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Affenpocken: WHO warnt vor Ausbreitung bei großen Partys und Festivals

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Von: Kim Hornickel, Karolin Schäfer, Isabel Wetzel, Sophia Lother, Alina Schröder

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Das Affenpocken-Virus breitet sich weiter aus – auch in Deutschland. Nun gibt es Neuigkeiten zum Thema Impfstoff. Die Lage im News-Ticker.

Update vom Mittwoch, 1. Juni, 09.00 Uhr: Vor knapp zwei Wochen wurden die ersten Affenpocken-Infektionen in Deutschland bestätigt. Seitdem wächst die Zahl der Erkrankungen und immer mehr Bundesländer sind betroffen. Die Zahl der bestätigten und bereits an das Robert Koch-Institut gemeldeten Fälle stieg von 21 auf mittlerweile 33, wie das RKI am Dienstag (31. Mai) auf seiner Hompage schrieb. Neben diesen Betroffenen aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt wurde am Dienstag auch noch ein zusätzlicher Fall in Hamburg bekannt.

Die Zahl der Fälle in Großbritannien steigt dagegen bereits auf knapp 180, wie die britische Gesundheitsbehörde Anfang der Woche mitteilte. In Großbritannien wurde vor einigen Wochen der erste Fall in Europa gemeldet. Die Menschen wurden dazu aufgerufen, auf neue Flecken, Blasen oder Geschwüre zu achten und im Zweifelsfall ihre Kontakte einzuschränken.

Mehr als 30 Affenpocken-Infektionen in Deutschland: WHO warnt vor Festivals

Das Regionalbüro Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht die Gefahr einer weiteren Verbreitung der Affenpocken vor allem bei bevorstehenden Festivals und großen Partys. „Das Potenzial für eine weitere Übertragung in Europa und anderswo im Sommer ist hoch“, heißt es in einer Erklärung des WHO-Regionaldirektors für Europa, Hans Henri Kluge. Festivals und Feiern in den kommenden Monaten böten aber auch die Möglichkeit, um bei jungen, sexuell aktiven und mobilen Menschen das Bewusstsein für die Krankheit zu steigern und das Schutzverhalten zu stärken.

Die Weltgesundheitsorganisation sieht in bevorstehenden Festivals und großen Partys die größte Gefahr zur Ausbreitung der Affenpocken. (Symbolbild)
Die Weltgesundheitsorganisation sieht in bevorstehenden Festivals und großen Partys die größte Gefahr zur Ausbreitung der Affenpocken. (Symbolbild) © Thomas Frey/dpa

Bei dem aktuellen Ausbruch der Affenpocken handelt es sich um den größten und geografisch am weitesten verbreiteten Affenpocken-Ausbruch, über den jemals außerhalb der Endemiegebiete in West- und Zentralafrika berichtet worden sei.

Weltweite Ausbreitung der Affenpocken: Erste Verdachtsfälle in Thailand

Update vom Dienstag, 31. Mai, 08.20 Uhr: Jetzt werden auch in Thailand zwölf Menschen medizinisch beobachtet, nachdem sie in Kontakt mit einem Affenpocken-Patienten gekommen sind. Bei dem bestätigten Fall handelte es sich um einen Passagier, der von Europa auf der Durchreise nach Australien war und sich zwei Stunden auf dem Flughafen von Bangkok aufgehalten hatte, wie Chakkrarat Pitthaya, Direktor der Epidemiologie-Abteilung der Behörde für Seuchenkontrolle, bestätigte. Infektionen mit dem Virus werden mittlerweile aus immer mehr Ländern gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief zu einer Nachverfolgung aller Kontakte der Betroffenen auf.

Typische Symptome einer Infektion mit Affenpocken
Fieber
Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen
Geschwollene Lymphknoten
Schüttelfrost
Ausschlag
Quelle: RKI

Der Mann habe zu diesem Zeitpunkt noch keine Symptome gehabt und diese erst später in Australien entwickelt, wo die Infektion dann bestätigt worden sei, hieß es. Alle zwölf Kontakte seien bislang asymptomatisch. Es handelte sich um Passagiere und Flugbegleiter. Insgesamt sollen sie 21 Tage medizinisch beobachtet werden. Jedoch sei das Risiko, dass sie sich angesteckt hätten gering, so Pitthaya.

Weitere Affenpocken-Infektionen in Deutschland – Verbände fordern „rasches Handeln“

Update von Montag, 30. Mai, 14.15 Uhr: In Deutschland hat sich die Fallzahl an Infektionen mit Affenpocken erhöht. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts haben sich mindestens 21 Personen mit dem Virus infiziert. Die Nachweise stammen demnach aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Affenpocken in Deutschland: Verbände mit dringender Forderung

Indes haben medizinisch-wissenschaftliche Fachverbände ein „rasches und konsequentes Handeln“ angemahnt. Besonders wichtig seien zunächst eine zielgruppenspezifische Aufklärung, die Isolation von Infektionsfällen sowie Quarantäne für enge Kontaktpersonen und Verdachtsfälle, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Aus Sicht der Verbände könnte ein normaler Pockenimpfstoff, der in den USA und Kanada auch für die Prävention von Affenpocken zugelassen ist, in den nicht gegen Pocken geimpften Geburtsjahrgängen in Deutschland „einen relevanten Beitrag zur Erhöhung des Schutzes vor Infektion und Erkrankung leisten“. Die Option solle von der europäischen Zulassungsbehörde EMA und der Stiko geprüft werden. 

Affenpocken breiten sich aus: Lauterbach erwartet erste Impfstoff-Lieferungen

+++ 21.00 Uhr: Während sich die Affenpocken in Europa weiter ausbreiten, hofft Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf eine schnelle Lieferung erster Impfstoffe gegen die Viruserkrankung. 40.000 Dosen sollen in den ersten beiden Juni-Wochen nach Deutschland geliefert werden, kündigte Lauterbach an. Danach rechne er mit 200.000 weiteren Einheiten, so der Gesundheitsminister am Sonntag in einer ARD-Sendung. Ein entsprechender Liefervertrag sei bereits unterzeichnet worden.

Affenpocken breiten sich in Deutschland aus: Lauterbach nennt Details zu Impfung

„Wir warten auf die Antwort des Unternehmens, aber ich gehe davon aus, dass wir diesen Impfstoff sehr bald haben werden“, so der SPD-Politiker weiter. Wer die Impfung erhalten soll, ist bislang noch unklar. Zuerst müsse ein Impfkonzept entwickelt werden. Die Gefahr einer neuen Pandemie sehe Lauterbach aber nicht, das wiederholte er abermals in der ARD-Sendung. Dennoch seien Affenpocken „keine schöne Erkrankung. Wir müssen das eindämmen. Wir wollen auch nicht, dass es sich festsetzt.“

In West- und Zentralafrika dagegen ist die Pockenerkrankung endemisch. Dort treten sie in den entsprechenden Ländern dauerhaft und gehäuft auf. Zuletzt traten auch zahlreiche Fälle in mehr als 20 anderen Staaten auf, darunter auch in Deutschland.

Affenpocken: Weitere Fälle in Deutschland und Europa

Update vom Samstag, 28. Mai, 17.00 Uhr: In Brandenburg ist ein erster Affenpocken-Fall bestätigt worden. Das teilte das Gesundheitsministerium am Samstag mit. Das Ergebnis sei im Konsiliarlabor für Pockenviren des Robert Koch-Instituts bestätigt worden. Bis Freitag (27. Mai) waren dem RKI insgesamt 16 Infektionen mit dem Affenpocken-Virus in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt gemeldet worden. Demnach sind die meisten Betroffenen nicht schwer erkrankt. Allerdings seien weitere Fälle in Deutschland zu erwarten.

Auch in Irland wurde ein erster Affenpocken-Fall bestätigt. Man sei am Freitagabend über einen Fall im Osten des Landes verständigt worden, teilte die irische Gesundheitsbehörde am Samstag mit. Die betroffene Person, über die keine weiteren Details öffentlich gemacht wurden, werde bislang nicht im Krankenhaus behandelt. In Frankreich sind zwei Personen gegen das Virus geimpft worden. In Großbritannien wurden bereits mehr als 1000 Kontaktpersonen geimpft. 

Affenpocken breiten sich weiter aus: EU will gemeinsam Impfstoff beschaffen

+++ 19.55 Uhr: Die EU arbeitet an einem gemeinsamen Einkauf von Impfstoffen und Medikamenten gegen die Affenpocken. Wie eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag in Brüssel bestätigte, wurde mit den Mitgliedstaaten ein breiter Konsens darüber erzielt, dass die neue EU-Behörde zur Vorsorge von Gesundheitskrisen (Hera) so bald wie möglich medizinische Abwehrmittel beschaffen soll. Das genaue Verfahren werde in den nächsten Tagen mit den Mitgliedstaaten festgelegt. Zugleich betonte die Sprecherin, dass eine Affenpocken-Impfung auf ganz konkrete Fälle beschränkt sein werde, da die Übertragbarkeit und das Risiko des Virus nicht mit Covid-19 vergleichbar seien.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte bereits Anfang der Woche mitgeteilt, dass sich Deutschland für den möglichen Fall einer weiteren Ausbreitung der Affenpocken bereits „bis zu 40.000 Dosen“ Pockenimpfstoff gesichert habe. Das Vakzin namens Imvanex sei in den Vereinigten Staaten gegen Affenpocken zugelassen, sagte er. Es gehe darum, vorbereitet zu sein auf eventuell nötige Impfungen von Kontaktpersonen von Infizierten.

Affenpocken-Virus: WHO äußert sich zu Fällen – „Es handelt sich nicht um Covid“

Update vom Freitag, 27. Mai, 15.15 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation fordert angesichts der ungewöhnlichen Verbreitung von Affenpocken zwar Maßnahmen, sieht aber keinen Grund für Alarmstimmung. „Das ist keine Krankheit, die die Öffentlichkeit besorgt machen sollte. Es handelt sich nicht um Covid“, sagte die WHO-Expertin Sylvie Briand am Freitag (27. Mai) in Genf bei einem Briefing für WHO-Mitgliedsländer. Nichtsdestotrotz sollten Affenpocken-Infektionen schnell erfasst werden und die Betroffenen sich isolieren. Die WHO geht davon aus, dass die meisten Fälle mild verlaufen. Allerdings hätten Schwangere, Kinder und Menschen mit schwachem Immunsystem ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf.

„Wir haben ein gutes Zeitfenster, die Übertragung nun zu stoppen“, sagte Briand. Unklar sei aber, wie groß die Lagerbestände an Impfstoffen gegen Pocken seien, die auch gegen Affenpocken helfen dürften. Die WHO rechnet mit einer weiter steigenden Zahl von Fällen. Die Affenpocken seien inzwischen in mehr als 20 Ländern aufgetreten. „Wir wissen nicht, ob wir gerade nur die Spitze des Eisbergs sehen“, so Briand. Zur Ursache der aktuellen Entwicklung gibt es nach bisherigen Angaben noch keine klaren Erkenntnisse.

Affenpocken können „jeden treffen“ – Lauterbach warnt vor Stigmatisierung homosexueller Männer

+++ 23.00 Uhr: Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnt davor, dass die Affenpocken endemisch werden könnten, sollte der Erreger von Menschen auf Tiere überspringen und sich in einer Tierpopulation ausbreiten. Doch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) sieht ein dauerhaftes Vorkommen von Affenpocken in Tieren in Europa als sehr unwahrscheinlich an. „Es ist fraglich, ob es in Europa überhaupt Tierspezies gibt, die als geeignete Reservoirwirte in Frage kommen“, schreibt das für Tiergesundheit zuständige Bundesforschungsinstitut. Dennoch müsse die weitere Entwicklung beobachtet werden.

Update vom Donnerstag, 26. Mai, 08.00 Uhr: Karl Lauterbach hat angesichts von Affenpocken-Infektionen in Deutschland vor der Stigmatisierung homosexueller Männer gewarnt. Es müsse verhindert werden, „dass Menschen stigmatisiert werden, die homosexuell sind und Sex mit Männern haben“, betonte der Bundesgesundheitsminister am Mittwochabend bei Markus Lanz. „Das ist einfach wichtig zu sagen: Es kann jeden treffen“, so Lauterbach.

Sven Lehmann, Queer-Beauftragter der Bundesregierung, sagte zudem den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass es ein Trugschluss sei, dass „schwule oder bisexuelle Männer an sich gefährdeter sind. Das Virus kennt keine sexuelle Orientierung“. „Panikmache und Stigmatisierung“ müssten unbedingt vermieden werden, so der Grünen-Politiker.

Kein Mangel bei Impfstoffen: Affenpocken-Impfung ohne Engpässe möglich

+++ 15.30 Uhr: Dem Hersteller des Affenpocken-Impfstoffs Imvanex zufolge ist bei dem aktuellen Ausbruch nicht mit einem Mangel des Vakzins zu rechnen. „Wir glauben, dass wir die weltweite Nachfrage bedienen können ohne weitere Investitionen in unsere Produktionsanlagen“, sagte Sprecher des Unternehmens Bavarian Nordic, Rolf Sass Sørensen, am Mittwoch (25. Mai) im Gespräch mit der dpa. Bavarian Nordic hat seinen Hauptsitz in Dänemark, wo auch die Produktion stattfindet. Entwickelt wurde der Vektorimpfstoff aber in der deutschen Niederlassung in Martinsried bei München.

Das Unternehmen verfügt über die einzige Zulassung für ein Vakzin gegen die Affenpocken weltweit. Möglich sei derzeit die Produktion von 30 Millionen Dosen jährlich, sagte Sørensen. Die Zulassung für Affenpocken beschränkt sich jedoch auf die USA, wo der Impfstoff unter dem Namen Jynneos bekannt ist, und Kanada. Eine Zulassung in der Europäischen Union sei in Planung, sagte Sørensen. In Europa ist der Impfstoff bisher nur für die als ausgestorben geltenden Pocken beim Menschen zugelassen. Beispielsweise in Großbritannien werde das Vakzin aber auch „Off-Label“, also ohne entsprechende Zulassung eingesetzt, so Sørensen weiter.

Affenpocken in Deutschland: Stiko-Chef hält Impfung von Risikogruppen für sinnvoll

Update vom Mittwoch, 25. Mai, 11.30 Uhr: Laut dem Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, könnte eine präventive Impfung gegen Affenpocken für Risikogruppen sinnvoll sein. „Darüber wird derzeit nachgedacht“, sagte Mertens der Rheinischen Post am Mittwoch. Im Gegensatz zur klassischen Pockenimpfung seien bei dem modernen Impfstoff keine Nebenwirkungen zu erwarten. Eine Impfung der gesamten Bevölkerung sei aber „sehr wenig wahrscheinlich“.

Ältere Menschen, die gegen die Pocken geimpft wurden, verfügen laut dem Stiko-Chef auch über einen Impfschutz gegen die Affenpocken. „Ein gewisser Schutz hält wahrscheinlich lebenslang an“, sagte Mertens. Zwar sei der Impfschutz nicht vollständig, er schütze aber zumindest gegen schwere Erkrankungen.

Die angekündigten bis zu 40.000 Dosen eines Pockenimpfstoffs zur etwaigen Anwendung gegen Affenpocken in Deutschland könnten laut dem Präsidenten der Gesellschaft für Virologie knapp bemessen sein. „Dennoch ist das ein guter Anfang, insbesondere für Impfungen im Bereich bekannter Infektionscluster, wodurch man das Ausbruchsgeschehen wahrscheinlich deutlich eingrenzen kann“, sagte Ralf Bartenschlager vom Universitätsklinikum Heidelberg der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wissen nicht, wie sich der Ausbruch weiter entwickelt. Deshalb sollte man zügig mit diesen Impfungen beginnen. Bei weiterer Verbreitung des Erregers wird das Eindämmen sonst immer schwieriger.“

Affenpockenvirus: Hessen meldet erste Infektion

+++ 20.00 Uhr: Auch in Hessen ist laut Sozialministerium eine Affenpocken-Infektion nachgewiesen worden. Das Ergebnis sei mittels Elektronenmikroskopie und PCR durch das Institut für medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt bestätigt worden, teilte die Landesbehörde in Wiesbaden mit. Die infizierte Person sei am 24. Mai mit entsprechenden Symptomen in die Uniklinik gekommen. Alter und Geschlecht des oder der Betroffenen waren zunächst nicht zu erfahren.

Der erste nachgewiesene Fall in Deutschland überhaupt war in der vergangenen Woche aus Bayern gemeldet worden. Der betroffene Mann soll zuvor auch vorübergehend in Frankfurt am Main gewesen sein.

Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) teilte mit, das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung sei als gering einzuschätzen. „Dennoch verfolgen auch wir die Entwicklung natürlich sehr aufmerksam.“

Zuvor waren in Bayern zwei weitere Fälle von Affenpocken bestätigt worden. Beide Patienten seien kürzlich unabhängig voneinander von einer Auslandsreise in den Freistaat zurückgekehrt, teilte das Gesundheitsministerium in München mit. Einer der beiden Patienten befinde sich nun in der München Klinik Schwabing. Der andere Fall wurde aus dem Landkreis Ansbach gemeldet, wo sich der Betroffene nun auch in Isolation befinde.

Infektion mit Affenpocken: Mehr als 250 Fälle weltweit

+++ 15.15 Uhr: Weltweit und in der EU treten erneut einzelne Fälle von Affenpocken auf. So ist in Slowenien und Tschechien jeweils ein erster Fall von Affenpocken gemeldet worden. Auch in Deutschland sind mehrere Infektionen mit Affenpocken bekannt. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mehr als 250 Fälle von Affenpocken aus 16 Ländern gemeldet worden (Stand: 23. Mai).

In Großbritannien wurden bislang 56 Fälle von Affenpocken registriert. Britische Gesundheitsbehörden haben seit dem vermehrten Auftreten von Affenpocken-Fällen bereits mehr als 1000 Dosen des Pockenimpfstoffs Imvanex an Kontaktpersonen verabreicht. Das teilte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde am Dienstag (24. Mai) mit. Weitere 3500 Dosen seien auf Lager, fügte die Sprecherin hinzu.

Affenpocken in Deutschland: Lothar Wieler geht von weiteren Fällen aus

Das RKI geht von weiteren Affenpocken-Erkrankungen in Deutschland aus. Es sei klar, dass weitere Fälle hierzulande zu erwarten seien, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag (24. Mai) beim Deutschen Ärztetag in Bremen. „Unser Ziel ist es deshalb, den Ausbruch einzudämmen“, so Wieler. Dies könne über erfolgreiche Kontaktnachverfolgung, Vermeiden von engen Kontakten zu Infizierten und Hygienemaßnahmen gelingen. Risikogruppen müssten achtsam sein.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht jedoch nicht von einem Beginn einer neuen Pandemie aus, mahnte aber auf einer Pressekonferenz am Dienstag (24. Mai) zur Vorsicht: Mit Affenpocken könnten sich theoretisch alle Bevölkerungsgruppen, auch Kinder und Jugendliche infizieren. Der Ausbruch von Affenpocken in Deutschland will der Gesundheitspolitiker durch Quarantäne-Maßnahmen und Ringimpfungen eindämmen. Bei Ringimpfungen werden Kontaktpersonen geimpft.

Weitere Affenpocken-Infektionen: USA bereiten Impfungen für Kontaktpersonen vor

Update von Dienstag, 24. Mai, 07.15 Uhr: Die USA bereiten sich darauf vor, enge Kontaktpersonen von Infizierten gegen Affenpocken zu impfen. „Im Moment hoffen wir, den Impfstoff so weit wie möglich an diejenigen zu verteilen, von denen wir wissen, dass sie davon profitieren würden“, erklärte Jennifer McQuiston von der Gesundheitsbehörde CDC. Vor allem immunschwache Menschen seien laut CDC-Epidemiologen John Brooks einem größeren Risiko einer Erkrankung ausgesetzt.

Laut CDC verfügen die USA über rund tausend Impfstoffdosen gegen Pocken und Affenpocken. McQuiston kündigte jedoch „sehr schnelle“ weitere Lieferungen an. In den USA gibt es bisher eine bestätigte Infektion sowie einige Verdachtsfälle. In Europa sind bereits dutzende Ansteckungen bekannt, auch in Deutschland gibt es einige bestätigte Fälle. Neben den USA stockt auch Großbritannien seine Impfvorräte auf.

Die Kinderärzte in Deutschland beklagen derweil eine „Panikmache“ bei den Affenpocken. Das Virus sei „weit weniger ansteckend als Corona“ und werde fast ausschließlich durch „engen Körperkontakt und Körperflüssigkeiten“ übertragen, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Ansteckungsgefahr für Kinder – und auch Erwachsene – sei daher in Europa aktuell sehr gering.

Affenpocken: Gibt es bald eine Impfung und Quarantäne-Regeln in Deutschland?

Erstmeldung von Montag, 23. Mai: Berlin – Die Affenpocken sind inzwischen in Deutschland angekommen. Vier Personen mit einer Infektion wurden bereits registriert. Weltweit steigen die Infektionszahlen mit dem Virus. Doch welche Pläne haben Deutschland und andere betroffene Länder im Kampf gegen das Affenpockenvirus?

In Deutschland werden aktuell weitere Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet, betonte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Rande der Weltgesundheitsversammlung. Zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) erarbeite man Isolations- und Quarantäneempfehlungen gegen eine Ausbreitung der Affenpocken. Zudem werde darüber nachgedacht, „ob wir vielleicht Impfempfehlungen aussprechen müssen für besonders gefährdete Personen“, erklärte Lauterbach laut Deutscher Presse-Agentur.

Affenpocken in Deutschland: Kommt die Impfung gegen das Virus?

Laut Lauterbach sei eine Impfung der allgemeinen Bevölkerung aktuell nicht im Gespräch. Er sprach sich für eine entschiedene internationale Eindämmung aus. Der weltweite Ausbruch sei so ungewöhnlich, dass man sich Sorgen machen müsse, ob er so ablaufe wie frühere Affenpocken-Ausbrüche. Es sei eher damit zu rechnen, dass sich Art und Weise der Verbreitung geändert haben könnten, „so dass wir jetzt schnell und hart reagieren müssen, um einen globalen Ausbruch wieder einzudämmen“. Eine Affenpocken-Infektion zeigt sich anhand spezifischer Symptome, wie Fieber, Ausschlag und geschwollenen Lymphknoten.

Kommt die Impfung gegen die Affenpocken? Fachleute äußern sich

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, äußerte sich gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe zum Thema Impfen und Affenpocken. „Wer gegen die Pocken geimpft ist, hat einen guten Schutz“. Wer jünger sei und diesen Impfschutz nicht habe, trage ein höheres Risiko, an den Affenpocken zu erkranken. „Es wäre deswegen sinnvoll, allen Jüngeren, die nicht mehr unter die Pockenimpfpflicht gefallen sind, jetzt ein Impfangebot zu machen“, betonte er.

Dabei stünden die aktuell besonders gefährdeten Gruppen im Vordergrund – „also in der Regel jüngere Männer mit vielen wechselnden Sexualkontakten“. Eine solche Impfkampagne ergebe aber nur Sinn, wenn man es weltweit mache.  Eine Übertragung der Affenpocken ist generell bei engem Kontakt und über kontaminierte Materialien möglich. Die Weitergabe über die Luft spielt – anders als etwa bei Corona – hingegen kaum eine Rolle

Affenpocken: Quarantäne und Isolation bei Infektion

Im Kampf gegen die Affenpocken setzte die britische Gesundheitsbehörde UKHSA nun eine empfohlene Quarantänezeit von drei Wochen für enge Kontaktpersonen von Infizierten fest. Belgische Behörden ordnen eine 21-tägige Isolation für Infizierte an, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums gegenüber der dpa bestätigte. Für Kontaktpersonen gilt dies dort nicht, ihnen wird nur zu besonderer Vorsicht geraten. (kh/slo/kas/als mit dpa/AFP)

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