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Bluttat in Kusel: Tödliche Angriffe auf Polizisten in den letzten 60 Jahren

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Von: Tobias Becker

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Der gewaltsame Tod zweier junger Polizisten Nahe Kusel macht fassungslos. In den vergangenen 60 Jahren gab es immer wieder tödliche Angriffe auf Polizeibeamte:

Kusel - In den frühen Morgenstunden des 31. Januars 2022 wurden bei Kusel in Rheinland-Pfalz* zwei Polizisten getötet. Eine 24-jährige Studentin der Hochschule der Polizei sowie ihr 29-jähriger Kollege überprüften als Zivilstreife ein Fahrzeug. Plötzlich fielen Schüsse. Im letzten Funkspruch riefen die zwei jungen Beamten hektisch: „Die schießen auf uns. Die schießen!“* Doch als Verstärkung vor Ort eintraf, war die Polizistin bereits tot, ihr 29-jähriger Kollege erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen. Viele Prominente und Politiker* äußern sich in den Stunden nach der Tat danach auf Twitter zum Vorfall, die Polizei fahndet nach den Tätern. Wie LUDWIGSHAFEN24* berichtet, gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder tödliche Angriffe gegen Polizisten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

Tödliche Angriffe auf Polizisten: Fälle in den 60er- und 70er-Jahren

In den vergangenen 60 Jahren wurden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz immer wieder Beamte im Dienst getötet. Angefangen mit Erwin Opitz am 08. Februar 1964. Der Polizeimeister wurde in der Nähe des Karlsruher Stadtgartens erschossen. Der Täter: Ein 16 Jahre alter Schüler. Als Opitz den Jungen nach einer Verfolgungsjagd stellte, zog der plötzlich einen Trommelrevolver und feuerte drei Schüsse auf den Beamten. Vier Jahre später gab es in Heubach bei Böblingen einen weiteren Polizistentod: Franz Elbert war einem Einbrecher auf den Fersen, der ihn anschließend erstochen hat (24.08.1968). Kurios: Der Täter wurde identifiziert, nachdem 400 Heubacher im Alter von 16 bis 25 Jahren ihre Fingerabdrücke abgaben. Es war ein 17-Jähriger.

BundeslandBaden-WürttembergRheinland-Pfalz
LandeshauptstadtStuttgartMainz
Bevölkerung11,07 Mio. (2019)4,085 Mio. (2019)
Ministerpräsident/inWinfried KretschmannMarie-Luise Anna „Malu“ Dreyer

Nur rund vier Monate später, am 08. Januar 1969, kam Klaus Scharfenort in Esslingen ums Leben. Er wurde vom 29 Jahre alten Waffendieb H. Stucke erschossen. Der Täter starb im Laufe des Schusswechsel durch einen tödlichen Treffer von Scharfenorts Streifenkollegen. Das Jahr 1969 war in der Hinsicht kein gutes Jahr für Baden-Württemberg, denn bereits am 04. Juli gab es den nächsten toten Polizisten. Roland Wahl war im Rahmen einer Fahndung in Ludwigsburg unterwegs und suchte nach Einbrechern. Als er mit seinem Kollegen zwei Verdächtige überprüfte, holte einer eine Automatikwaffe hervor und schoss unkontrolliert um sich. Zwei Schüsse traf Wahl. Der Polizist starb in den Armen seines Kollegen.

In den 70er Jahren gab es ebenfalls zwei Todesfälle im Dienst. Beide gingen wohl auf das Konto der Roten Armee Fraktion (RAF). Die Terroristen erschossen am 22. Dezember 1971 Herbert Schoner in Kaiserslautern nach einem Banküberfall. Am 13. April 1977 traf es Georg Wurster, der mit Generalbundesanwalt Siegfried Buback auf dem Weg nach Karlsruhe war, als dieser ermordet wurde. Im selben Jahr starb auch Peter Blaschke im Alter von 21 Jahren. Der Polizeimeister aus Stuttgart wurde von einem Autofahrer erschossen, der in der vorangegangenen Nacht seinen Führerschein verloren hat.

Tödliche Angriffe auf Polizisten: Fälle in den 80er- und 90er-Jahren

In den 80er-Jahren starb Hubert Rupprecht in Heppenheim durch eine Handgranate, die ein Bankräuber zündete (11. Dezember 1981). Fast exakt ein Jahr später kam es in Ludwigshafen* (Stadtteil Edigheim) wurde Joachim Mehlmann Opfer eines Beziehungsdramas. Ein 35-Jähriger schoss unvermittelt auf den Polizeibeamten, der tödlich getroffen wurde. 1987 wurde Manfred Mayer in Malsch von einem Mann erstochen, der mit drei anderen Männern in einen Kindergarten einbrechen wollte. Ein Jahr danach kam Herman Weimer ums Leben. Der Polizist ermittelte in einer Gaststätte in Waldshut, nachdem dort ein junger Mann auf den Wirt schoss. Der Täter kam zurück und erschoss den Ermittler durch das geschlossene Fenster.

Zwei tote Polizisten in Kusel
Schwer bewaffnete Polizisten sichern den Tatort in Kusel. © Sebastian Gollnow / dpa

Im August 1989 starben in Stuttgart gleich zwei Polizisten im Einsatz. Als ein 46-Jähriger überprüft werden sollte (Schwarzfahrt und Körperverletzung) zog er plötzlich ein Bajonett aus einer zusammengerollten Zeitung und stach damit auf die Polizisten ein. Harald Poppe und Peter Quast starben, drei weitere Polizisten wurden verletzt.

Im letzten Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende starben ebenfalls nochmal drei Polizisten im Dienst in Baden-Württemberg. Zunächst wurde 1991 Volker Walliser erschossen als er bei einer verdeckten Ermittlung 51 Kilogramm Heroin von einem Drogenhändler kaufen sollte. 1993 gab es einen Fall, der im entferntesten dem Tod der zwei Polizisten in Kusel ähnelt: Klaus Bruder wurde bei einer Fahrzeugkontrolle von einem 19-Jährigen in Offenburg mitgeschleift und dabei getötet. 1998 war dann Mannheim* im Blickpunkt der Polizei: Ein 16-Jähriger erschoss dort zunächst einen Diensthund, dann den 31-jährigen Polizisten Markus Paul.

Tödliche Angriffe auf Polizisten: Weniger Fälle seit 2000

Seit dem Zeitpunkt gab es „nur“ noch zwei Fälle in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, in denen Polizisten im Dienst starben. Einer der bekanntesten Fälle Deutschlands ist sicher der Fall „Kiesewetter“ aus Heilbronn. Dort wurde 2007 die Polizistin Michéle Kiesewetter wohl von einer rechtsextremistischen Gruppe ermordet. Die 22-Jährige starb bei einer Schießerei. 2010 starb Manuel Kopper in Anhausen bei Neuwied. Der SEK-Beamte wollte wohl ein Mitglied der Hells Angels festnehmen. Der mutmaßliche Täter wurde zunächst für achteinhalb Jahre Haft verurteilt, jedoch im Nachgang vom BGH freigesprochen.

Gedenkstätte für Polizisten
Eine Gedenkstele für im Dienst ums Leben gekommene Polizeibeamte steht vor dem Tagungsgebäude der Hochschule der Polizei. © Thomas Frey / dpa

Der Tod der zwei jungen Polizisten Nahe Kusel ist ein weiterer Fall, der auf Seiten wie corsipo.de oder odmp.info seinen Platz finden wird. Dort wird verstorbenen Polizistinnen und Polizisten gedacht, die im Dienst ihr Leben gelassen haben. Ob dabei alle Beamten aufgeführt wurden, ist nicht ganz sicher, denn schließlich waren auch Polizisten aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz 2001 beim Anschlag auf das World Trade Center vor Ort.

In Rheinland-Pfalz gibt es neben dem Tagungszentrum der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz eine Gedenkstätte des Landes für all diese Fälle: eine drei Meter hohe Basaltstele umringt von zehn Basaltblöcken zum Sitzen und Innehalten. An der Stele sind kleine Bronzetafeln befestigt mit den Namen sowie Geburts- und Todestagen der getöteten Polizisten. Täfelchen mit den Daten der beiden jüngsten Todesfälle „werden natürlich ebenfalls angebracht“, sagte eine Sprecherin der Hochschule am Montag gegenüber der dpa. (tobi) *LUDWIGSHAFEN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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