Viruslast im Rachen verringern

Corona-Infektion: Professor fordert Mundspül-Pflicht zum Schutz!

Wie kann man andere vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen? Ist es möglich als Infizierter die Coronavirus-Last zu verringern? Ein Professor vom Hygiene-Institut Berlin gibt jetzt einen einfachen Tipp:

Superspreader sind Menschen, die gleich eine ganze Gruppe von Personen anstecken können. Die Zahl der von ihnen Infizierten übersteigt damit die sogenannte Reproduktionszahl um ein Vielfaches. Der Virologe Christian Drosten betont immer wieder, dass ein Superspreader ein ganzes Infektionscluster erschafft. Aus diesem infizierten Personenkreis können dann schnell neue Infektionsketten entstehen. Gerade beim Coronavirus ist das möglich, da auch symptomlose Virus-Träger schnell andere anstecken können.

Erst vor Kurzem sorgt eine Superspreaderin in Garmisch-Partenkirchen für Furore. Anstatt auf das Ergebnis ihres Corona-Tests zu warten, ist sie nachweislich feiernd durch die Bars gezogen. Da sie die Vorgabe in Isolation zu verweilen nicht befolgt hat, gehen Dutzende Neuinfektionen auf ihr Konto. HEIDELBERG24* berichtet, wie dieser Ausbruch vielleicht hätte verhindert werden können.

Corona-Ansteckung: Professor fordert neben Test- auch Mundspül-Pflicht

Prof. Klaus-Dieter Zastrow vom Hygiene-Institut Berlin ist sich sicher: Wenn die Infizierte nach dem Corona-Test eine Mundspülung verwendet hätte, wäre das nicht passiert. Mundspülungen seien wirksam, getestet und sollen sich schon immer bewährt haben. Demnach würde bei einem Corona-Infizierten ein Mundwasser die Viruslast im Rachen deutlich reduzieren – die Gefahr andere anzustecken sinkt. Mit Mundspülungen wird der Rachenraum beispielsweise vor und nach Zahn-Operationen desinfiziert. Dabei sollen nicht nur Bakterien und Pilze, sondern auch Corona-Viren zuverlässig abgetötet werden.

Zastrow ist davon überzeugt: Regelmäßige Verwendung von Mundspülungen sollten dieser Tage zum Pflichtprogramm gehören. Im Fall von Garmisch-Partenkirchen hätte die Superspreaderin mit ihrem rücksichtslosen Verhalten wahrscheinlich weniger Menschen infiziert.

Durch das Gurgeln mit Mundspülungen kann man die Coronavirus-Last im Rachen deutlich reduzieren. (Symbolbild)

Coronavirus: Schwächerer Krankheitsverlauf durch Mundspülungen?

Auch für den Coronavirus-Infizierten selbst gäbe es Vorteile: Durch Gurgeln mit Mundspülungen und die dadurch verringerte Viruslast, werde auch ein möglicherweise schwerer Verlauf der Covid-19-Erkrankung abgemildert, teilt er der Bild-Zeitung (Bezahlschranke) mit.

In einer deutschen Studie, die Ende Juli im „The Journal of Infectiious Diseases“ veröffentlicht wurde, haben unter anderem Forscher der Uni-Klinik Bochum acht handelsübliche Mundspülungen unter Laborbedingungen getestet. Das Ergebnis: Verschiedene SARS-CoV-2-Stämme können mit Mundspülungen effizient inaktiviert“ werden. Drei der getesteten Mundspülungen reduzieren die Viruslast sogar auf nicht mehr nachweisbare Werte! Jetzt müssten klinische Studien an Patienten vorgenommen werden, um die Wirksamkeit von Mundspülungen auch in der Praxis zu beweisen.

Gurgeln gegen das Coronavirus: Diese Wirkstoffe müssen in den Mundspülungen enthalten sein

Professor Zastrow ist auch ohne die klinischen Studien von der Wirksamkeit von Mundspülungen im Kampf gegen das Coronavirus überzeugt. Und gibt Corona-Infizierten den Tipp, das Mundwasser über mehrere Tage zu Hause anzuwenden. So soll sich laut dem Wissenschaftler auch die Gefahr eines schweren Covid-19-Verlaufs verringern lassen.

Pharmazie-Experte Dr. Martin Allwang betont, dass die verwendeten Mundspülungen nur die Wirkstoffe Povid-Iod oder Octenidin enthalten müssen. Solche Mundspülungen gäbe es in jeder Apotheke rezeptfrei zu kaufen.

Die Hygieneexpertin der Asklepios-Kliniken, Dr. Susanne Hugget, befürwortet außerdem eine prophylaktische Anwendung, wenn man sich nach dem Bahnfahren oder einem Barbesuch unsicher fühlt. Die Hygieneexpertin warnt jedoch davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen: Eine einmalige Spülung würde nicht alle Coronaviren deaktivieren. Die überlebenden Viren könnten sich wieder explosionsartig vermehren. Zastrow betont zudem, dass Gurgeln selbst kein Heilmittel gegen das Coronavirus darstellt. Im Kampf gegen die Corona-Pandemie sei die beste Waffe immer noch ein Mundschutz. (kp) HEIDELBERG24* ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks

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