staat vs. Kirche: Gerade in Bolivien sieht der indigene Präsident Evo Morales die Kirche als Relikt der spanischen Kolonialzeit - kann Franziskus ihn zu mehr Kooperation bewegen?

4. Proteste und Gefangene: In Paraguay drohen indigene Gruppen mit Straßenblockaden - in Bolivien könnte der Papst-Besuch in einer umstrittenen Gefangenenstadt Morales unter Druck setzen.

5. Erdöl vs. Indigene: In Ecuador soll im Nationalpark Yasuní ab 2016 Erdöl gefördert werden - indigene Völker, für deren Schutz sich der Papst einsetzt, könnten dadurch vertrieben werden.

6. Heikle Treffen: Gerüchte besagen, dass der Papst auch Verfechter für Homosexuellen-Rechte trifft. Vatikansprecher Federico Lombardi dazu: „Ich habe davon gehört, dass eine Delegation von Homosexuellen bei einem Treffen dabei sein wird. Das ist Sache der Gastgeber.“

7. Die „Argentinier-Invasion“: In Bolivien, vor allem aber in Paraguay, werden Zehntausende Argentinier zu den Messen „ihres“ Papstes erwartet, die meisten Hotels sind ausgebucht. Sein Heimatland will Franziskus erst nächstes Jahr besuchen, wenn dort die Präsidentenwahl vorbei ist.

8. Die Höhe: Schon für Touristen im Entspannungsurlaub ist ein Aufenthalt in La Paz in etwa 3600 Metern Höhe anstrengend. Der 78-jährige Papst hat nur einen vollständigen Lungenflügel und wird sich daher nur wenige Stunden in der Stadt aufhalten, in der Boliviens Regierung ihren Sitz hat.

9. Die Sache mit den Koka-Blättern: Kaut er oder kaut er keine Koka-Blätter auf seiner Reise? „Ihr Journalisten könnt das gerne tun“, sagte dazu Papstsprecher Lombardi bei einem Journalistenbriefing. Ob der Papst es auch mache, sei nicht bekannt. Es könne aber durchaus sein, weil sich Franziskus gerne an örtlichen Traditionen orientiere. „Es ist ja auch bekannt, dass der Papst gerne Mate-Tee trinkt.“

dpa

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