Vorsicht vor Öko-Produkt

Öl-Rückruf: Dieses Hanf-Produkt macht high – heftige Konsequenzen bei Verzehr

Öl-Rückruf: Ein „naturreines Hanföl“ aus biologischem Anbau wird zurückgerufen – droht den Kunden ein gefährlicher Drogenrausch?

  • Produkt-Rückruf*: Die Firma Thomas Plank bei München sorgt für einen doppelten Skandal.
  • Im Produkt „naturreines Hanföl“ sind berauschende Inhaltsstoffe gefunden worden.
  • Das gesundheitsgefährdende Hanf-Öl ist monatelang im Verkauf gewesen.
  • Wenige Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums startet die Firma einen Rückruf.

Viele Kunden verbinden das Schlagwort „Hanf“ in erster Linie mit der Cannabis-Pflanze. Letztere wird als Rauschmittel angebaut und ist in Deutschland illegal. Doch die Hanfpflanze gehört zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt, wobei der Nutzhanf im Unterschied zum Cannabis kaum bis gar keine berauschende Inhaltstoffe enthält. Da Hanfprodukte vielseitig einsetzbar sind, erfreuen sie sich zunehmender Beliebtheit – so auch das Hanf-Öl, das ausschließlich aus dem Samen des Nutzhanfs gewonnen wird und als Speiseöl im Supermarkt und Discounter erhältlich ist. Doch jetzt erhält das Image des Hanf-Öls als harmloses Bio-Produkt einen herben Dämpfer. Wie HEIDELBERG24* berichtet, ruft die Firma Thomas Plank ihr „naturreines Hanföl“-Produkt zurück – der Grund ist unfassbar! Mehr Informationen zu Produkt-Rückrufen gibt es auf unserer Themenseite.

Rückruf: Hanf-Öl der Firma Thomas Plank enthält berauschende Cannabinoide

High durch Hanf-Öl aus dem Supermarkt – ist das Undenkbare möglich? Tatsächlich geht vom Produkt „naturreines Hanföl“ der Firma Thomas Plank eine Gesundheitsgefahr aus! In einer Probe sind sogenannte Cannabinoide nachgewiesen worden.

Öl-Rückruf! Bundesamt warnt - Gesundheitsgefahr droht wegen berauschenden Cannabinoiden (Fotomontage).

Anders als im Haschisch-Öl, das aus den psychoaktiven Hanf-Blüten gepresst wird, sollen Hanf-Speiseöl keine berauschenden Cannabinoide beinhalten. Das bekannteste Cannabinoid ist das unter Drogen-Konsumenten erwünschte Tetrahydrocannabinol – kurz THC. Der illegale Erwerb von Cannabis oder anderen THC-haltigen Substanzen fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz und ist strafbar. Ein weiterer Rückruf wurde aktuell von Landliebe gestartet* – betroffen sind drei beliebte Pudding-Sorten.

Rückruf: Hanföl-Produzent lässt Kunden im Unklaren über gefährlichen Inhaltsstoff

Neben dem THC gibt es noch weitere zahlreiche Cannabinoide mit unterschiedlichen Eigenschaften. Die wichtigsten im Überblick:

  • Tetrahydrocannabivarin (THCV): Berauschendes psychoaktives Cannabinoid.
  • Cannabidiol (CBD): Nichtpsychoaktives Cannabinoid und somit kein Rauschmittel. Kann unter bestimmen Umständen antibakteriell, entzündungshemmend und entkrampfend wirken.
  • Cannabidiolsäure (CBDA): Nicht ausreichend erforscht. Es wird aber angenommen, dass CBDA entzündungshemmende Eigenschaften haben könnte.
  • Cannabidivarin (CBDV): Nicht psychoaktiv, doch CBDV-reiche Extrakte können stark krampflösende Eigenschaften haben.
  • Cannabichromen (CBC): In Verbindung mit THC besitzt es womöglich eine schmerzlindernde und beruhigende Eigenschaften,
  • Cannabinol (CBN): Wirkt leicht berauschend. Man vermutet eine beruhigende, antibakterielle und augeninnendrucksenkende Wirkung.

Welches Cannabinoid im Hanf-Öl von Thomas Plank genau enthalten ist, verraten die Verantwortlichen der Firma im Zusammenhang mit dem Rückruf nicht!

Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass beim Konsum eine beruhigende Wirkung eintreten kann. Zudem kann es zu „einer verminderten Gedächtnisfunktion und einer Verminderung des diastolischen Blutdrucks führen“, heißt es im Rückruf-Schreiben. Niedriger Blutdruck ist jedoch selten bedrohlich. Erst wenn die Werte zu stark absinken, droht eine Ohnmacht.

Dennoch sollte die Gefahr, welche vom Hanf-Öl ausgeht, nicht unterschätzt werden. Daher gibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eine offizielle Warnung heraus

Rückruf: Gefährliches Hanf-Öl bereits lange im Verkauf

Neben der mangelhaften Informationspolitik bezüglich der im Hanf-Öl gefundenen Cannabinoide, sorgt die Firma für einen weiteren Skandal: Betroffen vom Rückruf ist das Produkt mit den Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 20. November 2020.

Wird das Hanf-Öl luftdicht verschlossen aufbewahrt, beträgt die Haltbarkeit mindestens 60 Wochen. Von daher ist davon auszugehen, dass das „berauschende“ Hanf-Öl bereits seit Monaten verkauft und von Kunden in Deutschland konsumiert worden ist. Gerade einmal eine Woche vor Ablauf des MHD einen Rückruf zu starten, ist alles andere als verantwortungsvoll.

An dieser Stelle im Rückruf-Schreiben bewirbt Thomas Plank auch noch für die nächste Ernte: „Das neue Hanföl der Ernte 2020 ist davon nicht betroffen und wird in Kürze erhältlich sein.“

Rückruf: Rückgabe des Hanf-Öls lediglich am Hof möglich

Der Hersteller mit Sitz in Haimhausen bei München gibt an, dass das betroffene Hanf-Öl zurückgegeben werden kann. Jedoch ausschließlich vor Ort am Hof in Haimhausen. Dort soll dann auch der Kaufpreis zurückerstattet werden, heißt es im Rückruf-Schreiben. Da das MHD demnächst abläuft und wahrscheinlich von dem meisten Kunden verzehrt worden ist, kann eine massenhafte Rückgabe des Hanf-Öls ausgeschlossen werden. Der Image-Schaden durch den verspäteten Rückruf bleibt. (esk) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/ZB/dpa & Screenshot „Thomas Plank“-Rückruf

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