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Nach Salmonellen-Fund in Kinder-Schokolade: Razzia an mehreren Ferrero-Standorten

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Von: Tanja Koch

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Behörden haben bei Razzien Papiere von Ferrero beschlagnahmt. Neben der Verantwortung soll geklärt werden, ob Behörden zu spät informiert wurden.

Brüssel – Belgische und luxemburgische Ermittlungsbehörden haben am Mittwoch (8. Juni) mehrere Standorte des Süßwarenkonzerns Ferrero durchsucht. Die Razzien sind Teil der Untersuchungen wegen eines Salmonellen-Ausbruchs bei Kinder-Schokoladenprodukten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz Luxemburg wurden unter anderem Dokumente und Computer-Hardware beschlagnahmt. Festgenommen wurde demnach aber niemand.

Von einer der Razzien betroffen war demnach das Ferrero-Werk im belgischen Arlon, wo die mit Salmonellen verseuchten Kinder-Produkte hergestellt wurden. Die Niederlassung ist seit dem 8. April auf Beschluss der Gesundheitsbehörden geschlossen. Weitere Razzien gab es demnach an Standorten in Brüssel sowie im Großherzogtum Luxemburg, wo Ferrero auch seinen Hauptsitz hat.

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Ferrero ist weiterhin mit seinem Salmonellen-Skandal beschäftigt. © Federico Pestellini/Imago

Ferrero soll Behörden zu spät alarmiert und Produkte zu spät zurückgerufen haben

Die Ermittlungen sollen klären, wer für die Salmonellen-Verseuchung verantwortlich ist und ob es Versäumnisse bei der Unterrichtung der Gesundheitsbehörden gab. Nach Angaben der Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Anne-Sophie Guilmot, wird unter anderem wegen des Verdachts von „Verstößen gegen die Lebensmittelsicherheit und -hygiene“, „der fahrlässigen Körperverletzung“ und „der unterlassenen Hilfeleistung“ ermittelt.

Der italienische Süßwarenkonzern wird verdächtigt, die Behörden erst spät alarmiert und die betroffenen Kinder-Produkte verspätet zurückgerufen zu haben. Obwohl bereits im Dezember 2021 Salmonellen in einem Buttermilch-Tank in Arlon entdeckt wurden, begann der Konzern erst Anfang April mit dem Rückruf von tausenden Tonnen Kinder-Produkten.

Bis Mitte April brachten die europäischen Behörden 150 Fälle von Salmonellose in neun Ländern, darunter auch in Deutschland, mit den Schokoladenprodukten von Ferrero in Verbindung. Der Großteil der Salmonellen-Infektionen trat demnach bei Kindern unter zehn Jahren auf.

Was sind Salmonellen?

Salmonellen sind Bakterien, die eine Lebensmittel-Infektion verursachen können und gelangen häufig über Lebensmittel in den Verdauungstrakt des Menschen. Sie vermehren sich im Magen-Darm-Trakt von Menschen und Tieren und verursachen Durchfall.

Diese Lebensmittel sind häufig mir Salmonellen belastet

Die Bakterien können sich schnell auf ungekühlten Lebensmitteln vermehren. Rohe und nicht vollständig durchgegarte Eier und Ei-Produkte wie Mayonnaise oder roher Kuchenteig sind schnell mit Salmonellen befallen. Ebenfalls oft betroffen sind Eis, rohes Fleisch, rohes Hack und Rohwurstsorten wie Mett und Salami.

Ansteckung und Ausbruch

Eine Salmonellen-Infektion hat oft ihre Ursache im Verzehr von befallenen Lebensmitteln. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist jedoch auch über eine Schmierinfektion möglich. Nach einer Infektion bricht die Erkrankung innerhalb von sechs bis 72 Stunden aus. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert auf ihrer Webseite ausführlich über Salmonellen.

Ferrero-Frankreich-Chef: „So schnell wie möglich wieder mit der Produktion“ starten

Die für den Salmonellen-Ausbruch verantwortlich gemachte Fabrik im belgischen Arlon sollte Mitte Juni wieder den Betrieb aufnehmen. „Wir haben eine Wiederinbetriebnahme ab dem 13. Juni beantragt, um so schnell wie möglich wieder mit der Produktion zu starten“, sagte Ferrero-Frankreich-Chef Nicolas Neykov der Zeitung „Le Parisien“.

Den belgischen Behörden sei dazu Anfang Mai ein Hygieneplan vorgelegt worden. Tausend Mitarbeitende sind demnach mit den Vorbereitungen der Wiederinbetriebnahme beschäftigt. 10.000 Teile in der Fabrik seien demontiert und einzeln gereinigt worden. Als Ursache für die Infektionsfälle mit Salmonellen wurde ein Filter in einem Tank der belgischen Fabrik ausgemacht. (tk mit afp/dpa)

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