Wie im Wilden Westen

Unser Fim der Woche: "A most violent Year"

„A most violent Year“ von J. C. Chandor erzählt vom Streben nach der Verwirklichung des amerikanischen Traums. Hier der Kinotrailer zu unserem Film der Woche.

New York 1981: Abel und Anna Morales stehen massiv unter Druck. Wenn sie nicht innerhalb eines Monats 1,5 Millionen Dollar auftreiben, verlieren sie ihr Heizöl-Unternehmen, das sie gemeinsam aufgebaut haben. Doch potenzielle Kreditgeber springen ab, als ein übereifriger Staatsanwalt ein Steuerbetrugsverfahren einleitet, gnadenlose Konkurrenten die Firma in die Enge treiben und mehrere Heizöl-Trucks brutal überfallen und gekapert werden. Abel, der inmitten eines Sumpfes aus Korruption, Gewalt, Profitgier und mafiösen Machenschaften stets versucht hat, sauber zu bleiben, ist gezwungen, seine Grundsätze zu überdenken.

Nach „Margin Call“ und „All is lost“ ist dem begabten Autor und Regisseur J. C. Chandor mit „A most violent Year“ zum dritten Mal ein großer Wurf gelungen. In beeindruckenden Breitwand-Bildern bietet er einen Einblick in moralische Grauzonen, die unmerklich in Finsternis übergehen. Er erzählt von einem ehrgeizigen Einwanderer, der danach strebt, den amerikanischen Traum zu verwirklichen – und sich in den blutgetränkten Straßen von Brooklyn bewegt wie ein Pazifist, der im Wilden Westen ohne Waffe überleben will. Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“) spielt diesen Abel mit souveräner, geradezu beängstigender Coolness, die jederzeit ins Gewalttätige kippen könnte, und entwickelt dabei im edlen wüstensandfarbenen Kamelhaarmantel ein ähnliches Charisma wie der junge Al Pacino.

Ebenso prägnant, präsent und präzise: Jessica Chastain („Zero Dark Thirty“) als Abels glamouröse Gattin – kein passives Püppchen, sondern eine ebenbürtige Partnerin, gleichermaßen besorgte Mutter wie skrupellose Geschäftsfrau mit furchterregenden Fingernägeln und angsteinflößenden Abgründen. Chastain, die für diese Leistung ihre dritte Golden-Globe-Nominierung bekam, und Isaac, ihr alter Freund aus der gemeinsamen Studienzeit an der renommierten Juilliard School, sorgen als trickreich ums Überleben kämpfendes Power-Paar für faszinierende Dynamik.

Die langsame Erzählweise gibt den grandiosen Akteuren, darunter auch David Oyelowo (der Martin-Luther-King-Darsteller aus „Selma“) in der Rolle des ambitionierten Staatsanwalts, viel Gelegenheit, ihre komplexen Figuren zu entwickeln. Trotz einer furios inszenierten Verfolgungsjagd durch die Eingeweide von New York verweigert sich Chandor mit imponierender Konsequenz dem Geschwindigkeitsdiktat. Gesprächspausen während der smarten Dialoge sorgen für knisternde Spannung, die von der bedrohlichen Filmmusik noch verstärkt wird.

Fast wähnt man sich in einem Sidney-Lumet-Klassiker aus den Siebzigerjahren: Chandors atmosphärisch stimmiger Krimi kommt ohne aufgesetzte Action und Effekthascherei aus – und wirkt dadurch umso effektvoller. Gut, dass es so etwas noch gibt: Filmkunst-Feinkost für anspruchsvolle Kino-Connaisseure.

„A most violent Year“

mit Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo Regie: J. C. Chandor

Laufzeit: 125 Minuten

Marco Schmidt

Rubriklistenbild: © SquareOne/Universum/dpa

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