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Star-Ökonom Sinn warnt: „Wir werden alle ärmer“

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Von: Nadja Pohr

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Hans-Werner Sinn
Die Energiekrise macht dem Volk schwer zu schaffen. Der Staat ist bei dieser Thematik heillos überfordert, äußert der Ökonom Hans-Werner Sinn. © Hannibal Hanschke/dpa

Star-Ökonom Hans-Werner Sinn spricht eine deutliche Warnung aus: Der Wohlstand in Deutschland ist in Gefahr. Die Krise wird ein Belastungstest für das deutsche Geschäftsmodell.

Stuttgart - Mit dem Ukraine-Krieg sind Anfang des Jahres eine Menge Lebensmittel teurer, aber auch knapp geworden. Allen voran der Preis für Speiseöl stieg rekordverdächtig an. Die Situation für Verbraucher verschärfte sich durch die Inflation und die Energiekrise noch einmal mehr.

Star-Ökonom Hans-Werner Sinn warnte im Zuge der Energiekrise bereits, dass Deutschland mit seiner Politik die Autoindustrie ruiniere. In einem langen Interview mit dem Focus spricht Sinn unter anderem über die Fehler der Europäischen Zentralbank und Irrtümer der Klimapolitik. Die Umstrukturierung auf alternative Energiequellen wie Wind- und Sonnenstrom sehe er beispielsweise als nicht so einfach an, wie es die Politik darstellt. Dass bis 2045 noch 60 Prozent des CO2-Austoßes reduziert werde, sei „utopisch“. „Ich kann mich nur wundern, wie leicht sich das deutsche Volk zu seinen irrealen Träumereien hat verleiten lassen“, sagt Sinn. Allen voran sieht er aber auch unseren Wohlstand in Gefahr.

Ökonom warnt vor Wohlstandsverlust in der Krise - „Wir werden alle ärmer“

Die Energiekrise macht dem Volk schwer zu schaffen. Der Staat sei bei dieser Thematik heillos überfordert, sagt Ökonom Hans-Werner Sinn. Dass Bundeskanzler Olaf Scholz die finanziellen Nachteile für alle ausgleichen könne, glaubt er nicht. „Er kann den einen nur geben, was er den anderen wegnimmt. Aber gegen diese Umverteilung wird es Widerstände geben“, sagt Sinn im Interview. „Der Staat kann die Lasten umverteilen, die Summe der Lasten aber bleibt.“ Der Ökonom ist sich sicher: Der Wohlstandsverlust wird alle Bürger treffen.

Dabei spricht Sinn von einem längerfristigen Prozess, der zum einen mit der Demografie und zum anderen mit der „massiven Beschädigung der Wettbewerbsfähigkeit durch die grüne Energiewende“ zu tun habe. Seine These lautet: „Wenn jene Energie, die die Leute von allein gekauft hätten, verboten wird, sodass alle auf eine andere Energie umsteigen müssen, die sie sonst nicht erworben hätten, macht uns das alle ärmer.“ Auch die Inflation trägt ihren Teil dazu bei. „Die Schuldner werden reicher, die Gläubiger und die Schwachen werden ärmer“, sagt Sinn.

Inflation hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht: „Es steht noch einiges Unheil bevor“

Während der ein oder andere Experte optimistisch prophezeit, dass die Inflation bereits ihren Höhepunkt erreicht habe, ist sich Star-Ökonom Sinn sicher, dass dies nicht so ist. Sehen könne man das an den gewerblichen Erzeugerpreisen, die aktuell im Vergleich zum Vorjahresmonat um 37 Prozent gestiegen sind. „Es steht uns also noch einiges Unheil bevor“, erklärt Sinn.

Der Experte zeigt sich alarmiert: Die aktuelle Krise könne das Geschäftsmodell der Bundesrepublik Deutschland massiv infrage stellen. „Die Zeiten, in denen das Geld wie Manna vom Himmel zu fallen schien, sind vorbei“, sagt er außerdem.

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