Energieleistung

Lendl weg, Spiel gewonnen: Zverev im Halbfinale in Hamburg

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Der Weltranglisten-Fünfte Alexander Zverev hat beim Turnier in Hamburg das Halbfinale erreicht. Foto: Daniel Bockwoldt

Vor dem Viertelfinale in seiner Heimat Hamburg erfährt Deutschlands Tennisstar Alexander Zverev, dass Trainer Ivan Lendl die Zusammenarbeit mit ihm aufkündigt. Er lässt sich davon nicht irritieren und steht im Halbfinale. Doch er muss kämpfen.

Hamburg (dpa) - Erst den Trainer verloren, dann das Spiel gewonnen: Einige Stunden nachdem Ivan Lendl im fernen Amerika seine Kündigung als sein Teilzeit-Coach verkündet hatte, zeigte Alexander Zverev beim Tennis-Heimspiel in Hamburg eine seiner besten kämpferischen Leistungen seit langem.

Immer wieder angefeuert vom Publikum schaffte der 22-Jährige im Viertelfinale gegen den Serben Filip Krajinovic nach einem deutlichen Rückstand noch die Wende und zog mit einem 2:6, 7:5, 6:2-Erfolg zum zweiten Mal nach 2014 in seiner Heimatstadt ins Semifinale ein.

Im Halbfinale trifft der an Nummer zwei gesetzte ATP-Final-Champion Zverev nun auf den Vorjahressieger Nikolos Bassilaschwili. Der Georgier siegte 6:2, 6:3 gegen den Franzosen Jérémy Chardy. Das andere Halbfinale bestreiten der Russe Andrej Rubljow, der den an Nummer eins gesetzten Österreicher Dominic Thiem bezwang, und der Spanier Pablo Carreno Busta, der den Italiener Fabio Fognini schlug.

"Es wird nicht einfach. Aber ich werde alles auf dem Platz geben, um auch ins Finale zu kommen", sagte Zverev vor dem Duell mit Bassilaschwili. Die Nachricht von Lendls Abschied habe ihn nicht beeinflusst, sagte Zverev frisch geduscht nach dem Match.

"Ich habe mich auf das Match konzentriert", sagte der Weltranglisten-Fünfte. Er sei etwas überrascht gewesen, "dass ich das über die Presse erfahren habe". Verabredet sei gewesen, mit der Nachricht bis nach dem Turnier zu warten. "Das hat er nicht. Das ist auch seine Entscheidung. Das ist okay", gab er sich gelassen. "Ich habe nichts außer Respekt für ihn."

Sie hätten zehn Monate gut gearbeitet und das ATP-Finale in London gewonnen. Überraschend kam die Entscheidung des einstigen Weltklassespielers nicht, nachdem Zverev öffentlich ungewohnt deutlich den 59-Jährigen kritisiert hatte ("Seine Hauptthemen sind gerade Golf und sein kleiner Hund.").

"Ich möchte wieder zurück zu meinem Alten zurückkehren, das, was ich kenne, das, was ich nahe habe. Und das ist, meine Familie um mich herum zu haben", sagte Zverev. "Das hat er vielleicht gemerkt." So wird Zverev weiter auf seinem Vater Alexander Zverev Senior bauen, der ihn auch in Hamburg betreute. "Ich habe den besten Trainer", meinte Zverev junior.

Dass es auch ohne Lendl geht, zeigt er derzeit in Hamburg, auch wenn es gegen Krajinovic schlecht begann. Zverev lag bereits mit 2:5 im zweiten Satz zurück, kämpfte sich aber wieder heran. Er ließ sich auch nicht von einem Notfall auf der Tribüne Ende des zweiten Durchgangs irritieren. Eine Dame war in der Hitze zusammengebrochen und musste ärztlich versorgt werden. Der Lokalheld gewann den Satz und verwandelte im entscheidenden Abschnitt nach 2:21 Stunden den ersten Matchball.

Noch auf dem Platz machte er wieder eine Liebeserklärung an seine Fans, die ihn getragen haben. "Das war ein Riesenhighlight, weil ich vor Euch gespielt habe. Ohne Euch hätte ich es nicht geschafft", sagte Zverev. "Ihr habt mich durch das Match gepusht."

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