Europaspiele

"Saugut": Deutsches Tischtennis-Mixed holt Gold

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Das weißrussische Minsk ist Ausrichter der Europaspiele 2019. Foto: Dirk Waem/BELGA

Die Olympia-Qualifikation war das erklärte Ziel des Deutschen Tischtennis Bundes bei den Europaspielen. Ein Paar hat es geschafft, zwei weitere Chancen gibt es am Mittwoch. Die Judoka enttäuschen in Minsk erneut.

Minsk (dpa) - Petrissa Solja standen Tränchen in den Augen, als sie Patrick Franziska nach dem verwandelten Matchball abklatschte. Geschafft! Olympia erreicht!

Das Tischtennis-Mixed hat bei den Europaspielen in Minsk die erste Goldmedaille für das deutsche Team geholt, das zuvor drei Bronzemedaillen für sich verbucht hatte. Doch wichtiger als Gold in Minsk war für das Paar, dass es damit den Weg nach Tokio ebnete. "In den entscheidenden Momenten waren wir saugut", sagte Franziska.

Zuvor war Timo Boll (38) im Duell der Altmeister gegen Wladimir Samsonow (43) der Sprung ins Halbfinale der Einzelkonkurrenz gelungen. Auch Han Ying steht am Mittwoch in der Vorschlussrunde. Beiden fehlt noch ein Sieg zur Olympia-Qualifikation. Die Judoka enttäuschten abermals, als sie in der ersten Runde des Mixed-Wettbewerbs an Österreich scheiterten. Besser lief es für die Rennkanuten, die angeführt vom dreimaligen Olympiasieger Sebastian Brendel sieben von neun Booten in die Finals brachten. Freistil-Ringer Ahmed Dudarov (bis 86 kg) unterlag im Halbfinale und kämpft am Mittwoch um Bronze.

Dreimal 11:4, 13:33 Minuten - schon waren Franziska/Solja mit den Rumänen Ovidio Ionescu und Bernadette Szocs fertig. Dabei hatte Bundestrainer Jörg Roßkopf zuvor noch "ein sehr offenes Spiel" angekündigt. Solja fand den Auftritt "fast perfekt". Nach ihrem Aus im Einzel-Viertelfinale am Nachmittag gegen die Portugiesin Yu Fu war sie "noch etwas traurig", wie sie sagte, doch diese Enttäuschung wandelte sie in Energie um. Im Mixed war sie "extraheiß", wie Franziska feststellte.

"Jetzt haben wir Zeit genug, den Masterplan für Tokio zu entwickeln", erklärte Solja. Ein Grund für ihren Erfolg sei, dass die heute 25-Jährige und der 27-Jährige seit Schüler- und Jugendzeiten häufig zusammenspielen. "Ich habe zuletzt ein Foto von einer Deutschen Jugendmeisterschaft gefunden", erzählte sie schmunzelnd. "Da sind wir aber nur Dritte geworden." In der Regel gibt Franziska den Ton in dem Duo an: "Wenn mir etwas auffällt, sage ich es - aber ich versuche dabei immer, lieb und nett zu sein."

Boll und Samsonow hatten zuvor eine große Show geliefert. "Timo musste sein bestes Tischtennis zeigen", sagte Roßkopf nach dem hart umkämpften Sieg in 4:1 Sätzen. Die beiden Routiniers rätselten nach ihrer packenden Begegnung, wie oft sie in ihrer Karriere aufeinander getroffen sind. Auf "vielleicht 30 bis 40 Mal seit 1997 oder 98" einigten sie sich. "Am Anfang hat er mich ganz schön frisch gemacht", erinnerte sich Boll, der mittlerweile die bessere Bilanz für sich reklamiert. Doch Samsonows Auftritt imponierte dem Deutschen: "So gut habe ich ihn schon lange nicht mehr gesehen - vor allem was die Konzentration anbelangt." Mit seiner Reichweite, mit plötzlichen Tempo- und Richtungswechseln glänzte der gebürtige Minsker.

Anders als gegen Samsonow traf Boll indes noch nie auf den Kroaten Tomislav Pucar, dem er am Mittwoch (11.00 Uhr MESZ) in der Vorschlussrunde gegenüber steht. "Er spielt sehr unorthodox", sagte Boll. Erst kurz vor der Partie will er den Gegner noch einmal auf Videos studieren. "Dann vergesse ich es wenigstens nicht, bis es losgeht." Das Finale findet ebenfalls am Mittwoch statt (18.00 Uhr).

Bei der 2:4-Niederlage der Judoka punkteten nur Johannes Frey gegen Stephan Hegyi (über 90 kg) und Alexander Wieczerzak gegen Marko Bubanja (bis 90 kg) für das deutsche Team. Das Turnier in der weißrussischen Hauptstadt war auch als EM ausgeschrieben. "Komplett die ganze Woche war nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten", sagte der Wiesbadener Wieczerzak. Das Team des Deutschen Judo-Bundes kam durch Pauline Starke in der Klasse bis 57 Kilogramm nur zu einer Bronzemedaille.

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