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Änderung für Verbraucher: Beliebte Modeketten verlangen jetzt Geld für Retouren

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Von: Fee Halberstadt

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Kostenlose Retouren sind gang und gäbe im Online-Handel und viele der Kundinnen und Kunden genießen diesen Vorteil. Erste Mode-Ketten ändern das nun.

Kassel – Seit kurzem gehen zwei Modehändler als Beispiel voran und verlangen einen Fixpreis für die Rücksendung von Paketen. Der japanische Fast-Fashion-Händler Uniqlo war der erste, der diese Änderung einführte und nun 2,95 Euro für jedes Retouren-Paket fordert. Die Mode-Kette Zara folgte kurz darauf und verlangt seither 1,95 Euro pro Paket, wie Chip berichtet. Zuvor waren Verstand- oder Retourenkosten in der Regel gratis. Meist sind das nur kleine Einzelhändler, die sich ohne diese Kosten nicht über Wasser halten können.

„Das deckt natürlich bei Weitem nicht die tatsächlichen Kosten der Rücksendungen ab“, sagte Marco Atzberger, Retouren-Experte des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ). Die Kosten für die Modekonzerne sind bei Rücksendungen höher, denn die Rückgabe eines Produktes beinhaltet nicht nur den Transport. Jedes zurückgegebene Kleidungsstück muss neu verpackt und ausgebessert werden: Knöpfe annähen, Nähte ausbessern und bügeln. Teilweise werden die Produkte auch entsorgt.

Die ersten Mode-Ketten verlangen Geld für Rücksendungen
Viele Sachen werden inzwischen online bestellt, statt sich diese im Laden zu kaufen. (Symbolbild) © Christin Klose/dpa

Kostenpflichtige Retouren bei Mode-Händlern: Die ersten verlangen Geld für die Rücksendung

Kritik, dass viele große Modehäuser für den Schutz der Umwelt seien, jedoch Milliarden Pakete hin- und herschicken, gibt es immer wieder: Grund für die Umstellung sei dies aber laut SZ nicht. Wie einige Experten meinen, handle es sich bei Uniqlo und Zara um Versuche. Sie wollen herausfinden, bis zu welchem Punkt die Kundschaft mitzieht und wann es ihnen zu viel ist.

Björn Asdecker, einer der führenden Retouren-Experten und Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Universität Bamberg, hofft, dass Zara und Uniqlo den Start von kostenpflichtigen Retouren begonnen haben. „Vielleicht ist da jetzt ein Anfang gemacht“, sagte er. In Deutschland werden etwa 75 Prozent aller Pakete zurückgesendet, wie Chip unter Berufung auf eine Quote der EHI erklärt.

Mode-GeschäftKosten für Retouren
Zara1,95 Euro
Uniqlo2,95 Euro
OttoVersandkostenfrei
ZalandoVersandkostenfrei

Otto und Zalando haben sich bereits gegenüber der SZ geäußert, ob auch sie ihr Modell umstellen wollen. „Wir werden unsere Kundinnen in einer Zeit, in der sie durch die Teuerung von Energie und diverser Waren zusätzlich belastet sind, ganz bestimmt nicht über kostenpflichtige Retouren extra zur Kasse bitten“, hießt es von einem Sprecher der Otto-Group. Und auch Zalando plant nicht, die entstehenden Kosten an den Kunden weiterzugeben, da die kostenlosen Retouren „seit dem ersten Tag Bestandteil unseres Geschäftsmodells und Serviceversprechens“ seien.

Ende der kostenlosen Retouren: Teurere Kosten für Händler werden an Kundschaft weitergegeben

Ob weitere Mode-Händler dem Versuch von Zara und Uniqlo folgen oder ihr aktuelles Geschäftsmodell beibehalten, bleibt vorerst unbekannt. Während der Corona-Pandemie veränderte sich das Kaufverhalten vieler Menschen und der Online-Handel erlebte einen Aufschwung. Da es aktuell aber keine Einschränkungen mehr gibt, was das Shoppen angeht, können die Menschen wieder normal einkaufen gehen. Der Run auf das Online-Shopping könnte also wieder abflachen.

„Bei Mode kommt erschwerend hinzu, dass wir ein Ende der kostenlosen Retoure erwarten, die bisher gang und gäbe ist und die von Kunden auch erwartet wird“, sagte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) gegenüber der SZ. Als Grund nennen sie die hohen Preise für Transport und Verpackung, denn diese „führen dazu, dass die Händler diese Kosten stärker an die Kunden weitergeben.“

Erste Mode-Händler mit kostenpflichtigen Retouren: Folgen weitere Geschäfte?

Asdecker sieht bereits erste Bewegungen im Markt, allerdings vorerst noch zögerliche. „Die zu beobachtende Veränderungsbereitschaft bleibt jedoch auf homöopathischem Niveau. Ich sehe noch keinen echten Trend. Für mich ist das eine von vielen Händlern verpasste Chance. Sie agieren immer noch zu zögerlich.“ Gegenüber der SZ schätzt der Retouren-Experte ein, dass viele Händler sich „scheuen, ins Risiko zu gehen.“ Deswegen beobachten sie nun zuerst, wie die Kundschaft auf die Umstellung bei Zara und Uniqlo reagiert. (Fee Halberstadt)

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