Ukraine-Krise

Maidan-Gedenken in Kiew - Antimaidan-Demo in Moskau

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Kiew gedenkt in diesen Tagen der Opfer während der prowestlichen Proteste. Foto: Sergey Dolzhenko

Kiew/Moskau - Trotz des Friedensabkommens bleibt die Lage in der Ostukraine brenzlig. US-Außenminister Kerry droht mit weiteren Sanktionen gegen Russland. In Moskau demonstrieren Tausende gegen den Westkurs Kiews.

Ein Jahr nach dem Machtwechsel in der Ukraine haben in Moskau Tausende gegen den EU- und Nato-Kurs der neuen Regierung im Nachbarland demonstriert. „In der Maidan-Bewegung konzentriert sich alles Antirussische“, sagte eine Rednerin am Samstag auf einer Bühne in der Nähe des Kreml. Die Proteste auf dem Maidan (Unabhängigkeitsplatz) in Kiew seien vom Westen angestiftet worden und ein „blutiger Totentanz“ gewesen. Das Innenministerium in Moskau schätzte die Zahl der Teilnehmer der „Antimaidan“-Kundgebung auf etwa 40.000. Nach wochenlangen, am Ende blutigen Protesten in Kiew war Präsident Viktor Janukowitsch am 21. Februar 2014 gestürzt.

In einem Fernsehinterview rief Janukowitsch die neue Führung in Kiew jetzt zu direkten Gesprächen mit den prorussischen Separatisten in der umkämpften Ostukraine auf. Die Regierung müsse den Aufständischen eine großzügige Selbstverwaltung garantieren, sagte der Ex-Staatschef in seinem russischen Exil dem TV-Sender Rossija-1. Er warf dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko indirekt vor, „Gesetzlosigkeit und Ungerechtigkeit“ in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik verbreitet zu haben. „Der Westen wollte diesen Wechsel, nun soll er auch für die Folgen haften“, sagte Janukowitsch.

Gauck reist zu Gedenken nach Kiew

Bundespräsident Joachim Gauck fliegt an diesem Sonntag zum Gedenken an die Proteste nach Kiew. Mit anderen Staatschefs etwa aus Polen und dem Baltikum wolle er dort ein Zeichen der Solidarität mit der Demokratiebewegung setzen, teilte das Präsidialamt in Berlin mit.

US-Außenminister John Kerry brachte neue Sanktionen gegen Russland ins Gespräch. Kurz vor einem Treffen mit seinem britischen Kollegen Philip Hammond in London sagte er, Russlands Verhalten „widerspricht allem, was die internationale Gemeinschaft seit dem Zweiten Weltkrieg versucht hat zu erreichen“.

Die Konfliktparteien in der Ostukraine warfen sich erneut gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor. Vor allem im Raum Donezk habe die Armee auf Aufständische geschossen, sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin. Die Führung in Kiew wies die Vorwürfe zurück.

179 tote und 80 vermisste Soldaten

Wenige Tage nach dem Abzug der Armee aus Debalzewo sagte Poroschenkos Berater Juri Birjukow, der Kampf um die strategisch wichtige Stadt habe mindestens 179 Soldaten das Leben gekostet. Mehr als 80 Soldaten würden noch vermisst. Beobachter schätzen die Verluste höher ein. In der von den Aufständischen übernommenen Stadt traf unterdessen ein russischer Lastwagenkonvoi ein. Er soll Hilfsgüter geladen haben.

Die ukrainische Führung entzog unterdessen etwa 100 russischen Medien vorerst die Akkreditierung bei Staatsorganen in Kiew und schloss auch 23 Grenzübergänge zu Russland. Der Kreml kritisierte die Maßnahmen. „Das entspricht nicht dem Selbstverständnis eines modernen demokratischen Staates“, sagte Sprecher Dmitri Peskow.

Separatisten und Regierungseinheiten unternahmen einen neuen Anlauf für den Austausch von Gefangenen. Zahlreiche Armeesoldaten seien nach Lugansk gebracht worden, teilten die Aufständischen mit. Mit der Militärführung in Kiew seien Listen mit den Namen der Gefangenen ausgetauscht worden, sagte Separatistensprecherin Darja Morosowa.

dpa

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