Exklusiv-Interview im SPIELFELD

Nagelsmann: „Hatte den Gedanken, alles anders zu machen“

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Zuzenhausen - Im exklusiven Interview mit dem Vereinsmagazin SPIELFELD spricht TSG-Trainer Julian Nagelsmann über Höhen und Tiefen der abgelaufenen Saison und die Qualifikation für die Königsklasse.

Mit dem Sieg gegen Borussia Dortmund am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2017/18 haben Julian Nagelsmann und die TSG Hoffenheim Geschichte geschrieben und zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Ticket für die Champions League gelöst.

Im Interview mit dem am 25. Mai erscheinenden Vereinsmagazin SPIELFELD spricht der Fußball-Lehrer über den besonderen Saisonverlauf, Gründe für den überragenden Erfolg und die Planungen für die erste Spielzeit im renommiertesten und attraktivsten Klub-Wettbewerb auf dem Globus.

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Das freut mich unglaublich und der Erfolg ist eine unglaubliche Genugtuung für mich und uns alle“, sagt der 30-Jährige. „Wir haben hier keinen Meisterschaftskader und müssen Spieler entwickeln, um solch außergewöhnliche Erfolge zu feiern. Dafür brauchen wir die absolute Bereitschaft der Spieler und keine Profis, die vor allem ihr eigenes Süppchen kochen. Wir haben einen außergewöhnlichen Geist in der Gruppe.

Der mit Platz drei belohnte Schlussspurt seiner Mannschaft war seiner Meinung nach auch die Folge einer „noch größeren Eigendynamik innerhalb der Mannschaft als im Vorjahr“: „Wir haben uns jede Woche wieder enorm gepusht, um doch noch oben ranzukommen. Darum finde ich die Leistung in diesem Jahr noch viel beeindruckender. Wir sind nach vielen Enttäuschungen und schlechten Ergebnissen extrem stark zurückgekommen.

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In der Hinserie sammelte Nagelsmann wichtige Erfahrungen: „Das war schon eine unangenehme Zeit, weil ich Misserfolg nicht so kenne. Es ging in meiner Laufbahn bislang ja immer nach oben – auch tabellarisch. Viele haben gesagt, man ist erst ein richtig guter Trainer, wenn man aus der ersten Krise raus ist. Das bin ich jetzt offensichtlich, und ich wusste vorher wirklich nicht, wie man eine Krise bewältigt. Letztendlich habe ich ein paar mehr Gespräche geführt, einen größeren Stammspielerkreis gebildet und bin mir treu geblieben.“ 

Durch den Erfolg sieht sich der gebürtige Landsberger in seiner Herangehensweise bestätigt: „Es gab wirklich Momente, in denen ich den Gedanken hatte, alles anders zu machen, aber im Endeffekt wollte ich das nicht, sondern lieber meine Art zu spielen und meine Fußball-DNA beibehalten.“ Die Diskussionen über sein Alter und seine mangelnde Erfahrung im Profi-Bereich hält er nun für beendet. „Ich bin ganz ehrlich, die ganzen Reden bezüglich meines Alters oder der nie erlebten Krise gingen mir unendlich auf die Nerven. Diese oberflächlichen Behauptungen haben mich gestört, darum freut es mich unglaublich, dass wir diese Vorurteile als Gruppe widerlegt haben.

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Das gilt auch für die verbalen Anschuldigungen von Kollegen am Spielfeldrand: „Auf der einen Seite sind das ganz normale Emotionen am Spielfeldrand und auf der anderen Seite, da brauchen wir gar nichts schönreden, ist die Bundesliga ein Haifischbecken. Dazu kommen noch persönliche Machtkämpfe. Es gibt ein enormes Konkurrenzdenken, man gönnt sich während des Spiels ja nichts. Da herrscht ein unfassbarer Druck, der ist nicht für alle immer leicht auszuhalten. Dass es dreimal in den zwei Jahren passiert, kommt nicht von ganz ungefähr, das muss man schon ehrlich so einordnen, aber auch nicht zu hoch hängen.

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Gemeinsam mit Sportdirektor Alexander Rosen treibt Nagelsmann nun die Planungen für die erste Saison in der Champions League voran. Vor allem über die Kadergröße wird noch diskutiert: „Das ist eine Gratwanderung. Wenn man in der Vorrunde ausscheidet, hat man in der Rückserie nur noch ein Spiel pro Woche, aber fast 30 Spieler im Kader. Darunter leidet auch die Trainingsqualität. Und wenn man wie ich auf einen festen Stamm setzt, ist die Zahl unzufriedener Spieler natürlich noch höher.“ Er gehe nicht von einem frühen Scheitern aus, aber eine verantwortungsbewusste Kaderplanung müsse alle Optionen im Blick behalten. 

In der Trainingsarbeit erhofft sich Julian Nagelsmann eine große Hilfe durch die auf dem Trainingsgelände in Zuzenhausen installierte Videowall. „Sie ist eins der genialsten Tools überhaupt. Dank der Videowall können wir auch ohne große Belastung Dinge auf dem Platz durchsprechen und taktische Abläufe trainieren, das ist gerade in den englischen Wochen ein großer Vorteil.

PM/rob

Quelle: Mannheim24

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