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Atomkraft soll Energiequelle bleiben: Auch in BW gibt es Fürsprecher

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Von: Tobias Becker

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Ende 2022 will Deutschland den Ausstieg aus der Atomkraft vollziehen, aber nun entfacht eine neue Diskussion um mögliche längere Laufzeiten der Kernkraftwerke.

Eigentlich war alles beschlossene Sache: Ende des Jahres soll Deutschland auf Atomkraft verzichten, doch besondere Umstände und fehlende Energie sorgen derzeit für eine neu entfachte Debatte über mögliche längere Laufzeiten der Kernkraftwerke. Nicht nur die Bundespolitik streitet, auch in Baden-Württemberg gibt es Fürsprecher und Gegenstimmen. HEIDELBERG24 fasst einige zusammen:

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)
Bevölkerung11,07 Mio.

Atom-Ausstieg: Vor elf Jahren beschlossen, Ende 2022 als Zeitpunkt

Vor fast genau elf Jahren entschied der Deutsche Bundestag das Atom-Aus Deutschlands. Bis Ende des Jahres 2022, dieses Jahres also, sollen alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Damals, am 30. Juni 2011, sprachen hochrangige Politiker in lobenden Tönen von der Entscheidung. So sprach der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen von einem „sehr guten Tag für Deutschland“.

Die Ex-Grünen-Chefin Renate Künast erklärte die Abstimmung zur Energiewende laut Deutschlandfunk zu einem „Wegweiser für die weitere Entwicklung Deutschlands“. Notwendig sei der Schritt gewesen, gelobt wurde die Abstimmung. Nun, elf Jahre später sieht es etwas anders aus, denn derzeit entflammt eine neue Diskussion um den Ausstieg aus der Atomenergie.

Atom-Ausstieg 2022: Gibt es den Rückzieher? Kretschmann überrascht

Wird es eine Kehrtwende auf den letzten Drücker? In der Ampelregierung wird der Ausstieg von zwei Grünen-Ministern verteidigt. Da ist zum einen Energieminister Robert Habeck, zum anderen Umweltministerin Steffi Lemke. Doch die Stimmen gegen den Ausstieg mehren sich. In Baden-Württemberg zeigt sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor kurzem offen gegenüber einem Rückzieher.

Aufgrund des anhaltenden Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen Sanktionen gegen Russland könnte es zu Energie-Engpässen kommen. Im Falle eines Voll-Embargos müsse man den Ausstieg aus der Atomkraft nochmals infrage stellen, erklärte der Landesvater laut Stuttgarter Nachrichten bei der Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall vor wenigen Wochen.

Atom-Ausstieg 2022: Energie-Konzerne beziehen Stellung

Deutlicher wurde Günther Oettinger. Der frühere Ministerpräsident Baden-Württembergs hat laut SWR eine Verlängerung der Laufzeiten gefordert. Der Grund: Weniger Abhängigkeit von russischem Gas. Das könnte bitter nötig werden, denn laut Tagesschau beträgt die „installierte Leistung der jetzt abzuschaltenden Blöcke der von 1.000 Windrädern“. Doch es gibt auch Gegenstimmen in Baden-Württemberg.

„Die Frage nach der Verlängerung der Laufzeiten stellt sich für die EnBW nicht“, erklärt das in Karlsruhe sesshafte Energie-Unternehmen EnBW. Der Grund: Der Ausstieg sei 2011 beschlossen und gesetzlich klar geregelt worden, berichtet auch der Südwestrundfunk. Auch aus anderen Bundesländern gibt es ähnliche Stimmen. Ob RWE oder E.ON, die großen Energie-Konzerne sprechen sich gegen eine Verlängerung aus.

Atom-Ausstieg 2022: Längere Laufzeit der Kernkraftwerke? BaWü gespalten

Die Politik hingegen ist gespalten. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sieht das Atom-Aus als beschlossen, hält längere Laufzeiten laut Stuttgarter Nachrichten jedoch für möglich: „Wenn Versorgungssicherheit aber nicht anders gewährleistet werden kann, müssen wir gleichwohl prüfen, ob einzelne Kernkraftanlagen länger als 2022 am Netz bleiben können.“

Gegenwind gibt es von Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz, der eine längere Laufzeit der Kernkraftwerke, wie dem im baden-württembergischen Neckarwestheim, für das es laut echo24.de bereits eine Schock-Prognose gab, als eine „Nebelkerze“ bezeichnet. Als Grund führt er die Herkunft der benötigten neuen Brennstäbe auf, die hauptsächlich aus Russland kämen. (tobi)

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