Vorab-Kritik

„Dark“ auf Netflix: Lohnt es sich, die deutsche Serie anzuschauen?

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Jonas (gespielt von Louis Hofmann) in einer Szene der neuen Netflix-Serie „Dark“.

Am 1. Dezember startet auf Netflix die deutsche Serie „Dark“. Lohnt sich das Einschalten? Wir haben die ersten drei Folgen schon gesehen.

München - Die gute Nachricht zuerst: Vergessen Sie alles, was Sie bisher an deutschen Produktionen gesehen haben. Denn diese Serie ist anders - in jeglicher Hinsicht. Am ersten Dezember startet die erste Staffel der ersten Neflix-eigenen deutschen Produktion: „Dark“. Schon vor dem offiziellen Start der Serie spricht ganz Deutschland darüber - ein echter Hype. Über zehn rund 50-minütige Episoden erzählt die Mystery-Serie von einer deutschen Kleinstadt namens Winden, vier durchs Schicksal verbundene Familien, verstörenden Vorkommnissen und einem Geheimnis, das lange zurückliegt und die Grenze zwischen Raum Zeit verschwinden lässt. 

Die Handlung beginnt - einer Mystery-Serie angemessen düster - mit dem Selbstmord von Jonas‘ Vater in einer dunklen Werkstatt. Jonas (Louis Hofmann) und seine Mutter Hannah (Maja Schöne) wohnen abgelegen in einem heruntergekommen Haus am Rande von Winden. Eingerahmt wird die Szenerie von einem dunklen dichten Wald, der zumindest bei den Kamera-Überflügen schier endlos scheint. Man erinnert sich an Serien wie „Twin Peaks“ oder „Wayward Pines“. Wären da nicht die zwei riesigen Kühltürme eines Atomkraftwerks, die sich drohend über die Baumwipfel erheben. 

Seltsame Vorkommnisse: Eine Herde liegt tot auf der Weide.

Ein Kind (Erik) ist bereits verschwunden, ein zweites (Mikkel) folgt sogleich. Nach und nach entwirrt sich das Beziehungsgefüge der alteingesessenen Windener-Familien untereinander und gibt den Blick frei auf die Frage, die wirklich zählt: Nicht wer oder wie, sondern wann? Denn spätestens ab den Klängen von Nenas NDW-Hit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ wird klar: Zeit ist in Winden ein relativer Begriff. Die (Zeit-)Reise führt die Zuschauer zurück in die 80er- und 50er-Jahre

Der Regisseur Baran bo Odar macht ab der ersten Szene überdeutlich klar: In Winden ist überhaupt nichts normal. Wenn es regnet, dann in Sturzbächen. Pubertierende Jugendliche sind anstrengender, heimliche Affären noch heimlicher. Kaum eine Szene endet nicht mit dem dramatischen Crescendo von schier durchdrehenden Geigen. Understatements sucht man hier vergeblich - es wird mit allen Mitteln versucht Spannung aufzubauen.

Dabei hätte der Regisseur die Effekt-Hascherei gar nicht nötig. „Dark“ ist in jeder Hinsicht dunkler als „Die Brücke“ und feiert den deutschen Retro-Chic wie „Stranger Things“ den amerikanischen. Die Schauspieler überzeugen - abgesehen von ein paar schlecht instruierten Statisten - mit echtem Talent. 

Der Werbeaufwand für die Serie „Dark“ ist immens. Netflix ließ zum Serienstart eigens ein 12-seitiges Extrablatt drucken.

Ein wenig mehr Bescheidenheit würde der Serie also gut stehen. Sie könnte sich ohne zu zögern in die Arme des durch und durch tragfähigen Plots fallen lassen; die Zuschauer würden trotzdem gespannt auf der Sofa-Kante sitzen. 

Der offizielle Trailer zur Netflix-Serie „Dark“

Anmerkung: Die Autorin konnte sich vorab drei Folgen von „Dark“ ansehen.

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