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Messerangriffe erschüttern Kanada: Polizei verhaftet zweiten Verdächtigen – kurz darauf ist auch er tot

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Von: Jennifer Lanzinger, Franziska Konrad

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Zehn Menschen starben durch Messerattacken in Kanada. Nachdem ein Verdächtiger tot aufgefunden worden war, meldet die Polizei jetzt eine Verhaftung.

Update vom 8. September, 7.10 Uhr: Die Polizei hat den zweiten Verdächtigen nach der Serie von Messerangriffen in Kanada verhaftet.

Messerangriffe in Kanada: Zweiter Verdächtiger stirbt kurz nach Festnahme

Ort der Festnahme des 30-Jährigen am Mittwochabend (Ortszeit) sei nahe des Dorfes Rosthern in der Provinz Saskatchewan gewesen, hieß es seitens der Ermittler.

Nur wenige Stunden später teilte die Polizei auch seinen Tod mit. Der 30-Jährige sei nach einem „medizinischen Notfall“ im Krankenhaus gestorben. Vor der Festnahme hätten ihn mehrere Streifenwagen in seinem gestohlenen Fluchtauto verfolgt. Die Leiche des ein Jahr älteren Bruders war bereits am Montag gefunden worden.

Messerangriffe in Saskatchewan: Bruder des Toten war der Polizei kein Unbekannter

Die Brüder sollen zusammen für die Bluttaten im Reservat James Smith Cree First Nation und im Dorf Weldon verantwortlich sein. Beide Tatorte liegen in Saskatchewan. Dabei wurden am frühen Sonntagmorgen zehn Menschen getötet und 18 verletzt. Die Hintergründe der Taten liegen nach wie vor im Dunkeln - „und werden womöglich nie geklärt werden“, wie eine Polizeisprecherin nach dem Tod des zweiten Mordverdächtigen auf einer Pressekonferenz sagte.

Zu den genauen Umständen seines Todes äußerte sie sich trotz wiederholter Nachfragen nicht. Dies sei nun Bestandteil der Autopsie und einer „unabhängigen, externen Untersuchung“. Geklärt werden müsse auch, ob die beiden Brüder womöglich Helfer hatten.

Am Dienstag wurde bekannt, dass der nun Festgenommene schon seit mehr als zwei Jahrzehnten „ohne größere Unterbrechungen“ immer wieder straffällig geworden war. Als Erwachsener sei er über Jahre hinweg in insgesamt 59 Punkten verurteilt worden, darunter Tätlichkeiten, Gewaltdrohungen und Diebstähle, heißt es in einer Bewährungsakte vom Februar, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Messerattacken in Kanada: Erster mutmaßlicher Täter tot aufgefunden

Update vom 6. September 2022: Die tödliche Messerattacke mit zehn Toten in Kanada schockierte zu Beginn der Woche weit über die Landesgrenzen hinaus. Zunächst suchte die Polizei nach zwei verdächtigen Brüdern. Nun wurde die Leiche von einem der beiden gefunden - in genau jenem Indigenen-Reservat, in dem es viele Opfer gegeben hatte.

„Er hatte sichtbare Wunden, von denen wir im Moment nicht glauben, dass er sie sich selbst zugefügt hat“, sagte die leitende Ermittlerin Rhonda Blackmore am Montag in Regina, der Hauptstadt der Provinz Saskatchewan. Die Leiche des 31-Jährigen habe in hochgewachsenem Gras im Indigenen-Reservat James Smith Cree Nation gelegen, in der Nähe eines Hauses, in dem die Polizei ermittelte.

Der zweite Verdächtige, der Bruder des tot aufgefundenen Mannes, ist noch immer auf der Flucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass er verletzt ist und medizinische Hilfe suchen könnte. Ob der Flüchtige am Tod seines älteren Bruders beteiligt gewesen sein könnte, wollten Ermittler weder bestätigen noch ausschließen. Zum Motiv für die Gräueltaten machte die Polizei weiter keine Angaben.

Die Ermittler vermuten, dass die beiden Brüder für die Bluttaten an zwei Orten in Saskatchewan - im Reservat James Smith Cree Nation und im Dorf Weldon - verantwortlich sind. Dabei wurden zehn Opfer getötet und 18 verletzt.

Zahlreiche Messerangriffe erschüttern Kanada: 13 Tatorte, mindestens zehn Tote - Täter auf der Flucht

Ursprungsmeldung vom 5. September 2022: Regina - Grausamer Vorfall in Kanada: Bei einer Serie von Messerangriffen im Zentrum des Landes sind mindestens zehn Menschen getötet worden. 15 Verletzte seien zudem zur Behandlung in Krankenhäuser gebracht worden. Das teilte die Polizei in der Provinz Saskatchewan bei einer Pressekonferenz am Sonntag (Ortszeit) in der Provinzhauptstadt Regina mit. Nicht genannt wurden weitere Details zum Zustand der Opfer. Die beiden mutmaßlichen Täter seien auf der Flucht. Zuletzt seien die beiden Männer in einem SUV gesehen worden, hieß es weiter. Das Motiv für die grausame Tat war am Abend zunächst noch unklar. 

Messerangriffe in Kanada: Motiv der grausamen Tat noch unklar

„Es hat den Anschein, dass einige der Opfer gezielt und einige zufällig ausgewählt wurden“, sagte Polizistin Rhonda Blackmore. „Daher wäre es zum jetzigen Zeitpunkt äußerst schwierig, ein Motiv zu nennen.“ Es gebe 13 aktive Tatorte, an denen ermittelt werde. „An einigen dieser Tatorte gab es also möglicherweise keine verstorbene Person, sondern verletzte Personen, die nicht verstorben sind“, so Blackmore weiter. Weitere Opfer könnten nicht ausgeschlossen werden. Denn aktuell sei unklar, ob sich alle Betroffenen bei den Behörden gemeldet hätten.

Einer der Tatorte einer Messerstecherei in Weldon, Saskatchewan.
Einer der Tatorte einer Messerstecherei in Weldon, Saskatchewan. ©  Heywood Yu/The Canadian Press via AP/dpa

An insgesamt zwei Orten seien die Opfer in Saskatchewan angegriffen worden - im für indigene Einwohner ausgewiesenen Reservat „James Smith Cree Nation“ und im Dorf Weldon, erklärte Blackmore. Am Morgen um 5.40 Uhr sei der erste Notruf bei den Beamten eingegangen, in den darauffolgenden Minuten seien weitere Angriffe von Tatorten in der Nähe gemeldet worden.

Um kurz nach sieben Uhr habe die Polizei eine erste Warnung an die Bevölkerung herausgegeben. In der knapp 300 Kilometer weiter südlich gelegenen Provinzhauptstadt Regina sollen die beiden Tatverdächtigen vier Stunden später gesehen worden sein. Die Vorsitzenden des Reservats riefen den Notstand aus.

Bluttat in Kanada: Premierminister Trudeau schockiert - „Schrecklich und herzzerreißend“

Von der Tat schockiert zeigte sich Kanadas Premierminister Justin Trudeau. „Die heutigen Angriffe in Saskatchewan sind schrecklich und herzzerreißend. Ich bin in Gedanken bei denen, die einen geliebten Menschen verloren haben, und bei denen, die verletzt wurden“, schrieb Trudeau auf Twitter. „Wir beobachten die Situation genau und bitten alle, die aktuellen Informationen der örtlichen Behörden zu verfolgen. Ich danke allen tapferen Ersthelfern für ihren Einsatz vor Ort.“

Im Namen seiner Regierung sprach der Premierminister sein Beileid aus. „Ganz Saskatchewan trauert mit den Opfern und ihren Angehörigen“, schrieb Scott Moe von der konservativen Saskatchewan-Partei auf Twitter. Der kanadische Minister für öffentliche Sicherheit, Marco Mendicino, teilte mit, die Polizei in Saskatchewan setze alle verfügbaren Ressourcen für die Suche nach den beiden Verdächtigen ein - und werde die Öffentlichkeit über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten.

Assistant Commissioner Rhonda Blackmore spricht während einer Pressekonferenz im Hauptquartier der Royal Canadian Mounted Police „F“ Division in Regina.
Assistant Commissioner Rhonda Blackmore spricht während einer Pressekonferenz im Hauptquartier der Royal Canadian Mounted Police „F“ Division in Regina. ©  Michael Bell/The Canadian Press via AP/dpa

Die Polizei suchte in Saskatchewan sowie in den angrenzenden Provinzen Manitoba und Alberta nach den beiden männlichen Verdächtigen im Alter von 31 und 30 Jahren. Die Fläche dieser drei Provinzen in der Mitte Kanadas ist mehr als fünfmal so groß wie die Fläche Deutschlands. Allein Saskatchewan ist knapp doppelt so groß wie Deutschland, aber mit nur knapp 1,2 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt.

„Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keine Hinweise darauf, dass sie in eine andere Provinz gereist sind“, teilte Blackmore weiter mit. Besonderes Augenmerk liege auf der Provinzhauptstadt Regina mit etwa 230 000 Einwohnern. Dort waren die Menschen aufgerufen, an einem sicheren Ort zu verbleiben und keine Anhalter mitzunehmen. Es seien außerdem zusätzliche Einsatzkräfte zu einem Spiel in einem Football-Stadion beordert worden, hieß es.(kof/dpa)

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