Nach Germanwings-Drama

Gedenken an Absturz-Opfer: Schweigeminute in NRW

+
Gedenkminute am Flughafen Düsseldorf. Der verkehr an Airports und Bahnhöfen stand still.

Düsseldorf - Ein Land hält inne: Mit einer Schweigeminute haben am Donnerstag zahlreiche Menschen in Nordrhein-Westfalen der Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht. Glocken läuteten, Busse blieben stehen, der WDR sendete für eine Minute ein schwarzes Fernsehbild.

Um genau 10.53 Uhr haben am Donnerstag viele Menschen in Nordrhein-Westfalen der 150 Todesopfer des Flugzeugabsturzes gedacht. In zahlreichen Behörden, Schulen und Unternehmen beteiligten sich die Menschen an der Schweigeminute, zu der die Landesregierung aufgerufen hatte. Um 10.53 Uhr war am vergangenen Dienstag die Funkverbindung zu der Germanwings-Maschine mit der Flugnummer 4U 9525 abgebrochen. Von den 72 deutschen Opfern stammen 64 aus NRW.

Landtag versammelt sich

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die gerade noch am Unglücksort in Frankreich gewesen war, gedachte der Opfer mit ihren Mitarbeitern in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Um ihre Trauer und ihr Mitgefühl auch gegenüber den Angehörigen der Opfer auszudrücken, versammelten sich im Landtag Abgeordnete und Mitarbeiter in der Eingangshalle.

Überall im Land unterbrachen Schüler und Lehrer den Unterricht. „Kurze Zeit war es totenstill, aber danach haben schon einige geschluchzt“, berichtete ein Gymnasiast aus der Nähe von Köln. Am Dortmunder Mallinckrodt-Gymnasium legten Schüler und Lehrer bereits zum zweiten Mal eine Schweigeminute ein. Am Mittwoch hatten sie eines ehemaligen Schülers gedacht, der als Flugbegleiter in der Unglücksmaschine war. 2010 hatte er sein Abitur an der Schule abgelegt. In der Schulkapelle wurden Kerzen aufgestellt.

Im Apostelgymnasium Köln gab es einen Gottesdienst. Die Abiturienten trugen dunkle Kleidung. Das Hansa-Gymnasium Köln läutete die Schulglocke. Die Lehrer sprachen mit den Schülern in den Klassen über das Unglück.

Gedenken in Kultur und Konzernen

Beim Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer, der um einen Mitarbeiter trauert, gedachten viele Beschäftigen erneut der Opfer und ihrer Angehörigen. „Wir haben schon zuvor bei einigen Anlässen Schweigeminuten eingelegt“, sagte ein Konzernsprecher.

Beim Henkel-Konzern in Düsseldorf, der eine Mitarbeitern durch den Absturz verlor, nahmen ebenfalls zahlreiche Kollegen am Standort mit rund 5500 Beschäftigten an der Gedenkminute teil. „Wir haben auch die Fahnen auf Halbmast, in Anteilnahme und Trauer“, berichtete ein Unternehmenssprecher. Eine Schweigeminute wurde auch während der Bilanz-Pressekonferenz des TÜV Rheinland eingelegt. Vorstandschef Michale Fübi unterbrach seinen Vortrag.

Unter den Opfern sind auch die Opernsängerin Maria Radner und Bassbariton Oleg Bryjak. An der Düsseldorfer Oper versammelten sich Künstler und Mitarbeiter kurz vor Beginn einer Kindervorstellung. Hinter dem Eisernen Vorhang gedachten sie der Opfer und ihrer Kollegen. Eine gemeinsame Schweigeminute mit den rund 1000 jungen Zuschauern wollte die Oper angesichts der großen emotionalen Wirkung nicht abhalten. „Es war erschütternd“, sagte Kulturdezernent Hans-Georg Lohe.

Flughäfen, Straßen Züge - der Verkehr steht still

Auch am Düsseldorfer Flughafen - dort hatten Angehörige am Dienstag vergeblich auf ihre Liebsten gewartet - herrschte eine Minute der Stille. In mehreren Sprachen waren die Passagiere zuvor auf die Gedenkminute aufmerksam gemacht worden. Wie auch schon am Mittwoch sei die Anteilnahme groß gewesen, sagte ein Sprecher.

In zahlreichen Städten blieben Busse und Straßenbahnen an den nächsten Haltestellen stehen, so etwa in Essen, Mülheim an der Ruhr und Bonn. Die Fahrgäste waren zuvor mit Durchsagen an den Haltestellen und in den Fahrzeugen informiert worden. Die Rheinbahn in Düsseldorf wies auf ihren Anzeigetafeln auf das Gedenken hin. In Dortmund gab es eine Gedenk-Durchsage in den U-Bahnstationen.

Am Bochumer Hauptbahnhof wurde mit einer Lautsprecherdurchsage zum Gedenken aufgerufen. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof gab es um 10.53 Uhr eine leise Durchsage, dass in dieser Minute der Opfer gedacht werde. In der Bahnhofshalle nahm aber niemand erkennbar Notiz davon. Einige standen neben ihrem Gepäck. Aber nicht, um der Opfer zu gedenken, sagen sie. Sondern um ihre Reiseanschlüsse zu finden.

Trauergeläut in vielen Städten

In Aachen erschallte das Trauergeläut des Doms. In unmittelbarer Nähe der Kirche standen die Menschen schweigend still. Viele davon gingen anschließend zum Gebet und zum Gedenken in den Dom. Auf dem Platz vor dem Rathaus ganz in der Nähe lief das Markttreiben dagegen ganz normal weiter. Am Kölner Dom läutete um 10.53 Uhr für zweieinhalb Minuten eine einzelne Glocke. Auch in Dortmund und Bochum läuteten zahlreiche Glocken.

Auf der Kölner Domplatte, dem Platz vor dem Haupteingang, hielt zur Schweigeminute so gut wie niemand erkennbar inne. In der Fußgängerzone in der Dortmunder Innenstadt nahmen das Glockengeläut mehrere Menschen zum Anlass innezuhalten. Auf der Düsseldorfer Königsallee war um 10.53 Uhr lautes Johlen, Hupen und Lachen zu hören. Abiturienten feierten das Ende ihrer Abiturprüfungen.

Gedenken selbst via Twitter

Im Kurznachrichtendienst Twitter gab es zu Beginn der Gedenkminute mehrere Einträge: Der Industriekonzern ThyssenKrupp schrieb: „Schweigeminute: In Gedenken an die Opfer und Hinterbliebenen des Flugzeugabsturzes“, WDR5: „Danke für die Schweigeminute: Auch wir trauern um die Opfer von #Germanwings #U49525. Unser Mitgefühl gehört den Angehörigen und Freunden.“ Mehrere Fotos zeigten brennende Kerzen.

WDR-Bild blieb schwarz 

Das WDR Fernsehen zeigte für eine Minute ein schwarzes Bild mit weißer Aufschrift „Schweigeminute für die Opfer des Fluges Germanwings 4U9525“. Auf 1live sagte der Moderator „Die 1Live-Redaktion trauert mit allen Menschen in Deutschland um die Opfer des Flugzeugabsturzes“. Dann wurde eine Minute Stille gesendet. Nach Wiederholung der Ansage lief „Halleluja“ von Jeff Buckley. Die anderen WDR-Radiosender sendeten in ähnlicher Form. Die Schweigeminute wurde in ruhige Klavier- oder andere Instrumentalmusik gebettet.

dpa

Mehr zum Thema

Polizei: Vier Tote und mindestens 20 Verletzte in London

Polizei: Vier Tote und mindestens 20 Verletzte in London
Video

Erste Bilder vom Tatort: London nach Angriff im Ausnahmezustand

Erste Bilder vom Tatort: London nach Angriff im Ausnahmezustand

Brüssel gedenkt der Terroropfer des 22. März 2016

Brüssel gedenkt der Terroropfer des 22. März 2016

Kommentare