Zwischen Dankbarkeit und Anfeindung  

Dietmar Hopp: Leben, Wirken und Krisen des Hoffenheim-Mäzens

Hoffenheim – Dietmar Hopp ist eine Institution in der Rhein-Neckar-Region. Zugleich polarisiert der Hoffenheim-Mäzen Fußball-Deutschland – sein Leben, Wirken und Krisen in der Zusammenfassung: 

  • Dietmar Hopp ist einer der reichsten Menschen Deutschlands. 
  • Seine Dietmar-Hopp-Stiftung unterstützt gemeinnützige Projekte in der Rhein-Neckar-Region.
  • Durch sein Engagement steigt die TSG Hoffenheim von der Bezirks- bis in die Bundesliga auf.  
  • Nach seinem Rückzug vom Software-Riesen SAP durchlebt er einige Krisen. 

Großzügiger Menschenfreund oder Totengräber der deutschen Fußballromantik? An Dietmar Hopp, dem Mäzen der TSG Hoffenheim, scheiden sich die Geister. Gespalten zwischen Fußballfans mit Hang zur verbalen Entgleisungen und Mahnern, die beleidigende Schmähungen und vulgäre Transparente nicht länger hinnehmen wollen – die Fronten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Doch wer ist der Mensch hinter dem „Fadenkreuz“, der aus einem Provinzverein einen erfolgreichen Bundesligisten gemacht hat – und damit das knapp 3.200 Seelen fassende Dorf Hoffenheim zum bekanntesten Provinznest der Republik aufgewertet hat? Am Anfang der Karriere des IT-Milliardärs liegt all das noch in weiter Ferne.

Dietmar Hopp: Steckbrief und Wiki

Name

Dietmar Hopp

Beruf

Unternehmer (Mitgründer SAP)

Geburtstag

26. April 1940

Geburtsort

Heidelberg

Ehefrau

Anneliese (geb. Zeuner)

Kinder

Daniel und Oliver Hopp

Studium

Nachrichtentechnik (Dipl. Ing., TH Karlsruhe)

Vermögen

geschätzte 13,5 Mrd. Euro

Dietmar Hopp gehört zu den reichsten Menschen der Welt 

Zu Beginn des Jahres 2020 ist das Softwareunternehmen SAP das mit Abstand wertvollste deutsche Unternehmen und kann im abgelaufenen Geschäftsjahr einenUmsatz von 27,6 Milliarden Euro erzielen. Damit ist die SAP das drittgrößte börsennotierte Softwareunternehmen weltweit – ein Erfolg an dem Dietmar Hopp maßgeblichen Anteil hat. Als die SAP 1988 an die Börse geht, wird der Firmengründer zwischen 1988 und 1998 für ein Jahrzehnt Vorstandsvorsitzender und wechselt danach bis 2005 in den Aufsichtsrat

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda (r), überreicht Dietmar Hopp (l), den Deutschen Arbeitsplatzinvestor-Preis (12.11.1997).

Seit seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft bei der SAP ist Hopp zudem als Investor, insbesondere in der Biotech-Branche, tätig. So finanziert er zwischen 2006 bis 2014 das Biotech-Unternehmen CureVac im Alleingang. Noch heute hält der Selfmade-Milliardär knapp 5,5 Prozent der SAP-Aktien, dabei wird sein Vermögen auf 13,5 Milliarden Euro geschätzt. Damit rangiert Dietmar Hopp auf der Forbes-Liste der 200 reichsten Menschen der Welt auf Platz 97.

Dietmar Hopp: Ein Sohn Hoffenheims macht Karriere  

Hoffenheim ist die Heimat von Dietmar Hopp – dort wächst der am 26. April 1940 in Heidelberg geborene als jüngster Sohn mit seinen Geschwistern Rüdiger und Karola auf. Sein Vater Emil Hopp ist beruflich als Lehrer tätig und aktives Mitglied der NSDAP. Als Truppführer der paramilitärischen Sturmabteilung (SA) wirkt der Vater aktiv an der Zerstörung der dortigen Synagoge während der Reichsprogromnacht 1938 mit und koordiniert die Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Konzentrationslager. Eine Tragödie, welche die Familie Hopp nach Jahrzehnten des Schweigens einholen sollte.

Direkt nach dem Abitur in Sinsheim leistet Dietmar Hopp zunächst seinen Wehrdienst, bevor er 1960 ein Studium der Nachrichtentechnik an der Universität Karlsruhe aufnimmt. Damit legt der damals 20-Jährige den Grundstein für seine spätere Erfolgsgeschichte als Mitbegründer des Software-Riesen SAP. Nach seinem Abschluss zum Diplom-Ingenieur arbeitet Hopp ab 1966 für den amerikanischen Marktführer IBM als Software-Entwickler in Stuttgart. Danach macht er ebenfalls für IBM von 1968 bis 1972 in Mannheim Station als Systemberater. 

Dietmar Hopp: Als Mitbegründer des Softwareunternehmens SAP an die Weltspitze 

Nach Lehrjahren beim führenden Computer- und Software-Dienstleister gründet Hopp 1972 gemeinsam mit vier seiner IBM-Kollegen das Softwareunternehmen SAP. Der Name steht für das erste betriebswirtschaftliche Softwarepaket der Firma (Systeme, Anwendung und Produkte). 

Die SAP-Programme sind auf die Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse eines Unternehmens wie Buchführung, Controlling, Vertrieb, Einkauf, Produktion, Lagerhaltung und Personalwesen ausgelegt. 

Der Einstieg in die Softwarebrache kommt genau zur richtigen Zeit. In den 1970er Jahren betreten Dietmar Hopp und seine Kollegen in der Bundesrepublik Neuland und entwickeln in relativ kurzer Zeit innovative Ideen. Besonders ein Programm, das Unternehmen Lohnabrechnung und Buchhaltung per Großrechner abwickeln lässt, kann sich im deutschen Wirtschaftsraum durchsetzen. In den folgenden Jahren werden nach und nach weitere Bereiche erschlossen und die Firma stetig zu einem international agierenden Großkonzern erweitert. Die Firmenentwicklung ist eine beispiellose deutsche Erfolgsgeschichte.

Dietmar Hopp will Wohlstand mit Menschen teilen 

Wer nun glaubt, dass sich einer der reichsten Menschen Deutschlands auf seinem Vermögen ausruht, sieht sich getäuscht. Dietmar Hopp möchte sein Geld nicht wie manch andere Superreiche horten, sondern seinen Wohlstand mit seinen Mitmenschen teilen

Unglaubliche zwei Drittel seines Vermögens investiert der Menschenfreund in Form von SAP-Aktien in seine gemeinnützige GmbH: 1995 wird die Dietmar-Hopp-Stiftung gegründet. Sie zählt zu den größten Privatstiftungen Europas und hat bis zum Ende des Jahres 2019 sagenhafte 800 Millionen Euro für gemeinnützige Projekte ausgeschüttet – das sind im Durchschnitt etwa 87.000 Euro pro Tag

Die Förderstiftung bietet ihrefinanzielle Unterstützung auf zwei verschiedenen Arten an: Zum einem die offene Förderung in den Bereichen Sport, Medizin und Soziales durch einen Antrag über einen Projektvorschlag. Und zum anderen gibt es fest ausgeschriebene Förderaktionen zu bestimmten Terminen. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass Förderanträge lediglich von gemeinnützig anerkannten Organisationen gestellt werden können. 

Dietmar Hopp: Ein Milliardär unterstützt die Rhein-Neckar-Region 

Da sich der Unternehmer Hopp besonders der Rhein-Neckar-Region verbunden fühlt, liegt auch hier der geographische Schwerpunkt der Förderaktivitäten. Dazu zählen: Neckar-Odenwald-Kreis, Rhein-Neckar-Kreis, Kreis Bergstraße, Landkreis Bad Dürkheim, Rhein-Pfalz-Kreis, Landkreis Südliche Weinstraße, Landkreis Germersheim und die Städte Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen. 

Vor allem gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Sport, Medizin, Soziales und Bildung liegen Dietmar Hopp am Herzen. Zu den bekanntesten Empfängern zählen das Universitätsklinikum und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg sowie das Jugendförderprojekt „Anpfiff ins Leben“. Darüber hinaus werden viele soziale Einrichtungen wie Pflegeheime, Kindergärten und Schulen finanziell unterstützt. 

Auch die in der Rhein-Neckar-Region beliebten „alla hopp!“-Anlagen gehen auf eine Aktion der Stiftung zurück. Unter dem Motto „Jetzt kommt Bewegung rein“ entstehen für 42 Millionen Euro insgesamt 19 Bewegungs- und Begegnungsanlagen vom pfälzischen Ilbesheim bis in das odenwäldische Ravenstein. Leider steht die Anlage in Heidelberg-Kirchheim wiederholt mit Negativ-Schlagzeilen im Rampenlicht. Immer wieder treiben dort in der Nacht Vandalen ihr Unwesen. Dessen ungeachtet entfaltet die großzügige Unterstützung – dank des Vermögens von Dietmar Hopp – ihre karitative Wirkung in der Region.

Dietmar Hopp: Einer der reichsten Deutschen wird erpresst 

Leider weckt das enorme Vermögen des Stiftungsgründers auch Neider zwielichtiger Natur. Und so kommt es, dass der Milliardär im Sommer 2009 erpresst wird. Seit dem 17. August erhält der Hoffenheimer Briefe in denen der Erpresser 5,5 Millionen Euro fordert, andernfalls drohe er drei Personen aus Hopps naher Verwandtschaft umzubringen.

Darauf schaltet Dietmar Hopp sofort die Polizei ein – es ist die einzig Richtige Entscheidung, denn am 5. September wird der Mann an seinem Wohnort festgenommen. Zuvor hat ein getarnter Polizeibeamter dem Erpresser im Raum Trier einen Koffer mit „Scheingeld“ übergeben. 

Am ersten Prozesstag am Landgericht Heidelberg legt der 43-jährige Fuhrunternehmer aus Gemmingen bei Heilbronn ein umfassendes Geständnis ab und wird wegen der versuchten räuberischen Erpressung verurteilt. Aufgrund des Geständnisses und der darauffolgenden Entschuldigung bleibt das Gericht mit dem Strafmaß von drei Jahren und neun Monaten unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von fünf Jahren und drei Monaten. 

Der Hopp-Erpresser Ralf M. sitzt zum Prozessauftakt in einem Gerichtssaal im Landgericht in Heidelberg (08.12.2009).

Als Motivation für die Tat benennt der verurteilte Erpresser seine verzweifelte finanzielle Situation. Nachdem die Banken seinen Kreditrahmen auf 30.000 Euro halbiert haben, fürchtete er die Pleite seiner Speditionsfirma.

Das erpresserische Vorhaben sei ihm spontan in Sinn gekommen: Nachdem er am Firmensitz der SAP vorbeigefahren ist, habe er nach eigenen Angaben knapp zwei Stunden später das erste Erpresserschreiben formuliert und per Post an die Dietmar-Hopp-Stiftung geschickt. Die darin enthaltene Androhung der Ermordung von Hopps Familie habe er aus einem Krimi entnommen

Dietmar Hopp leidet sehr durch die Bedrohungslage seiner Familie 

Der Milliardär selbst äußerte sich nicht zu dem Fall. Auch die Entschuldigungen des Erpressers vor Gericht will er nicht kommentieren. Aufgrund des Geständnisses des Spediteurs bleibt Hopp eine Zeugenaussage vor Gericht erspart

Obgleich von dem Erpresser zu keinem Zeitpunkt keine tatsächliche Gefahr ausgeht, ist dieser Umstand für den Hoffenheim-Mäzen nur ein geringer Trost, denn die Bedrohungslage hat ihre Spuren hinterlassen. Dietmar Hopp nimmt im Zeitraum der Erpressung drei Kilo Körpergewicht in gerade einmal zehn Tagen ab. Zudem plagen ihn Herzschmerzen und schlaflose Nächste, während er und seine Familie rund um die Uhr von einem Wachdienst überwacht wird. 

Doch ein positiver Aspekt soll bei der ganzen Sache herausgekommen sein. Seinem Sohn Daniel soll er nach der Festnahme des Fernfahrers erleichtert angekündigt haben: Er wolle sich nie wieder über etwas ärgern. Ein Vorsatz den Dietmar Hopp offensichtlich nicht halten kann, denn Grund zum Ärgern sollte es noch genug geben: Der Mäzen des Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim wird immer wieder mit Schmähgesängen und vulgären Transparenten seitens der Ultra-Szene öffentlich angegriffen.

Dietmar Hopp unterstützt seinen Heimatverein TSG Hoffenheim 

Bevor Dietmar Hopp zum Hassobjekt der organisierten Fangruppierungen in Fußball-Deutschland wird, steht sein Engagement beim damals unbekannten Verein TSG Hoffenheim. Die Wandlung vom unterklassigen Dorf-Klub zum Bundesligisten beginnt im Jahre 1989. Damals steigt sein Heimatverein, für den Hopp in der Jugend als Stürmer gespielt hat, aus der Bezirksliga ab. Als Konsequenz dieser sportlichen Talfahrt entscheidet sich der SAP-Milliardär die TSG finanziell zu unterstützen

Der Aufschwung des Vereins beginnt mit der Meisterschaft in der damals siebtklassigen Kreisliga A in der Spielzeit 1990/91. Durch die weitere Unterstützung Hopps feiert die Mannschaft in der Folge ganzevier Aufstiege und findet sich in der Saison 2000/01 in der Regionalliga wieder. 

Um den passenden infrastrukturellen Rahmen für die sportlichen Erfolge zu schaffen, finanziert der Mäzen den Bau eines nach ihm benannten Stadions in Hoffenheim, dass 1999 fertiggestellt wird. 

Dietmar Hopp: Projekt „Profifußball in der Rhein-Neckar-Region“

Das ist jedoch nicht das Ende der Fahnenstange der Ambitionen des Mäzens Hopp. Im Sinne seines anvisierten Projektes „Profifußball in der Rhein-Neckar-Region“ ist die zu diesem Zeitpunkt drittklassige Regionalliga lediglich eine Zwischenstation

Daher erhöht Hopp seinen Einsatz und fördert die Auslagerung der Fußballabteilung in die „TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH“ im Jahr 2005. Um die regionalen Kräfte zu Bündeln schlägt er eine Fusion der Vereine TSG Hoffenheim, FC-Astoria Walldorf und SV Sandhausen zum FC Heidelberg 06 vor. Zudem soll in Heidelberg ein von ihm finanziertes bundesligataugliches Stadion entstehen. 

Die PreZero Arena (vormals Rhein-Neckar-Arena) in Sinsheim, bei der offiziellen Eröffnung (24.01.2009).

Die Pläne scheitern jedoch am Widerstand der Vereine und Streitigkeiten um die Standortfrage in Heidelberg. Alternative Standorte in der Universitätsstadt am Neckar werden in der Folge aus Kosten- und Zeitgründen nicht weiterverfolgt und stattdessen der Stadionneubau in unmittelbarer Nähe zu Hoffenheim beschlossen. Die Wahl fällt dabei auf einen verkehrsgünstigen Standort an der A6 in Sinsheim

Dietmar Hopps Heimatverein polarisiert Fußballdeutschland 

Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga schöpft der Verein aus dem Vollen und investiert zur Saison 2007/08 durch eine enorme Finanzspritze Dietmar Hopps mehr Geld in Neuverpflichtungen als alle übrigen Zweitligisten zusammen. 

Außerdem firmiert der Klub von nun an aus Marketing gründen als „1899 Hoffenheim“. Von offizieller Seite aus heißt es hierzu: Turn- und Sportgemeinschaft würde zu altbacken klingen. Es bleibt jedoch der Beigeschmack, die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim verfolgen durch die Namensänderung einzig das Ziel Tradition zu suggerieren, wo keine sei

Sowohl in der Presse als auch bei gegnerischen Fans mehren sich in diesem Zusammenhang kritische Stimmen gegenüber dem „Retortenklub“. Aber auch von anderen Vereinsvertretern wird Unmut über das Hoffenheimer Projekt geäußert. So kritisiert der damalige Mainzer Manager Christian Heidel, dass mit der TSG kein Traditionsverein finanziell unterstützt werde, sondern ein Dorfverein ohne gewachsene Fankultur und Zuschauerunterstützung. 

Dietmar Hopp im „Fadenkreuz“: TSG Hoffenheim steigt in die Bundesliga auf 

Ungeachtet des Gegenwindes gelingt den Hoffenheimern der direkte Durchmarsch aus der Regionalliga in die Bundesliga – in der Saison 2008/09 ist der Verein erstmals in seiner Geschichte erstklassig.

Zeitgleich steigert sich die ablehnende Polemisierung gegnerischer Fans zu öffentlich artikulierten Hass. Beim ersten Heimspiel gegen Borussia Dortmund am fünften Spieltag (21. September 2008) im Mannheimer Carl-Benz-Stadion taucht erstmals ein Transparent mit dem Konterfei Dietmar Hopps in einem Fadenkreuz auf. 

Dortmund-Fans halten in Mannheim ein Plakat mit dem Porträt des Hoffenheim-Sponsors Dietmar Hopp und einem Fadenkreuz sowie der Aufschrift "Hasta La Vista Hopp!" in die Höhe. 

Es ist der Startpunkt einer Dauerfehde, die sich in den kommenden Jahren dramatisch zuspitzen wird. Im Zuge des Komplettausschlusses der Dortmunder Fans von Auswärtsspielen in Hoffenheim im Jahr 2020 verschärft sich die Auseinandersetzung zwischen derUltra-Szene und dem DFB. Die daraus resultierenden Feindseligkeiten gegenüber Dietmar Hopp münden in Spielunterbrechungen und einer beispiellosen Krise der Bundesliga.

Dietmar Hopp übernimmt die Stimmenmehrheit bei der TSG Hoffenheim 

Neben dem Vorwurf bei der TSG Hoffenheim handle es sich aufgrund dermassiven finanziellen Unterstützung seitens des Mäzens nicht um einen Fußballverein im traditionellen Sinne, wird Dietmar Hopp angelastet er verstoße gegen die 50+1 Regel. Diese Vorschrift in den Statuten der Deutschen Fußball-Liga besagt, dass es Kapitalanlegern verboten ist die Stimmenmehrheit bei ausgegliederten Fußballvereinen zu übernehmen und auf diesem Weg ins operative Geschäft einzugreifen. 

Die DFL hat jedoch 2014 eine Ausnahmegenehmigung erstattet, weil Hopp die TSG Hoffenheim bereits mehr als 20 Jahre gefördert hat. Im Jahr darauf stimmen die Mitglieder der TSG Hoffenheim bei der Jahreshauptversammlung einstimmig dafür, dem Hoffenheimer Mäzen die Mehrheit an der Spielbetriebsgesellschaft zu übertragen. 

Ausnahmen von der 50+1-Regel hat es bis zu diesem Zeitpunkt bei den Werksklubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg gegeben. Mit Dietmar Hopp wird in Hoffenheim erstmals die Stimmenmehrheit einer Einzelperson im deutschen Fußball zugesprochen. Ab Juli 2015 hält Hoffenheimer Geldgeber 96 Prozent der Stimmrechte in der Spielbetriebsgesellschaft.

Dietmar Hopp wird von Nazi-Vergangenheit des Vaters eingeholt 

Trotz aller Erfolge liegen die Anfeindungen in Deutschen Fußball-Stadien wie ein dunkler Schatten auf der Vita des milliardenschweren Wohltäters. Hinzukommt, dass bereits lange vor dem Bundesliga-Aufstieg ein Schadfleck in der Familiengeschichte Dietmar Hopp einzuholen droht: Es handelt sich um die Nazi-Vergangenheit seines Vaters

Ausgangspunkt ist ein Buch über den Lebensweg zweier jüdischer Brüder aus Hoffenheim: Menachem Mayer und Fred Raymes. Während Fred als Kind zunächst Manfred heißt, wird der drei Jahre jüngeren Menachem als Heinz geboren. Heinz besucht die gleiche Klasse, wie Hopps Schwester Karola. Das erste Leben der Brüder endet abrupt als SA-Männer unter der Führung von Emil Hopp 1938 die Synagoge zerstören und die Familie aus ihrem Haus vertreiben

Zunächst wird die Familie ins französische Konzentrationslager Gurs deportiert. Dort gelingt es den Eltern ihre Kinder mit der Hilfe von Einheimischen in einem Waisenhaus zu verstecken, bevor sie 1941 zur Ermordung in das Vernichtungslager Ausschwitz weiter deportiert werden. 

Beide Jungen überleben die Vernichtungspolitik der Nazis, werden aber in den Kriegswirren getrennt. Manfred lässt seine jüdische Herkunft und die deutsche Sprache hinter sich und zieht als Fred Raymes in die USA. Heinz wird zu Menachem und lebt fortan im neu gegründeten Staat Israel. 

Über 50 Jahre später halten die ungleichen Brüder ihre Erinnerung und die Briefe ihrer Mutter in einem Buch fest. Über Umwege kommen auch die Geschwister Dietmar, Rüdiger und Karola Hopp an das Zeitzeugnis indem auch die Untaten ihres Vaters festgehalten werden. Nach bekanntwerden des Ausmaßes der Verbrechen beteuert Dietmar Hopp, dass sein Vater niemals mit ihm darüber gesprochen hätte. 

Dietmar Hopp: Aus Nachfahren von Tätern und Opfern werden Freunde 

Vor allem der letzte Satz des Buches: „Lasst uns nicht die Schuld der Väter an den Kindern heimsuchen,“ entfaltet bei Rüdiger Hopp eine nachhaltige Wirkung. Und so entschließt sich der ältere Bruder zu einem Treffen mit Fred Raymes in Florida. Daraus entsteht eine dauerhafte Freundschaft zwischen den Familien Mayer und Hopp

Fred Raymes (2. v. l) und Menachem Mayer mit ihren Ehefrauen als Gäste der Familie Hopp in Deutschland.

Dennoch fürchtet die Familie Hopp zunächst, die Geschichte könnte dem berühmten Dietmar Schaden zufügen. Daher folgt die Bitte seitens der Familie den Namen Hopp aus der deutschen Übersetzung zu streichen. Dagegen wehren sich wiederum die Angehörigen der Brüder Mayer: Wenn die Opfer Namen tragen, sollten das auch die Täter, erwidern Sie. Familie Hopp respektiert diesen Wunsch und finanzieren die deutsche Übersetzung des Buches. Aus dem englischen Titel „Are the Trees in Bloom Over There?“ (Blühen bei Euch die Bäume?) wird „Aus Hoffenheim deportiert - Menachem und Fred“.

Die Hopps laden schließlich beiden Brüder und ihre Familien nach Deutschland ein und enthüllen gemeinsam mit ihnen Gedenktafel für die deportierten Hoffenheimer Juden. Begleitet wird diese Rückkehr sowie weitere Besuche in Gurs und Auschwitz von einem Kamerateam. Daraus entsteht ein Dokumentarfilm, der unter dem Namen „Menachem und Fred“ im Oktober 2009 in deutschen Kinos läuft.

Dietmar Hopp: Das sagt er zur Vergangenheit seines Vaters

Dietmar Hopp und seine Geschwister haben die Vergangenheit ihrer Familie zwar öffentlich aufgearbeitet, doch es werden auch kritische Stimmen laut. In einem Interview mit der FAZ hat sich Hopp nämlich mit Blick auf die Vergangenheit seines Vaters wie folgt geäußert: „Mein Vater war Lehrer. Als er 1938 den Auftrag bekam, die Synagoge in Hoffenheim zu zerstören, hatte er schon drei Kinder, meine älteren Geschwister. Hätte er es nicht gemacht, wäre er entlassen worden, und seine Familie wäre einer hoffnungslosen Zeit entgegengegangen.“ 

Dietmar Hopp, der Familienmensch

Familiäres hält Dietmar Hopp nach Möglichkeit aus der Öffentlichkeit heraus. Mit seiner Frau Anneliese wohnt Hopp in Walldorf, knapp 20 Kilometer von Hoffenheim entfernt. Es sei ihm nie in den Sinn gekommen, wie andere Milliardäre nach Monaco zu ziehen, „nur um Steuern zu sparen“, hat Hopp einmal verraten. Dafür ist ihm die Heimat einfach zu wichtig.

Auch seine Söhne Oliver und Daniel sollten nicht in der Öffentlichkeit stehen, bis sie erwachsen sind und selbst darüber entscheiden können. Oliver soll mittelfristig die Leitung der Dievini Hopp Biotech Holding übernehmen, leitet in Frankreich ein Golfressort und ein Hotel. zudem hat Oliver die Hopp Foundation gegründet, die sich mit der Digitalisierung von Schulen befasst.

Daniel Hopp hat seinen Vater indes dazu überredet, einen Eishockey-Verein zu kaufen: Als der Mannheimer ERC im Sommer 1998 in finanzieller Schieflage war, finanzierte Dietmar Hopp mit zehn Millionen Mark. Wenige Jahre später übernahm Daniel die Führung bei den Adler Mannheim. Inzwischen zählt Daniel Hopp zu den erfolgreichsten Managern im deutschen Eishockey, ist mittlerweile auch Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB).

Dietmar Hopp: Preise und Orden 

  • 1997: Arbeitsplatzinvestor-Preis der Bundesanstalt für Arbeit
  • 2008: Sport-Manager des Jahres 
  • 2009: Laureus-Sport-Award für Wohltätigkeit
  • 2010: Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • 2014: Deutschen Stifterpreis vom Bundesverband Deutscher Stiftungen

esk 

Quelle: Heidelberg24

Rubriklistenbild: © Ronald Wittek dpa/lsw

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