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Affenpocken-Infektionen steigen: Erreger laut Studie „überraschend“ stark mutiert

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Von: Karolin Schäfer

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Der internationale Ausbruch der Affenpocken beunruhigt Experten. Aus einer Studie geht jetzt hervor, dass der Erreger überraschend stark mutiert.

Lissabon – In Deutschland werden immer mehr Fälle von Affenpocken bekannt. Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtete über 650 Fälle in 14 Bundesländern. Weltweit sind bereits 5000 Infektionen gemeldet worden. Einer Studie zufolge soll der Erreger des aktuellen Ausbruchs von Affenpocken nun überraschend stark mutiert sein.

Verglichen mit verwandten Viren aus den Jahren 2018 und 2019 gebe es rund 50 Unterschiede im Erbgut, schrieb ein Team aus Portugal in der Fachzeitschrift Nature Medicine. Angesichts früherer Schätzungen sei das weit mehr, als für diese Art von Erreger zu erwarten wäre. Die Forschenden sprechen von sechs- bis zwölfmal mehr, was auf eine beschleunigte Evolution hindeuten könnte. Die WHO prüft indes einen Affenpocken-Gesundheitsnotstand.

Der Erreger des aktuellen Ausbruchs von Affenpocken soll überraschend stark mutiert sein.
Der Erreger des aktuellen Ausbruchs von Affenpocken soll überraschend stark mutiert sein. © Eduardo Parra/dpa

Studie gibt Hinweise: Affenpocken-Virus ungewöhnlich stark mutiert

Die Autorinnen und Autoren der Studie, die sich vor allem auf Fälle aus Portugal stützte, vermuteten hinter dem aktuellen Ausbruch eine oder mehrere Einschleppungen aus einem Land, in dem das Virus dauerhaft vorkommt. Sogenannte Superspreader-Events sowie internationale Reisen schienen dann die weitere Ausbreitung unterstützt zu haben. „Unsere Daten liefern zusätzliche Hinweise auf anhaltende virale Evolution und mögliche Anpassung an den Menschen“, schrieb das Team um João Paulo Gomes vom National Institute of Health Doutor Ricardo Jorge (INSA) in Lissabon.

Bisher gingen Fachleute von einer eher langsamen Entwicklung des Affenpocken-Virus aus, besonders mit Blick auf die zahlreichen Varianten von Sars-CoV-2. Die Mutationsrate beim Affenpocken-Erreger sei „in der Tat überraschend hoch“, stellte Richard Neher, Experte für die Evolution von Viren, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) fest. Dafür könnten Enzyme des menschlichen Immunsystems verantwortlich sein, wägten die Autorinnen und Autoren der Studie ab.

Beschleunigte Mutation auch innerhalb des aktuellen Affenpocken-Ausbruchs

„Auch innerhalb des aktuellen Ausbruchs sehen wir diese beschleunigte Mutation. Die Rate ist in etwa bei einer Mutation pro Genom pro Monat – mit einiger Unsicherheit“, sagte Neher. Das Corona-Virus habe etwa zwei Mutationen pro Genom pro Monat, obwohl dieses Genom siebenmal kleiner sei. Dem Evolutions-Experten zufolge seien solche Vergleiche der Mutationsraten aber nicht sonderlich aussagekräftig und sagten nur wenig über die relative evolutionäre Wandelbarkeit der Viren aus, erklärte Neher.

Ob die Mutationen den derzeitigen Ausbruch erst möglich gemacht habe, ist unklar. Neher zufolge gebe es dafür noch keine Hinweise, ausschließen könne man es aber nicht. Die meisten der Mutationen hätten „vermutlich keine dramatischen Auswirkungen“. Wie der Wissenschaftler schilderte, haben mittlerweile viele Labore das Erbgut von Affenpocken-Fällen analysiert – die meisten dieser Sequenzen gehörten zu dem in der Studie beschriebenen Cluster.

Währenddessen arbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an einer „nicht diskriminierenden“ Bezeichnung für das Affenpocken-Virus. (kas/dpa)

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