Alle Infos auf einen Blick

Stiftung Warentest: Eine Verbraucher-Organisation sorgt für Markt-Transparenz und schreibt Geschichte

Stiftung Warentest: Seit Jahrzehnten informiert die Verbraucherorganisation die Menschen in Deutschland über die Qualität von Konsumgütern und Dienstleistungen – alle Infos auf einen Blick

  • Stiftung Warentest informiert Verbraucher über die Qualität von Produkten und Dienstleistungen.
  • So finanziert die Verbraucher-Organisation unabhängige und objektive Prüfungen.
  • So werden Marktauswahl getroffen und Durchführung der Tests organisiert.
  • So werden die Test-Ergebnisse von Stiftung Warentest veröffentlicht.
  • So wird die Endnote für ein geprüftest Produkt bzw. Dienstleistung ermittelt

Wer kennt es nicht: das Logo der Verbraucherorganisation Stiftung Warentest (StiWa). Bereits im Jahr 1964 ins Leben gerufen, informiert Stiftung Warentest die Verbraucher zuverlässig seit Jahrzehnten über die Wertigkeit der Produkte und Dienstleistungen auf dem deutschen Markt. Als unabhängiges Warenprüfungsinstitut mit Sitz in Berlin dient die Stiftung laut Satzung dem Zweck „die objektiven Nutz- und Gebrauchsmerkmale von Waren und Dienstleistungen“, festzustellen. Ihrem ambitionierten Auftrag kommt die Stiftung durch die Durchführung von vergleichenden Warentest nach.

Stiftung Warentest: Finanzierung unabhängiger Prüfungen

Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale ist Stiftung Warentest die wichtigste Institution im Dienste der Verbraucherinteressen.

Trotz der Namensähnlichkeit ist Öko-Test keine Publikation der Stiftung Warentest, sondern ein Konkurrent an dem die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft beteiligt ist.

Um ihre Unabhängigkeit und Objektivität zu gewährleisten, wird die privatrechtliche Stiftung aus öffentlichen Mitteln gefördert. Hierfür hat die Bundesregierung in den Haushaltsjahren 2016 und 2017 das Kapital der Stiftung Warentest von ca 75 Millionen auf 175 Millionen Euro aufgestockt.

Die Gefahr einer Abhängigkeit der Testergebnisse von den öffentlichen Mitteln, weist die Stiftung zurück und verweist darauf, dass Großteil ihres Etats eigenständig erwirtschaftet wird.

Der Verkauf ihrer Zeitschriften „test“ und „Finanztest" mit einer Gesamtauflage von knapp 600.000 Exemplaren trägt hierzu maßgeblich bei. Durch Print und Online-Publikationen liegt der Umsatzerlös im Jahr 2017 bei rund 48 Millionen Euro. Weitere 3,9 Millionen Euro sind durch die Stifterin hinzugekommen.

Werbeanzeigen in den Publikationen sind erwartungsgemäß nicht möglich, da diese Anzeigen die Stiftung in ein Abhängigkeitsverhältnis zu einem Anbieter bringen könnten.

Stiftung Warentest: Objektive Testergebnisse durch unabhängige Prüfinstitute

Bei Stiftung Warentest sind Marktforscher und wissenschaftliche Mitarbeiter für die Marktauswahl und die Durchführung der Tests verantwortlich. Jedes Untersuchungsvorhaben wird entsprechend der eigenen Satzung mit dem Kuratorium abgestimmt und in einem Fachbeirat diskutiert. Letzterer setzt sich aus externen Vertretern der Verbraucher, der anbietenden Wirtschaft und neutralen Sachverständigen zusammen.

Obwohl die Stiftung Warentest immer wieder Testanfragen seitens privater Unternehmen erhält, darf sie als unabhängige, staatlich unterstützte Testor­ganisation keine Auftragstests annehmen.

Schließlich werden die Untersuchungen nicht durch Mitarbeiter der Stiftung Warentest durchgeführt, sondern weltweit an externe, neutrale Prüfinstitute vergeben. Das Prüfprogramm wird jedoch von der Stiftung selbst entworfen.

Hubertus Primus (l, Alleinvorstand der Stiftung Warentest), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Andreas Oehler (Vorsitzender des Verwaltungsrats der Stiftung Warentest) kommen zu einer Feier anlässlich 50 Jahre Stiftung Warentest am 4. Dezember 2014 ins Deutsche Historische Museum in Berlin.

Die zu testenden Produkte werden anonym im Handel erworben und nicht von den Anbietern zur Verfügung gestellt. Die objektiven Prüfergebnisse werden nach Prüfung und Auswertung vor der Veröffentlichung an die Anbieter zur Kontrolle und Stellungnahme übermittelt. Danach bringen Redakteure die Testergebnisse in eine für Laien lesbare Form.

Neben objektiven Messungen und Erhebungen werden auch häufig subjektive Urteile von geeigneten Testpersonen in die Bewertung von Produkten einbezogen, wie zum Beispiel beim Prüfpunkt „Handhabung“. Dessen ungeachtet steht nach Angaben der Stiftung die Funktionsprüfung im Fokus – anders ausgedrückt: der überprüfbare Gebrauchswert von Produk­ten und Dienstleistungen wird in den Vordergrund gerückt.

Sofern die rund 1600 Produkte das Testverfahren ohne Mängel überstehen, kommen sie im Anschluss an die Prüfung viermal jährlich in Berlin zur Versteigerung.

Stiftung Warentest: Veröffentlichung der Ergebnisse von Produkt- und Dienstleistungstest

Die Publikation der Testergebnisse zielt sowohl auf die Verbraucher als auch auf die Öffentlichkeit insgesamt ab. Die Testergebnisse werden dem Verbraucher vornehmlich kostenpflichtig durch die stiftungseigene Zeitschrift „test“, „test“-Sonderhefte und durch „test“-Jahrbücher mitgeteilt. Einzelne Testergebnisse werden auch unentgeltlichen durch Massenmedien wie HEIDELBERG24, die Verbraucherzentralen und im Rahmen der Werbung für getestete Produkte verbreitet.

Jedoch ist die Werbung mit Testergebnissen der Stiftung Warentest kostenpflichtig. Bis Juli 2013 ist eine geringe Bearbeitungsgebühr von 500 Euro veranschlagt worden. Seitdem ist das gemeinnützige Unternehmen RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung mit der Lizenzvergabe von Stiftung Warentest beauftragt. Beispielsweise kostet die Werbung auf dem Produkt und in allen Medien für zwei Jahre bis zu 25.000 Euro.

Nach eigenen Angaben wählt die Stiftung Warentest pro Jahr ca. 80 bis 90 Warentest und etwa 20 Dienstleistungen von insgesamt 200 durchgeführten Test aus.

Zusätzlich zu den vergleichenden Warentests und Dienstleistungsuntersuchungen werden von Stiftung Warentest für die Rubrik „Neu auf dem Markt  neuartige Produkte untersucht und veröffentlicht.

Bereits seit 2002 werden jede Woche Aktionswarenangebote vorwiegend von Lebensmitteldiscountern untersucht und auf der Online-Plattform veröffentlicht.

Stiftung Warentest: Kommunikation mit Anbietern von Produkten und Dienstleistungen

Überraschenderweise ist eine direkte Kommunikation zwischen Konsumgüteranbietern und Stiftung Warentest nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht. Denn die Anbieter sollen die Möglichkeit haben bestimmte Testvorhaben anzuregen. Schließlich wird das Testprogramm in einem Kuratorium beraten zudem auch Vertreter von Industrie und Handel angehören.

Auch bei den einzelnen Testvorhaben ist eine Kommunikation mit den Anbietern vorgesehen. Die Anbieter wirken als Sachverständige in den „Fachbeiräten“ mit und sollen auf diesem Weg markt- und ange­botsrelevante Angaben machen.

Demgegenüber informiert die Stiftung Warentest die Anbieter über das Prüfprogramm und nach Abschluss der Testverfahren über die jeweiligen Prüfergebnisse. So sollen mögliche Fehler oder Ausreißer entdeckt und Nachprüfungen angeregt werden.

Stiftung Warentest: So wird die Endnote für ein geprüftest Produkt bzw. Dienstleistung ermittelt

Folgende Aspekte sind bei der Ermittlung der Qualitätsurteile von Stiftung Warentest von zentraler Bedeutung:

  • Die Prüfergebnisse werden durch Teilnoten in Urteile über einzelne Produkteigenschaften zusammengefasst.
  • Einzelne Teilnoten erhalten eine bestimmte Gewichtung, wodurch die Endnote ermittelt wird.
  • Stiftung Warentest hat sich verpflichtet auch die Umweltverträglichkeit von Produkten zu berücksichtigen.
  • Seit 2004 werden bei ausgewählten Tests auch Aspekte der sozialen Unternehmensverantwortung berücksichtigt.
  • Über die Preislage wird zwar berichtet, aber sie fließt nicht in die Bewertung mit ein.

Stiftung Warentest: Bedeutung der Bewertungsnote

Die Bewertungsnoten der Stiftung Warentest nach denPrüfungen geben eine Qualitätskategorie wieder und orientieren sich dabei am bekannten deutschen Schulnotensystem:

  • 0,5 bis 1,5: sehr gut
  • 1,6 bis 2,5: gut
  • 2,6 bis 3,5: befriedigend
  • 3,6 bis 4,5: ausreichend
  • 4,6 bis 5,5: mangelhaft

Stiftung Warentest: Auswirkungen der Testergebnisse auf Käuferverhalten

Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads haben die Bewertungen von Stiftung Warentest einen deutlichen Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher.

Laut Wirtschaftslexikon24.com lassen „breit angelegte Unter­suchungen eine enorme Testwirkungen nicht nur beim Konsumentenverhalten er­kennen, sondern auch im Beschaffungsmar­keting des Handels sowie – dadurch stark be­dingt – im Absatzmarketing der Hersteller, deren Produktentwicklung inbegriffen“, erkennen. So kommen über die Testeffekte über die Marketingwirkungen auch je­nen Verbrauchern zugute, die selbst keine Testurteile lesen.

Stiftung Warentest: Ritter Sport klagt nach schlechter Bewertungen

Während gute Bewertungen oftmals in die Produktwerbung einfließen oder auf Verpackungen abgebildet werden, führen andererseits schlechte Bewertungen immer wieder zu Absatzeinbrüchen oder gar Schadensersatzklagen durch die Hersteller.

So auch bei einem gerichtlichen Streit zwischen dem Schokoladenhersteller Ritter Sport und der Stiftung: Nachdem bei einem Test von 26 Nussschokoladen in der Dezember-Ausgabe 2013 Ritter Sport mit „mangelhaft“ bewertet worden ist, zieht Firmenchef Alfred Ritter vor Gericht. Inhalt der juristischen Auseinandersetzung ist die Frage, ob es sich bei den Inhaltsstoffen des Produktes ausschließlich um „natürliche Aromen" handelt oder nicht.

In diesem Zusammenhang kritisiert der Vorstandsvorsitzender des Süßwaren-Handelsverbands Sweets Global Network, Hans Strohmeier, den Veröffentlichungszeitpunkt der Testergebnisse zur Vorweihnachtszeit. Zudem unterstellt der Verbandsvorsitzende der Stiftung gezielt die Branchenriesen schlecht aussehen zu lassen: „Gerade mit den Angriffen gegen Markenhersteller versucht sich die Stiftung Warentest zu profilieren“, so Strohmeier gegenüber „handelsblatt.com“. Stiftung Warentest weist diesen Vorwurf entschieden zurück.

Im September 2014 muss sich die Stiftung nach eingereichter Berufung in letzter Instanz geschlagen geben und eine Einstweilige Verfügung zugunsten der Schokoladenmarke Ritter Sport akzeptieren.

Stiftung Warentest: Geschichte in Stationen

  • 1964 wird die Stiftung von der CDU-Geführten Bundesregierung mit dem Ziel ins Leben gerufen, über die Markttransparenz den leistungsfähigen Wettbewerb im Konsumgütersektor zu fördern und zu sichern. Stifterin und Satzungs­geberin ist damit die Bundes­republik Deutsch­land.
  • Ende März 1966 erscheint die erste Ausgabe der Zeit­schrift „DER test“ für 1,50 D-Mark. Insgesamt 100.000 Hefte werden im Zeit­schriften­handel verkauft. Als erste jemals getestete Produkte gehen Nähmaschinen und Hand­rührer in die Geschichte ein.
  • 1968 werden in der Oktober­ausgabe von „test“ Unter­suchungs­ergeb­nisse erst­mals in einem Qualitäts­urteil zusammengefasst: „sehr gut“, „gut“, „zufrieden­stellend“, „weniger zufrieden­stellend“ und „nicht zufrieden­stellend“. Bis dato ist lediglich von den Redakteuren lediglich ein „Gesamt­eindruck“ beschrieben worden.
  • Zahn Jahre nach der Gründung zum Jahres­ende 1974 haben 225.000 Verbraucher „test“ abonniert. Zusätzlich werden monatlich im Durch­schnitt 145.000 Hefte am Kiosk verkauft. Außerdem beginnt die Stiftung Warentest mit der systematischen Unter­suchung von Dienst­leistungen.
  • 1975 befasst dich erstmals der Bundes­gerichts­hof in Karls­ruhe nach einer Klage eines Skibindungs­herstellers mit der Arbeit der Stiftung Warentest. Das Gericht räumt zugunsten der Stiftung einen Beur­teilungs­spielraum ein, der erst dann über­schritten wird, wenn das Vorgehen der Stiftung nicht mehr vertret­bar ist.
  • 1982 entscheidet der Bundes­gerichts­hof, dass Anbieter bei der Werbung mit Test­ergeb­nissen in der Regel auch angeben müssen, dass Konkurrenz­produkte besser abge­schnitten haben (beworbenes Produkt ist „gut“, zahlreiche andere sind aber „sehr gut“).
  • Um den Stiftungszweck zu erweitern wird 1985 wird die Satzung geändert. Hierbei wird unter anderem die Einbeziehung des Umwelt­schutzes in die Unter­suchungs­tätig­keit aufgenommen.
  • Im Wendejahr 1989 feiert die Stiftung Warentest ihr 25-jähriges Jubiläum. In diesem Jahr beträgt die Auflage von „test“ 740.000 Exemplare. 580.000 davon gehen an Abonnenten, 160.000 werden am Kiosk verkauft.
  • Im Januar 1991 erscheint die erste Ausgabe der Zeit­schrift „Finanztest“, die sich schwer­punkt­mäßig den Finanz­dienst­leistungen sowie den Themen Steuern und Verbraucherrecht widmet.
  • Im November 1997 geht die Stiftung Warentest Online. Im Internet findet der Nutzer Test­ergeb­nisse und einen Bestell­service für die Publikationen der Stiftung.
  • Zu Beginn des Jahres 1999 ändert die Stiftung Warentest ihr Bewertungssystem. Die neue Noten­skala reicht von „Sehr gut“ bis „Mangelhaft“, wobei das Urteil „Sehr mangelhaft“ entfällt. Zwischen „Zufrieden­stellend“ – umbe­nannt in „Befriedigend“ – und „Mangelhaft“ fügt sie das neue Urteil „Ausreichend“ ein. Auch in der Darstellung gibt es eine Änderung. Neben den verbalen Urteilen steht jetzt eine Note in Ziffern mit einer Kommastelle.

Nach über fünf Jahrzehnten Stiftungsgeschichte blickt die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Insgesamt 5.750 Warentests sowie fast 3.000 Dienstleistungstests und Marktübersichten sprechen für sich (Stand: Dezember 2016). Weitere Stationen in der Geschichte von Stiftung Stiftung Warentest sind auf „test.de" einsehbar.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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