Nach Anschlag in Sousse

Weiteres deutsches Opfer nach Anschlag in Tunesien

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Bundesinnenminister Thomas de Maizière (R)reiste zum Unglücksort nach Sousse.

Berlin/Sousse - Er habe ihn nicht dazu erzogen, dass er unschuldige Menschen töte, sagt der Vater des Attentäters von Sousse über seinen Sohn. 38 Menschen sterben bei dem Terroranschlag des Studenten. Am Montag wird der Bundesinnenminister am Tatort erwartet.

Nach dem blutigen Terroranschlag in Tunesien gibt es ein weiteres deutsches Todesopfer. Dies teilte das Auswärtige Amt nach der Identifizierung weiterer Leichen am Montag mit. Bislang war man davon ausgegangen, dass bei dem islamistischen Anschlag in dem Badeort Sousse am Freitag ein Deutscher getötet wurde. Zur Identität des zweiten deutschen Todesopfers äußerte sich das Auswärtige Amt nicht. Ein Sprecher gab auch keine Auskunft, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Er sagte nur: „Es gibt gegenwärtig keine Hinweise auf weitere deutsche Opfer. Da nach unserem Kenntnisstand die Identifizierung aller Opfer noch nicht abgeschlossen ist, können wir dies aber auch noch nicht völlig ausschließen.“ Eine Urlauberin aus Deutschland wurde verletzt.

De Maizière reist zum Unglücksort

Drei Tage nach dem Terroranschlag in Tunesien reist Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) an den Ort der Attacke. Mit dem Besuch am Montag wolle er sein Mitleid mit den Angehörigen der Opfer und seine Solidarität mit dem tunesischen Volk ausdrücken, erklärte das Innenministerium. Ein Attentäter hatte am Freitag bei dem Angriff auf ein Strandhotel in Sousse 38 Menschen erschossen, bevor er selbst getötet wurde. Unter den Opfern ist mindestens ein Deutscher. Nach Informationen der Nachrichtenagentur PA starben mindestens 30 Briten.

Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich bei dem Täter um einen 24-jährigen Studenten der Universität in Kairouan, einer Hochburg von Salafisten. Er hatte das Strandhotel „Imperial Marhaba“ in dem Mittelmeerort Sousse überfallen und am belebten Strand das Feuer eröffnet. Zu dem Anschlag bekannten sich Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in einer nicht verifizierbaren Twitter-Mitteilung.

Der Vater des Attentäters distanzierte sich von seinem Sohn. „Nur Gott weiß, was meinen Sohn zu dieser Tat gebracht hat. Ich habe meinen Sohn nicht so erzogen. Nicht dazu erzogen, dass er Menschen tötet“, sagte der in der nordtunesischen Stadt Gaafour lebende Mann in den ARD-„Tagesthemen“. Er sehe die Bilder der Opfer vor seinen Augen und könne nicht nachvollziehen, wie sein Sohn unschuldige Menschen habe töten können. „Irgendwelche Leute müssen meinen Sohn indoktriniert haben, dass er so etwas tut.“ Er habe keine Anzeichen für extremistisches Verhalten gezeigt.

Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums konnten bis zum Sonntag 18 Opfer identifiziert werden. Die meisten Toten stammen demnach aus Großbritannien. Das Ministerium hatte von 14 getöteten Briten gesprochen. Zu den Opfern zählen auch ein Ire, ein Portugiese und ein Belgier. Der deutsche Generalbundesanwalt Harald Range hatte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und das Bundeskriminalamt (BKA) mit den Untersuchungen beauftragt.

Europäische Minister versprechen Tunesien Hilfe im Anti-Terror-Kampf

Die Innenminister von Deutschland, Großbritannien und Frankreich haben Tunesien Hilfe im Kampf gegen Terrorismus versprochen. „Wir sind hierhergekommen, um Solidarität zu zeigen mit dieser jungen und immer noch verletzlichen Demokratie“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Montag in Sousse. „Wir sind entschlossen zu zeigen, dass Freiheit stärker ist als Terrorismus.“

Deutschland unterstütze die Maßnahmen Tunesiens zum Schutz der Touristen, sagte de Maizière. „Wir wissen um die Bedeutung des Tourismus für Tunesien, haben aber auch Verantwortung gegenüber dem Schutz deutscher Staatsbürger.“ Er versprach: „Wir geben unsere Reiseempfehlungen verantwortungsvoll und umsichtig.“ Deutschland rät nicht generell von Reisen nach Tunesien ab, empfiehlt aber Besuchern, „besondere Vorsicht walten zu lassen“.

Großbritanniens Innenministerin Theresa May betonte: „Wir werden gemeinsam daran arbeiten, unsere Werte zu verteidigen.“ Es gehe darum gemeinsam sicherzustellen, „dass die Terroristen nicht gewinnen“.

Tunesische Polizei nimmt nach Terroranschlag Verdächtige fest

Die Sicherheitskräfte würden jeden verfolgen, der in das Attentat verstrickt sei, sagte der tunesischen Innenminister Mohamed Najem Gharsalli am Montag in Sousse.

Die Verdächtigen gehörten zu einem Netzwerk, das den Attentäter unterstützt habe. Einzelheiten nannte Gharsalli nicht, auch nicht die Zahl der Festgenommenen.

Lesen Sie hier: Tunesien - Hier läuft der Amokläufer über den Strand

dpa

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