Vor Basketball-WM

"Spielertrainer" Rödl vor erster Weltmeisterschaft als Coach

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Henrik Rödl will seine Mannschaft nicht mit einer konkreten Zielvorgabe in die WM schicken. Foto: Harald Tittel

Als Spieler wurde Henrik Rödl Europameister und holte WM-Bronze an der Seite von Dirk Nowitzki. Bei der Basketball-WM in China führt der 50-Jährige ein hoch talentiertes Team in sein erstes Turnier als Chefcoach. Zu früheren Generationen sieht er Unterschiede.

Shenzhen (dpa) - Mit Anekdoten aus seiner eigenen aktiven Karriere hält sich Henrik Rödl lieber zurück. Er wolle der aktuellen Generation nicht "als Tattergreis komische Geschichten" von früher erzählen, beschrieb der 50-Jährige einmal augenzwinkernd sein Selbstverständnis als Bundestrainer.

Bei der WM in China darf der erfolgreichste Nationalspieler der deutschen Basketball-Historie nun darauf hoffen, Dennis Schröder & Co. ab Sonntag zu einem eigenen Erfolgskapitel zu führen.

"Ich spüre schon, dass das eine ganz besondere Aufgabe ist", sagte Rödl der Deutschen Presse-Agentur vor seiner ersten Großveranstaltung als Chefcoach des A-Teams. "Dass ich mit diesen Jungs arbeiten kann, die motiviert sind und mit dieser Einstellung in das Turnier reingehen, ist etwas ganz Spezielles."

1993 gehörte der langjährige Profi von ALBA Berlin zum Team der bislang einzigen deutschen Europameister, holte neun Jahre später WM-Bronze an der Seite von Superstar Dirk Nowitzki. Kein anderer Spieler war bei beiden Medaillengewinnen dabei. Nach drei Jahren als Assistent bei der DBB-Auswahl steht Rödl nun seit 2017 in der Hauptverantwortung - und seiner bislang größten Herausforderung als Nationaltrainer. "Ich weiß, dass diese Mannschaft ein sehr, sehr gutes Turnier spielen wird, wenn sie an ihr Potenzial rankommt, sich gut vorbereitet und gesund ist", formulierte er die Erwartungen, lässt aber eine konkrete Zielsetzung offen.

Für die erste WM-Teilnahme der Auswahl des Deutschen Basketball Bundes seit 2010 stehen Rödl dabei so viele NBA-Profis wie noch nie zur Verfügung. Neben Anführer Dennis Schröder gehören auch Maximilian Kleber, Daniel Theis und Isaac Bonga zum vorläufigen Aufgebot aus 13 Mann, das am Montag im Vorrundenort Shenzhen erwartet wurde. "Die Tiefe über den Kader hinaus ist heute deutlich anders", beschreibt Rödl die Qualität im Vergleich zu früheren Generationen und sieht noch weitere Unterschiede. "1993 war die Mannschaft so erfahren und so gestählt, dass man da erst mal rankommen muss."

Der Kern seines aktuellen, jungen Teams spielt in verschiedenen Formationen zumindest bereits seit wenigen Jahren zusammen - und kennt dadurch auch die Qualitäten seines Coaches. "Er ist ein Spielertrainer", charakterisiert Kleber die Nähe zum Team. "Er findet einen guten Mittelweg, um uns anzuschnauzen, versteht dabei aber auch, was Spieler brauchen, wie Spieler denken."

Im Training kommt auch Rödl noch selbst ins Schwitzen, imitiert auch mal den Verteidiger bei Übungen mit den großen Spielern. "Er war einer der besten Spieler seiner Ära. Er weiß, was wichtig ist, um erfolgreich zu sein", sagte Center Johannes Voigtmann. "Er weiß, wie wir uns fühlen, dass der Sommer nach einer langen Saison auch zäh sein kann. Er versteht es, Spaß reinzubringen, der nötig ist."

Mit dieser Freude sollte die Vorrunde gegen Medaillenkandidat Frankreich sowie die Außenseiter Dominikanische Republik und Jordanien zur Pflichtaufgabe werden. Die besten zwei Teams kommen in die Zwischenrunde, wo es zu möglichen Duellen gegen Australien, Litauen oder Kanada kommen könnte.

Bei der WM geht es auch um die Qualifikation für Olympia 2020, die beiden besten europäischen Teams schaffen den direkten Sprung zu den Sommerspielen nach Tokio. "Das ist für alle das ganz große sportliche Ziel, jeder möchte dahin", sagte Rödl, der einen Vertrag bis nach der Heim-EM 2021 besitzt. "Das spielt aber im Moment eher eine Nebenrolle und steht nicht im Vordergrund." Wenn die Olympia-Qualifikation perfekt sein sollte, könnte er zumindest theoretisch auch darüber Anekdoten erzählen: 1992 stand Rödl gegen das legendäre amerikanische Dream Team um Michael Jordan auf dem Parkett.

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