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Öko-Test: Experten warnen vor diesen Weihnachtsbäumen – „Pestizidcocktail“

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Von: Daniel Hagen

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Weihnachten rückt näher und die ersten beginnen bereits damit, ihre Weihnachtsbäume zu kaufen. Öko-Test gibt daher Tipps für nachhaltige Tannen.

Weihnachten ohne einen schönen Weihnachtsbaum ist wie Silvester ohne „Dinner for one“ – normalerweise würde hier Feuerwerk stehen, das ist wegen der Corona-Pandemie aber nicht erlaubt*. Alleine das Aussuchen und Schmücken ist in manchen Familien schon eine eigene heilige Tradition, um sich auf das Fest der Liebe einzustimmen. Was viele aber nicht wissen, ist, wie genau ihr Tannenbaum gewachsen ist. Viele Betriebe nutzen nämlich heftige Pestizide, die man sich über die Feiertage in die eigenen vier Wände holt. Öko-Test gibt daher Tipps für einen nachhaltigen Weihnachtsbaum und vergleicht dabei Biotannen, Plastikbäume oder die eigens gefällte Tanne.

NameÖko-Test
HauptsitzFrankfurt
Erstausgabe1985

Weihnachtsbäume im Öko-Test: So teuer sind die Tannen

Erstmal eine gute Nachricht: 90 Prozent der Bäume kommen aus Deutschland. Allerdings handelt es sich bei den meisten Weihnachtsbäumen um Nordmanntannen, die eigentlich gar nicht bei uns wachsen sollten, sondern eher im Kaukasus. Damit sie trotzdem in Deutschland wachsen, sind viel Wasser, Dünger, Herbizide, Insektizide und Fungizide im Einsatz. Das wirkt sich natürlich auch auf den Preis aus. Wie Wolfgang Schuh vom Waldbesitzerverband Rheinland-Pfalz erklärt, bezahlen Kunden im Schnitt 20 bis 25 Euro. Bei einer Größe von 1,50 Meter sind da gleich 30 bis 35 Euro fällig. Für eine Blaufichte legt man 12 bis 16 Euro und für eine Rotfichte 9 bis 12 Euro auf den Tisch. Qualität hat eben seinen Preis!

Weihnachtsbaumverkauf
Nordmanntannen sind oft mit Giften besprüht worden. (Symbolfoto) © Swen Pfoertner/dpa

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat deshalb im vergangenen Jahr Weihnachtsbäume untersuchen lassen. Das schockierende Ergebnis: Bei rund zwei Dritten sind Pestizide gefunden worden. „Unser Test zeigt: Beim Anbau von Weihnachtsbäumen in Plantagen werden in großem Umfang Herbizide, Insektizide und Fungizide eingesetzt“, so die BUND-Expertin Corinna Hölzel. „Besonders kritisch ist die hohe Mehrfachbelastung, viele Weihnachtsbäume sind einem regelrechten Pestizidcocktail ausgesetzt. Die Wechselwirkung der Einzelstoffe auf die menschliche Gesundheit ist nahezu unbekannt.“

Öko-Test: Weihnachtsbäume enthalten mehrere Insektenbekämpfungsmittel

Insgesamt 23 Bäume sind bei der Stichprobe getestet worden. Siebenmal ist dabei das Insektenbekämpfungsmittel lambda-Cyhalothrin nachgewiesen worden. Dabei handelt es sich um das schädlichste in der EU zugelassen Pestizid, das Nervenzellen und das Hormonsystem schädigen kann und hochgiftig für Bienen und Wasserlebewesen sind. In zwei Bäumen ist zudem das umstrittene Mittel Glyphosat gefunden worden.

„Die Gifte gelangen in Böden und Gewässer, sie töten und schädigen Bienen und andere Insekten und zerstören Lebensräume von Nützlingen. Vier der gefundenen Wirkstoffe sind hoch giftig für Bienen“ sagt die BUND-Pestizidexpertin. Diese Entdeckungen werden auch immer wieder bei anderen Testberichten gemacht.

Öko-Test empfiehlt Öko-Weihnachtsbäume

Wer sein Weihnachtsfest pestizidfrei halten möchte, sollte daher eher zu einem Bio-Weihnachtsbaum greifen. „Umweltfreundlicher ist es, sich für eine heimische Fichte, Kiefer oder Weißtanne als Weihnachtsbaum zu entscheiden, die aus einer Öko-Weihnachtsbaum-Plantage oder aus dem Wald stammt“, empfiehlt die Umweltschutzorganisation. Wer an Weihnachten übrigens gerne Walnüsse isst, sollte sich zuerst den Vergleich von Öko-Test durchlesen.

Für die Neupflanzung werden die Flächen nicht mit Herbiziden kahl gespritzt und als Gras- und Unkrautvernichter werden Schafe eingesetzt. Bio-Bäume dürfen nur unter strengen ökologischen Kriterien gepflanzt werden, bei denen weder Pestizide noch Dünger eingesetzt werden. Der einzig verwendete Dünger kommt von den Schafen. Ökologische Weihnachtsbäume tragen ein FSC-, Naturland-, Demeter-, Bioland-Siegel oder das Bio-Siegel der Europäischen Union und nicht wesentlich teurer als andere. Allerdings gibt es in Deutschland nur etwa 800 Orte, an denen sie verkauft werden!

Heimische Bäume haben laut Öko-Test beste Öko-Bilanz

Eine Alternative ist der heimische Weihnachtsbaum. Denn auch regionale Forstbetriebe bauen Fichten, Kiefern oder Tannen an – und zwar auf Sonderflächen unter Trassen für Hochspannungsleitungen. Die Bäume haben aufgrund ihrer kurzen Transportwege eine gute Ökobilanz. Bedenken um die Umwelt muss man dabei nicht haben, denn die heimischen Bäume sind klimaneutral und verarbeiten während des Wachsens klimaschädliches Kohlendioxyd aus der Atmosphäre.

Saisoneröffnung der Weihnachtsbaumerzeuger
Weihnachtsbäume im Topf sind schwer zu pflegen. © Bernd Settnik/dpa

Wer alles komplett richtig und klimaneutral machen will, kann sich sogar einen Weihnachtsbaum mit Wurzelballen im Topf halten und anschließend im eigenen Garten pflanzen – zumindest in der Theorie. „Die wenigsten Weihnachtsbäume, die im Topf angeboten werden, können überhaupt ausgepflanzt werden“, warnt Rudolf Fenner, Waldexperte bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood. Da die Wurzeln so weit gekappt werden, um einen Baum in den Topf zu bekommen, werde keiner davon anwachsen. Es könne aber helfen, sich ein Gehölz von der Baumschule oder der Gärtnerei zu holen, das nicht nur für die Weihnachtszeit gepflanzt wird.

Öko-Test rät von Plastikbäumen ab

Ein weiterer Nachteil von Topfbäumen ist die aufwändige Pflege. Alle zwei bis drei Tage gießen, nicht zu nah an Ofen oder Heizung stellen und beim Dekorieren ja keinen Schaden hinterlassen. In warmen Räumen verlieren die kleinen Bäumchen zudem ihre Frostresistenz, was für das „Auswildern“ nicht gut ist. Daher sollten die Weihnachtsbäume nicht direkt nach dem Fest herausgestellt werden, sondern erstmal an einem kühlen aber frostfreien Platz wieder zurück in ihren Winterschlaf kehren.

Last but not least gibt es noch Plastikbäume als Alternative – von denen Öko-Test aber eher abrät. Ihre Öko-Bilanz ist nämlich schlechter als die echter Bäume. Zwar werden die Fake-Tannen immer wieder verwendet, kommen aber meist aus Fernost, weshalb der ökologische Fußabdruck bereits bei der Anreise schon sehr groß ist. Nachdem die Bäume ausgedient haben, landen sie zudem im Feuer und setzen dabei Giftstoffe frei. Anders sieht es aber bei unkonventionellen Modellen aus Holz oder Metall aus, die lange eingesetzt werden, keine Nadeln verlieren und beim Entsorgen keine Probleme machen. (dh)

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