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Schlachtabfälle in Wurst? Bekannte Hersteller wehren sich gegen Ekel-Bericht

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Von: Katja Becher

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Haben große Hersteller Schlachtabfälle in Geflügelwurst verarbeitet? Medienberichte über nicht gekennzeichnetes „Separatorenfleisch“ lösen Ekel aus – die Unternehmen wehren sich:

Update vom 30. Juni: Die betroffenen Hersteller, denen im Bericht von Spiegel und NDR die nicht gekennzeichnete Verwendung von Separatorenfleisch vorgeworfen wurde, wehren sich gegen die Vorwürfe. So teilt zum Beispiel die Mecklenburger Landpute GmbH am Freitag in einer Stellungsnahme mit, dass man nach Bekanntwerden das zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt angewiesen worden sei, amtliche Verdachtsproben bei den Produkten zu nehmen. „In keiner Probe fand sich ein Anhaltspunkt auf die Verwendung von Separatorenfleisch als Zutat des untersuchten Produktes“, so das Unternehmen weiter.

Wie andere betroffene Hersteller zuvor, kritisiert auch die Mecklenburger Landpute GmbH in der Stellungsnahme die angewandte Untersuchungsmethode – und dass sich die Vorwürfe im Spiegel- und NDR-Bericht auf „für uns bisher nicht zugängliche Ergebnisse einer nicht amtlichen Untersuchung“ gestützt hätten.

Berichte über Separatorenfleisch in Wurst: Tönnies und Wiesenhof in der Kritik

Erstmeldung vom 23. Juni: Täuschen deutsche Wurst-Hersteller tatsächlich die Verbraucher? Laut Spiegel und NDR haben Wissenschaftler in den Geflügelprodukten von zwei großen Unternehmen sogenanntes Separatorenfleisch nachgewiesen. Den Berichten zufolge sei dieses verarbeitet worden, ohne es – wie gesetzlich vorgeschrieben – auf den Produkten zu kennzeichnen.

Separatorenfleisch wird aus Tierkörpern und/oder zerkleinerten Knochen mit Fleischresten zu einer Masse gepresst – es besteht also aus Schlachtabfällen. Spiegel und NDR haben nach eigenen Angaben insgesamt 30 Geflügelwurst- und Geflügelfleischproben verschiedener Hersteller im Labor zur Probe eingereicht. Untersucht wurden die Produkte vom Bremerhavener Hochschulprofessor Stefan Wittke.

Neun davon seien den Berichten zufolge positiv auf Separatorenfleisch getestet worden – darunter auch vier Bio-Wurstprodukte. Bei fünf der positiv getesteten Proben handle es sich laut Berichten um Erzeugnisse aus Deutschlands größtem Schlachtkonzern Tönnies. Unter den bemängelten Wurstprodukten seien demnach aber auch zwei des Herstellers Franz Wiltmann aus Ostwestfalen sowie ein Erzeugnis von Wiesenhof und der Mecklenburger Landpute GmbH.

Schlachtabfälle in Geflügelwurst? Bekannte Unternehmen weisen Vorwürfe zurück

Verkauft worden seien die Wurstwaren unter bekannten Markennamen wie Gutfried, Edeka Bio, Rewe Bio oder Rewe Beste Wahl. Der Einsatz von Separatorenfleisch ist in Deutschland nicht verboten, es muss jedoch gekennzeichnet werden. Auf keinem der Produkte, die laut Berichten von NDR und Spiegel Separatorenfleisch enthielten, sei dies der Fall gewesen.

Die betroffenen Unternehmen haben die Ergebnisse des Labortests unterdessen entschieden zurückgewiesen – und teilweise Kritik an der Untersuchungsmethode der Hochschule Bremerhaven geübt. Bei dieser handle es sich „lediglich um einen neuen wissenschaftlichen Ansatz zum möglichen Nachweis, der (…) keine solide Basis ist“, teilte zum Beispiel Wiesenhof mit.

Bericht über Separatorenfleisch in Geflügelwurst: Verbraucherschützer schockiert

Lebensmittelkontrolleure haben hingegen das neue Prüfverfahren befürwortet. Matthias Denker, Dezernatsleiter des Landesamts für Lebensmittelsicherheit in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnete es als „sehr zukunftsweisend“. Verbraucherschützer zeigten sich von dem Ergebnis der Untersuchungen schockiert.

„Wenn Fleischkonzerne Separatorenfleisch verwursten, ohne auf den Produkten darauf hinzuweisen, ist das Verbrauchertäuschung im großen Stil“, erklärte ein Sprecher der Verbraucherzentrale Hamburg, die zuletzt auch einen Wurst-Hersteller kritisierte, der in seiner Geflügelsalami Schweinefleisch verarbeitet haben soll, wie 24hamburg.de berichtet.

Zuletzt hatten immer mehr Einzelhändler positive Signale bei ihrem Fleischsortiment gesetzt. Als erster Discounter-Riese hatte Lidl zuletzt angekündigt, die „5xD“-Regelung umzusetzen. Auch weitere Händler wie Aldi oder Edeka wollen die Regel bald in ihren Filialen umsetzen. Die 5D- oder 5xD-Regel im Supermarkt beschreibt die Schritte der gesamten Wertschöpfungskette beim Schweinefleisch. Sämtliche Wurst- und Fleischprodukte sollen künftig aus deutscher Aufzucht und Produktion stammen. (kab)

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