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Echo-Einwurf: Kicken trotz Corona-Fällen - Fußball macht sich unsympathisch!

Ball und Fuß
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Echo-Einwurf: Kicken trotz Corona-Fällen - so wird Fußball unsympathisch!

Die positiven Corona-Fälle im Fußball sind schon längst nicht mehr an einer Hand abzuzählen und dennoch werden Spiele ausgetragen. Sinnvoll? Ein Kommentar.

Acht Corona-Fälle waren es vergangene Woche bei der TSG Hoffenheim, dem kommenden Gegner des VfB Stuttgart, ein weiterer Spieler (Sargis Adamyan) infizierte sich auf der Länderspielreise von Armenien. Vier ukrainische Spieler wurden vor dem Spiel gegen die DFB-Elf positiv getestet, aber vier Fälle sind nicht genug für eine Spielabsage. Und hoppla: Plötzlich kam heraus, dass zwei weitere Infizierte, deren Tests zuvor noch negativ war, gegen Deutschland gespielt haben.

Die kroatische U21-Nationalmannschaft, in der Borna Sosa vom VfB Stuttgart bis zu seiner unrühmlichen Roten Karte unterwegs war, verzeichnete Anfang der Woche gleich neun Corona-Fälle - und spielte am Dienstag dennoch. Immerhin: Ohne den Kicker des VfB Stuttgart. Die Liste lässt sich vermutlich fortführen und es stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass eine Sportart so sehr über den Dingen steht?

Wenn vier Fälle nicht reichen, um ein Spiel zweier Mannschaften abzusagen, deren Spieler anschließend wieder in die verschiedenen Länder und Vereine, wie dem VfB Stuttgart oder der TSG Hoffenheim, reisen, warum sollen dann normale Menschen auf Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Beerdigungen im kleinen Kreis komplett verzichten? Es geht darum, dass unsere und viele andere Regierungen Geduld predigen, durch Entscheidungen, die oft richtig sind, Existenzen gefährden und teilweise auch kopflos Regeln einführen wollen, wie die Ein-Freund-Regel für Kinder - aber gleichzeitig eine Sportart gefühlt macht, was sie will.

Kicken trotz Corona - König Fußball macht sich unsympathisch

Es geht um eine Sportart, die sich damit rühmt, die Sportart Nummer eins im Land zu sein - und der dieser Erfolg zu Kopf gestiegen zu sein scheint. Dieser Sport und seine Protagonisten stellen sich anscheinend über die restliche Bevölkerung, die gezwungen ist, auf ihr alltägliches Leben zu verzichten.

Hoffenheims Sargis Adamyan hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

Es scheint fast so, als könne das Coronavirus dem Fußball nichts anhaben. Der Fußball zeigt durch seine Entscheidungen, Spiele nicht abzusagen - die DFL lehnte sogar den Hoffenheim-Antrag einer Spielverlegung gegen den VfB Stuttgart ab - trotz mehrere Fälle in einer Mannschaft, dass er sich nicht für die Ausbreitung des Coronavirus, die Inzidenz-Werte und mögliche Eindämmungen interessiert. Es geht meist ausschließlich um das Geld. Das macht den Fußball erneut unsympathisch.

Andere Sportarten sind rigoroser, der Fußball dehnt Regeln aus!

Ein Blick auf andere Sportarten zeigt, dass es besser geht. Konsequenter, gefahrenbewusster und vor allem ehrlicher! Das Handballspiel der Rhein-Neckar Löwen in Minden wird beispielsweise abgesagt, weil ein Spieler positiv getestet wurde. Die Tour de France fuhr unter der Bedingung, dass ein Team komplett ausscheidet, wenn innerhalb der Mannschaft ein zweiter Fall auftaucht. Da geht es um Vereine und Teams, die wohl weniger Geld haben als die Fußball-Bundesligisten.

Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen müssen ihr Spiel gegen GWD Minden verlegen aufgrund eines positiven Corona-Falls bei den Gegnern.

Der Fußball hat ebenfalls die Aufgabe, zu entscheiden: Was passiert mit dem Spiel der TSG Hoffenheim gegen den VfB Stuttgart? Bleibt es dabei, dass die TSG keine weiteren positiven Fälle verzeichnet und der VfB trotz Corona-Kroate Sosa durchweg negativ bleibt, steht einer Austragung wohl nichts im Weg.

Aber: Ploppt doch noch ein positiver Fall auf, muss das Spiel verschoben werden. Was spricht dagegen? Die TV-Gelder? Ich dachte immer, dass die Gesundheit aktuell das oberste Gut wäre. Zumal es um eine Verschiebung geht, nicht um einen Ausfall, den die scheinbar unbelehrbare Uefa ja schon mit hanebüchenen Regeln kontert.

Fußballer sind Menschen mit Familien und Vorbildfunktion - keine Ausnahmen!

Man darf nicht vergessen, dass hinter jedem Fußballer auch ein Mensch steckt. Einer wie Marc Oliver Kempf vom VfB Stuttgart, der kürzlich Vater geworden ist. Ob er wohl mit gutem Gewissen auf dem Platz stehen und danach wieder seine Familie in den Arm nehmen kann, wenn er weiß, dass beim Gegner mehrere positive Corona-Fälle aufgetaucht sind?

Geld spielt keine Rolle, wenn die Gesundheit fehlt.

Ein Kommentar zum Fußball in der Corona-Krise

Und man darf nicht vergessen, dass Fußball-Vereine Unternehmen sind, die dazu beitragen müssen, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet - auf dem Platz und als Vorbilder. Geld spielt keine Rolle, wenn die Gesundheit fehlt. Ein bisschen mehr Vernunft und vor allem verständliche Entscheidungen im Fußball könnten zu mehr Geduld und Verständnis für die eigenen Widrigkeiten in der Bevölkerung beitragen.

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