Wie ihn Meteorologen beurteilen

Dieser Sommer ist gar nicht zu kalt

Offenbach - Zwei Drittel des meteorologischen Sommers sind vorbei, der Deutsche Wetterdienst zieht eine erste Bilanz. Eine stabile Wetterlage fehlte bisher, doch es war weder zu kalt noch zu düster.

Der Sommer ist in Deutschland bisher ganz typisch wechselhaft, vielerorts aber auch ungewöhnlich nass verlaufen. „Die ersten beiden Sommermonate waren sehr abwechslungsreich und unbeständig. Das ist auffällig, aber auch typisch“, sagte Meteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Freitag in Offenbach. Ein sehr heißer und beständiger Sommer wie etwa im Jahr 2003 sei eher die Ausnahme, dennoch hätten stabile Wetter-Perioden mit ein oder zwei freundlichen Wochen am Stück bisher gefehlt. Zu kalt war es aber keineswegs.

Am heißesten sei es in diesem Sommer bislang mit jeweils 36,4 Grad am 24. Juni in Berlin und am 20. Juli im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach gewesen. Die bundesweite Durchschnittstemperatur von 17,3 Grad liegt laut Lux rund ein Grad über dem Soll, das sich aus einer Referenz aus 30 Jahren ergibt. Im Schnitt am wärmsten war es demnach in Waghäusel (Kreis Karlsruhe) mit 19,6 Grad.

Der Regen-Sollwert des Sommers ist an etlichen Messstationen bereits erreicht oder überschritten und auch ein neuer Sommer-Regen-Rekord aufgestellt: In Borken in Nordrhein-Westfalen sind im Juni und Juli schon 362 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Bislang lag der Rekord dort bei rund 313 Litern - allerdings im ganzen Sommer. Insgesamt sei der Juni ungewöhnlich nass gewesen. Schuld daran war eine Großwetterlage namens „Tief Mitteleuropa“, bei der sich tiefer Luftdruck über viele Tage über Deutschland hält. „Das führte zu den vielen Niederschlägen und feuchter Luft“, erklärt Lux.

Nichts auszusetzen hat der Meteorologe hingegen an der bisherigen Sonnenscheindauer: „Da liegen wir derzeit bei 65 Prozent des Solls für den gesamten Sommer. Das ist also genau das, was man nach zwei Monaten erwarten kann.“ Wie fast in jedem Jahr war die sonnigste Ecke Deutschlands an der Küste im Nordosten zu finden, wo rund um Rügen und Hiddensee die Sonne gut 540 Stunden lang strahlte.

Nordrhein-Westfalen hingegen schneidet bisher als „trübste Ecke“ ab, hier gab es im Juni und Juli viele Gewitter, Wolken und stellenweise hohe Niederschläge. „Dafür ist Duisburg und keineswegs Freiburg, wie oft angenommen wird, im Jahresmittel die wärmste Stadt der Republik. Einfach, weil es dort im Winter nicht so kalt wird“, sagte Lux.

dpa

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