"Mutmach"-Meisterwerk

Unser Film der Woche: "Raum" - Großes Kino auf zehn Quadratmetern

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Lenny Abrahamson inszenierte sensibel und mit Detailliebe

München - „Raum“ ist ein wahrhaftiges und erstaunlich hoffnungsfrohes Drama, inspiriert vom Schicksal Elisabeth Fritzls. Wer sich darauf einlässt, wird eine Achterbahn der Gefühle durchleben.

Die 24-jährige Joy haust mit ihrem fünfjährigen Sohn Jack in einer winzigen fensterlosen Hütte, in der sie seit sieben Jahren von einem Entführer gefangen gehalten und missbraucht wird. Um Jack die Flucht zu ermöglichen, entwirft Joy einen tollkühnen Plan...

Mehr über den Inhalt zu verraten, wäre ein Frevel. Tatsächlich sollten Sie auch nichts weiter über den Film lesen und keinen Trailer ansehen, um sich die Spannung und die Verblüffung nicht zu verderben.

Es genügt völlig zu wissen, dass „Raum“ ein Muss für jeden Kinofan ist – und dass die beiden sensationellen Hauptdarsteller Sie umhauen werden. Denken Sie bloß nicht, der Film wäre total niederziehend oder gar unerträglich. Bedenken Sie: Er hat den begehrten Publikumspreis in Toronto gewonnen – so wie andere Mutmach-Meisterwerke, etwa „Slumdog Millionär“, „The King’s Speech“ oder „Silver Linings“. Zugegeben: Vermutlich werden Sie hier Rotz und Wasser heulen. Aber es werden auch Tränen der Erleichterung und der Euphorie dabei sein. Lassen Sie sich einfach ein auf die Achterbahn der Gefühle, die Ihnen dieses kleine Kino-Wunder bietet.

Platons Höhlengleichnis als fesselnder Spielfilm

Die Autorin Emma Donoghue hat ihren vom Schicksal der jungen Österreicherin Elisabeth Fritzl inspirierten Bestseller höchstpersönlich zum Drehbuch verarbeitet. Und Regisseur Lenny Abrahamson („Frank“) ist das Kunststück gelungen, aus der an Platons Höhlengleichnis erinnernden Parabel einen fesselnden Spielfilm zu machen. Ganz großes Kino in einem klitzekleinen Raum: Auf rund zehn Quadratmetern erschafft Abrahamson ein komplettes Universum von geradezu mythischen Ausmaßen – ohne reißerische Mätzchen, mit maximaler Sensibilität und Liebe zum Detail. Selbst in der Tristesse findet er eine anrührende Poesie. Kernstück seines stets wahrhaftigen und erstaunlich hoffnungsfrohen Dramas ist die faszinierende Mutter-Kind-Beziehung, getragen von der herzergreifenden Harmonie der beiden Akteure: Jacob Tremblay, einer der unglaublichsten Kinderdarsteller der Filmgeschichte, verkörpert Jack mit bezaubernder Unschuld und Natürlichkeit. Und Brie Larson, die schon im ähnlich aufwühlenden Kino-Juwel „Short Term 12“ oscarreif agierte, ist als mutiges Muttertier Joy schlichtweg eine Urgewalt: mal stark, mal verzweifelt, überfließend vor Liebe zu Jack, aber mit einem Schutzpanzer nach außen. Weil sie sich rückhaltlos hineinstürzt in diese tief- und abgründige Rolle, entwickelt ihr völlig zu Recht mit dem Oscar prämiertes Spiel eine überwältigende emotionale Wucht. Also: Ab ins Kino mit Ihnen!

„Raum“

mit Brie Larson, Jacob Tremblay Regie: Lenny Abrahamson Laufzeit: 118 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie einzigartige Filme mögen.

Marco Schmidt

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