Familie vor Job

Skisprung-Trainer Schuster hört zum Saisonende auf

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Werner Schuster, Bundestrainer der deutschen Skispringer, gibt seinen Abschied bekanant. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Elf Jahre coachte Werner Schuster die deutschen Skispringer. Nach dieser Saison ist nun Schluss. Der 49-Jährige will mehr Zeit für seine Familie haben. Beim Skiverband beginnt die Nachfolger-Suche.

Oberstdorf (dpa) - Werner Schuster wirkte aufgeräumt, gelöst und gleichzeitig ein wenig wehmütig als er seine lang erwartete Entscheidung verkündete. Der 49-Jährige wird seinen bis Ende April laufenden Vertrag nicht verlängern und hört nach dieser Saison als Skisprung-Bundestrainer auf.

"Es ist ein guter Zeitpunkt, eine intakte Mannschaft zu übergeben", sagte Schuster in Oberstdorf. Er will vor allem eines: mehr Zeit für seine Familie. Elf Jahre betreute der Österreicher die DSV-Adler - auch auf Kosten seines Privatlebens. Schon vor der Vierschanzentournee hatte der zweifache Vater erklärt, sein zwölfjähriger Sohn würde ihn im Winter nur aus dem Fernsehen kennen. Ohne seine "starke Frau" und zusätzliche familiäre Hilfe wäre das nicht machbar gewesen, sagte der emotionale Schuster vor herrlichem Alpenpanorama nun. "Wir haben diese elf Jahre geschafft, und dieser Aufwand war enorm. Da kann ich nur Danke sagen."

Danke sagten auch seine Springer, die eine Dreiviertelstunde vor der Öffentlichkeit von Schusters Entschluss erfuhren. "Er hat mit einem extremen Willen und mit einer extremen Vision die Fäden in der Hand gehabt", sagte Andreas Wellinger anerkennend. Er wurde unter Schuster im vergangenen Jahr Olympiasieger. Insgesamt feierte der Trainer fünf olympische Medaillen mit seinen Athleten.

Auch der aktuell stärkste deutsche Springer, Stephan Leyhe, profitierte vom Tüftler und Skisprung-Fanatiker. "Ich kann nur Danke sagen für die Zeit", sagte er, schaute aber bereits nach vorne: "Die Saison geht noch weiter und wir werden bis zum Schluss Vollgas geben. Da spreche ich auch für die anderen Springer."

Schuster versuchte ebenfalls, den Blick schnell wieder auf die anstehenden sportlichen Herausforderungen zu richten. Immerhin steht nach dem Heim-Weltcup in der tief verschneiten bayerischen Wintersport-Hochburg unter anderem noch ein weiteres Heimspiel und ab dem 20. Februar die WM in Seefeld an. "Ich werde mein Wissen bis zum letzten Arbeitstag hundertprozentig zur Verfügung stellen", sagte er. Seine Hoffnung: Nach der Klärung der immer wieder aufkommenden Trainer-Frage sollen sich seine Athleten jetzt uneingeschränkt auf das Sportliche konzentrieren können.

Auf den Sportlichen Leiter beim Deutschen Skiverband (DSV), Horst Hüttel, kommt derweil viel Arbeit zu. Er muss einen Coach für die Nach-Schuster-Ära finden. Eine Entscheidung für einen Nachfolger sei in nächster Zeit noch nicht zu erwarten, sagte Hüttel, der gleichwohl ankündigte, schon "einige Dinge im Kopf" zu haben.

Auch mit Schuster ist Hüttel weiter im Gespräch. So ganz loslassen kann der Trainer nämlich womöglich nicht. "Ich bin noch nicht pensionsreif", stellte Schuster lächelnd fest. Er könnte dem DSV in anderer Funktion - zum Beispiel im Nachwuchsbereich - erhalten bleiben. "Diese Idee hätte für mich einen unglaublichen Charme", sagte Hüttel.

Schuster kann sich aber auch vorstellen, zum Skigymnasium im österreichischen Stams zurückzukehren. Oder er entscheidet sich für eine dritte Option: "Ich bin seit 21 Jahren Berufstrainer. Ein kleines Sabbatical würde mir vielleicht auch ganz gut tun."

Sein aktueller Musterschüler Leyhe hätte sicher nichts dagegen, wenn sich Schuster auch in Zukunft an den Schanzen dieser Welt zeigt. "Man sieht sich immer zweimal im Leben", sagte er grinsend.

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