Von Illegalität und Grauzonen im Netz

Illegale Downloads, unlizenzierte Produkte, Gratis-Streaming – Das sollten Verbraucher wissen

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Nicht nur beim illegalen Download von Filmen, sondern etwa auch von Software macht man sich strafbar. Und auch bei anderen Handlungen sollten Verbraucher im Netz besonders vorsichtig sein.

Das Internet bietet Möglichkeiten, von denen vor noch gar nicht so vielen Jahren noch keiner geträumt hat. Allerdings bergen das Surfen, Downloaden und Streamen auch Gefahren.

Auf irgendwelchen Online-Plattformen finden sich im Netz oft ein bestimmtes Videospiel, das eigentlich kostenpflichtig ist, ein Film oder auch ein Musikalbum. Kostet dieses Objekt der Begierde in der Rhein-Galerie, im Rathaus-Center oder in sonstigen Kaufhäusern etwa in der Ludwigshafener Innenstadt Geld, ist die Entscheidung zum kostenfreien Download bei vielen Internetnutzern schnell gefällt. Warum auch Geld ausgeben, wenn man das Produkt einfach kostenlos downloaden kann? 

Die Antwort ist ganz einfach: Weil fast alles, was im Handel Geld kostet, im Netz aber irgendwo kostenlos zum Download zur Verfügung steht, dort illegal angeboten wird. Vor allem Songs (von bekannten Musikern) und aktuelle Kinofilme sind in 99% der Fälle illegal im Netz, falls kostenlos angeboten.

Filesharing und die Folgen 

Besondere Vorsicht ist bei der Nutzung klassischer Tauschbörsen geboten. Zu den bekanntesten zählen zum Beispiel "uTorent" und "eMule". Neue Tauschbörsen sind optisch so aufbereitet, dass viele Nutzer alleine schon aufgrund der Benutzerfreundlichkeit und des Designs denken, dass die Seite ja legal sein muss, wenn sie sie professionell aussieht. Allerdings verbreiten auch solche Seiten über das Filesharing illegal Filme und Musik, deren Download in der Regel illegal ist, wenn es sich bei der Datei um eine illegale Kopiervorlage handelt. Problematisch ist auch, dass viele Nutzer mit einem Download gleichzeitig wieder die Datei oder eine andere uploaden und zur Verbreitung zur Verfügung stellen – meist ohne, dass sie sich dessen bewusst sind. 

Denn das illegale Filesharing verstößt in jedem Fall gegen das deutsche Recht. Bestimmte Anwaltskanzleien sind geradezu spezialisiert darauf, Abmahnungen zu verschicken. Finden lassen sich die Internetnutzer, die illegal up- und downloaden einfach über die IP-Adresse. Zwar lässt sich diese mittels legalem Tor Browser verschlüsseln, besser ist es aber erst gar keine Dateien illegal herunterzuladen. Im ungünstigsten Fall drohen sonst nämlich Geldstrafen in Höhe von Hunderten oder sogar mehreren Tausend Euro.

Mit fremdem WLAN heruntergeladen – Wer haftet? 

Noch vor Kurzem mussten auch all diejenigen, die ihr WLAN anderen zur Verfügung stellten, damit rechnen, zur Verantwortung gezogen zu werden, wenn über ihren Anschluss illegale Downloads erfolgten. Eines der Gesetze zur Änderung des Telemediengesetzes, die im Oktober 2017 in Kraft traten, besagt nun allerdings, dass etwa auch Café-Betreiber offenes WLAN für Kunden anbieten können, ohne sich dem Risiko auszusetzen, kostenpflichtig abgemahnt zu werden. Gleiches gilt natürlich auch im Falle Familienangehöriger oder Gäste, die das WLAN, das man ihnen anbietet, nutzen und illegal etwas runterladen. Allerdings geht dann bei einer Urheberrechtsverletzung die Abmahnung natürlich trotzdem an den Anschlussinhaber, der über die IP-Adresse des Internetzugangs ermittelt wird. Dieser muss dann darlegen, dass er selbst nicht der Verletzer des Urheberrechts war, sondern offenes WLAN angeboten hat.

Unlizenzierte und gebrauchte Software 

Raubkopien gibt es nicht nur von Spielen, Filmen oder Musik, sondern auch von Software. Ganze 80% der Arbeitszeit aller deutschen Berufstätigen werden durchschnittlich hinter dem Schreibtisch verbracht. Und auf 90% dieser Schreibtische steht ein Computer. Und dann kommt noch der private Gebrauch von Computern dazu. Manch einer dieser Millionen Computernutzer, der vielleicht ein bestimmtes Programm auch nur selten nutzt, es aber dennoch haben möchte, entscheidet sich für den Erwerb einer illegalen Kopie des eigentlichen Programms. Hier lässt sich eine Menge Geld sparen. Und der Kauf an sich ist auch noch nicht illegal. 

Wer die Software dann allerdings auf die Festplatte seines Computers kopiert, um sie zu nutzen, macht sich strafbar. Hinzu kommt, dass Kunden immer wieder auf dubiose Händler bei eBay oder Amazon reinfallen und mitunter Download Keys erhalten, die nicht funktionieren. Oder dass vielleicht sogar von legaler Software die Rede ist, das günstige Angebot verlockt und dieser Preis am Ende auch nur zustande kommen kann, weil es sich eben doch um Raubkopien handelt.

Auf Nummer Sicher gehen Internetnutzer, die ihre Software downloaden möchten, nur, wenn sie diese bei renommierten Händlern erwerben. Diese zeichnen sich beispielsweise durch einen "Trusted Shops Käuferschutz" und eine Geld-zurück-Garantie aus. Auch sollte der Produktschlüssel schnell und sicher per E-Mail beim Kunden ankommen und nicht erst nach einigen Stunden oder gar Tagen. 

Renommiert heißt übrigens nicht immer, dass es das Unternehmen schon seit Anbeginn der Computerzeit geben muss. Der Softwaremarkt entwickelt sich stetig weiter und es entstehen auch junge Unternehmen, bei denen teilweise seriöse und sehr gute Angebote zu finden sind. Auch schreiben vertrauenswürdige Anbieter die Transparenz groß. Gängige AGBs, ein deutscher oder EU-Firmensitz sowie etwa eine "Über uns"-Kategorie, in der sich das Unternehmen persönlich und profilartig vorstellt, sollten einsehbar sein. Auch ein Ansprechpartner wie der Vorstand oder Geschäftsführer, die im Impressum aufgelistet sind, können Zeichen für einen seriösen Anbieter sein. 

Gerade für Unternehmen kann es übrigens kritisch werden, wenn sie in die Raubkopie-Falle tappen. Gerät ein Unternehmen ins Visier der Business Software Alliance (BSA) und stellt dieses einen oder mehrere Verletze des Urheberrechts fest, drohen Schadensersatzforderungen und hohe Rechtskosten. 

Streaming – Was ist noch legal? 

In Zeiten von Video-on-Demand und zahlreichen legalen Videoplattformen, deren Nutzung entweder kostenlos oder zumindest sehr günstig ist, stellen die illegalen Downloads für viele Internetnutzer schon gar keine Gefahr mehr da. Doch auch das Streaming ist nicht völlig rechtssicher. Denn auch hier ist die illegale Verbreitung von Raubkopien – wenn auch nur zum vorübergehenden Anschauen – gang und gäbe. 

Selbst das Streaming ist nicht immer legal. Es kommt auf die Plattform an

Und nicht nur die Betreiber diverser Websites, die illegal etwa Filme und Serien zum Streaming anbieten, machen sich strafbar. Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs begeht jeder, der illegal im Netz bereitgestellte Serien, Kinofilme oder auch Sport-Events (wie zum Beispiel die Fußball-Bundesliga) schaut, eine Urheberrechtsverletzung. 

Jeder, der dieses Risiko eingeht und nicht auf das illegale Streaming verzichten kann, muss also mit Konsequenzen rechnen. Trotz allem sind sich die meisten Experten immer wieder einig, dass nicht mit Abmahnwellen zu rechnen ist. Denn die IP-Adresse kann meist nur von den Betreibern der Portale eingesehen werden. Allerdings besteht dennoch die Chance, dass Ordnungshüter die Server ausfindig machen und diese überprüfen. 

Es ist also ratsam, Video- und auch Musikinhalte nur von bekannten und absolut vertrauenswürdigen Streamingdiensten zu konsumieren. Indizien dafür, dass es sich um illegales Streaming handelt, können sein: Das Angebot ist kostenlos, obwohl derselbe Inhalt an anderer Stelle Geld kostet

  • Die technische Qualität der Inhalte ist eher minderwertig oder schlechter, als anderswo
  • Es lassen sich keine Verantwortlichen für das Webangebot ausmachen. Impressum oder Angaben zu den Kontaktpersonen fehlen also
  • Die Länderkennung der Webseite ist offensichtlich sehr exotisch. Beispiele: Südseeinsel Tonga (Domain: .to) oder Osttimor (Domain: .tl)
  • Es findet sich aggressive Werbung etwa für Glücksspiele, Sexhotlines oder dubiose Verdienstmodelle auf der Website
  • Es gibt Aufforderungen, spezielle Download-Software zu kaufen oder diese vor dem Download zu installieren. Außerdem erfolgt viel Popup-Werbung.

Fotos von gängigen Plattformen und die Abmahnungen 

Heikel kann es auch bei der Nutzung von Bildern und Illustrationen werden, die im Internet auf vergleichbaren Plattformen, wie Pixabay.com & Co. kostenlos angeboten werden. Auf erwähnter Plattform finden sich ausschließlich lizenzfreie Bilder, die mit der Creative Commons license "CC0" ausgezeichnet sind. Nutzer verzichten damit beim Hochladen ihrer Bilder automatisch auf damit verbundene Rechte. Es ist somit allen Interessenten gestattet, die Bilder in jeglich denkbarer Weise zu verwenden, ohne den Urheber angeben zu müssen. 

Allerdings ist es nicht bei allen Plattformen so unkompliziert, wie bei Pixabay. Mit der bereits genannten Creative Commons license nämlich ist explizit der Verzicht auf Urheberrechte verknüpft. Und diese ist nicht immer so locker, wie bei Pixabay. So gibt es neben der CCO-Lizenz, an die keine Bedingung geknüpft ist, noch die: 

  • CC BY (Bedingung: Der Autor wird genannt, bzw. zitiert) 
  • CC NC (Bedingung: Inhalte dürfen nur nicht-kommerziell verwendet werden) 
  • CC ND (Bedingung: Inhalte dürfen nur in Form von unbearbeiteten Kopien verwendet werden. Ableitungen/ Weiterverarbeitungen sind nicht erlaubt. 

Auch ist immer zu bedenken, dass selbst bei Pixabay zwischen den kostenlosen Bildern immer wieder kommerzielle Bilder angezeigt werden, die aus Werbegründen von lizenzpflichtigen Anbietern eingefügt werden. Deren Nutzung ist selbstverständlich kostenpflichtig. 

Leider sind selbst Pixabay und kostenpflichtige Bilder-Plattformen und deren Kunden nicht immer vor Abmahnungen sicher. Denn von Zeit zu Zeit werden Bilder, die eigentlich geschützt sind, von einem Nicht-Urheber gekapert. Dieser gibt sie dann für die eigene Arbeit aus und stellt sie beispielsweise bei drei verschiedenen Anbietern ein. Bekommt der echte Copyright-Inhaber dies irgendwann mit, kann er seine Besitzrechte einfordern und sich dafür wieder an eine spezielle Copyright-Anwaltskanzlei/ Abmahn-Kanzlei wenden. Und dann kann es teuer werden. 

Wer absolut auf Nummer sicher gehen möchte achtet also auf Folgendes: 

  • Am besten werden keine Bilder mit erkennbaren Personen verwendet, außer wenn es sich eindeutig um einen Stock-Fotografen mit häufiger auftretenden Stock-Models handelt 
  • Auch Bilder, auf denen Logo, Marke oder geschützte Objekte zu sehen sind, sollten nicht verwendet werden 
  • Zusätze zum Nutzungsrecht (CCO, CC-BY, CC-NC, CC-ND) sind genau zu überprüfen 
  • Auf das Urheberrecht des eigenen Landes ist genau zu schauen 
  • Wenn eine Abmahnung erfolgt, sollte man sich mit der entsprechenden Plattform, von der der Download erfolgt ist, in Verbindung setzen. Zusätzlich ist am besten eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen 
  • Rechtsschutz- oder Portal-Versicherungen sind bei vielen Downloads eine Überlegung wert 
  • Der Urheber ist immer anzugeben. Selbst, wenn es nach Art des Nutzungsrechtes nicht unbedingt notwendig wäre 
  • Mit Google-Bildersuche oder TinEye sollten die Bildrechte schließlich auch überprüft werden.

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