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Trauriger Rekord in Deutschland: „Sommer 2022 wird in die Geschichte eingehen“

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Von: Franziska Vystrcil

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Hitze und Trockenheit setzen Deutschland zunehmend zu. Ein (Negativ-)Rekord nach dem anderen fällt. Die ersten Auswirkungen sind bereits in der Natur zu sehen.

Nach einem bereits warmen und trockenen Start in den Frühling zeigt sich auch der bisherige Sommer von seiner hitzigen Seite. So wird er uns auch lange in Erinnerung bleiben, denn der Sommer 2022 hat bereits einige Rekorde gebrochen. Und weitere Rekorde rücken beim Wetter in Deutschland näher.

Jedoch sind es keinesfalls schöne „Leistungen“, die dabei erreicht werden. Die Wasserpegel einiger Flüsse, wie etwa dem Rhein, sinken bereits bedrohlich, auf einigen Gewässern wurde bereits die Schiffsfahrt eingestellt. „Der Sommer 2022 wird als extremer Dürresommer in die Geschichte eingehen“, sagt auch Corinna Borau, Diplom-Meteorologin bei wetter.com, wie BW24 berichtet.

Deutschland trocknet aus: Es fehlt im ganzen Land an Regen

Über Regenwetter und zu niedrige Temperaturen können wir uns diesen Sommer wahrlich nicht beschweren. „Dieser Sommer brachte uns Sonnenstunden ohne Ende, dazu auch noch große Hitze“, sagt Corinna Borau. Durch den fehlenden Regen herrschen derzeit extreme Zustände, nicht nur in Deutschland.

Beliebte Urlaubsländer wie Portugal, Spanien und Italien trocknen zunehmend aus. Bei uns in Deutschland liegt der Sommer 2022 schon jetzt unter den Top 5 der heißesten Sommer. Aktuell liegt der diesjährige Sommer bei einer gemittelten Temperatur von 18,9 Grad und belegt somit Platz vier. Bisher ist 2003 der unangefochtene Sieger mit einer Durchschnittstemperatur von 19,7 Grad.

Die bisher heißesten Sommer laut wetter.com (gemessen anhand der gemittelten Temperatur):

In dieser traurigen Statistik ist der Sommer 2022 einsame ‚Spitze‘

Den ersten Platz belegt der Sommer 2022 allerdings in Sachen Niederschlag – einen „traurigen ersten Platz“, wie Corinna Borau es ausdrückt. „Aktuell ist dieser Sommer der niederschlagsärmste seit Messbeginn“, so die Meteorologin. Gerade einmal 103 Liter Regen pro Quadratmeter liegt 2022 ganz vorne. Sogar noch vor dem Dürresommer 2018, in dem nur 131 Liter Regen pro Quadratmeter fielen. „Aber bis Monatsende können da vielleicht noch ein paar Liter dazukommen“, stellt die Meteorologin in Aussicht. Wirft man einen Blick auf die August-Prognosen, sieht es allerdings düster aus.

Topliste der trockensten Sommer laut wetter.com (Niederschlag auf ganz Deutschland gemittelt):

Ein Rekord ist bereits gebrochen: Sommer 2022 ist der sonnenscheinreichste seit Messbeginn

Einen Rekord hat der Sommer 2022 bereits geknackt: „Mit über 600 Stunden Sonne ist das schon der sonnenscheinreichste Sommer seit Messbeginn“, erklärt Corinna Borau. Und bis zum Ende des Sommers werden zu den 623 Sonnenstunden noch einige dazukommen. Eine beachtliche Zahl. Zum Vergleich: Der Sommer 2006 ist mit 593 Sonnenstunden auf Platz zwei, gefolgt vom Jahr 1935 mit 535 Stunden und 2019 mit 537 Stunden.

Die vielen Sonnenstunden verschlimmern die Dürre nur noch mehr. Das zeigt auch der aktuelle Dürremonitor. „Es herrscht in weiten Teilen Deutschlands eine extreme Trockenheit und eine Entspannung ist da auch erst einmal nicht in Sicht.“ Der trockensten Orte Deutschlands sind derzeit in Rheinland-Pfalz, der Norden von Bayern und Thüringen (Stand 8. August 2022). Den traurigen ersten Platz belegt Bad Kissingen (Bayern). Seit dem 1. Juni fielen dort lediglich 22,2 Liter pro Quadratmeter. „Das entspricht zwei vollen Gießkannen im gesamten Sommer“, zieht Corinna Borau einen Vergleich.

Meteorologin Corinna Borau vor einer Niederschlagskarte von Deutschland
Seit dem 1. Juni ist in Deutschland deutlich zu wenig Regen gefallen, wie Meteorologin Corinna Borau erklärt. © BW24 Screenshot/wetter.com

Am meisten hat es diesen Sommer bislang an den Küsten im Norden und im äußersten Süden geregnet. Beosnders viel Regen gab es laut der Meteorologin in den Alpen und in Richtung Bayrischer Wald. Dort fielen lokal bis zu 300 Liter Regen pro Quadratmeter. „Doch auch das ist nicht wirklich extrem“, sagt Corinna Borau. Im Süden Deutschlands fielen meist um die 150 Liter Regen pro Quadratmeter. „Das entspricht gerade einmal einer vollen Badewanne“, betont die Wetterexperten. „Und das eben seit 1. Juni und zeigt: Die Trockenheit ist überall ein Thema.“

Die extremen Folgen der Dürre sind bereits sichtbar: Flüsse und Seen trocknen aus

Müssen wir bei solch einer extremen Trockenheit eine Wasserknappheit fürchten? Experten sagen, dass der Grundwasserspiegel noch sicher sei. Aber wie Corinna Borau verrät, wurde dieser zuletzt 2016 gemessen. Heißt: Die extremen Dürrejahre 2018 und 2019 und auch dieser Sommer wurden dabei noch nicht beachtet. „Da werden die neuesten Ergebnisse mit Spannung erwartet.“ Ob sich der Grundwasserspiegel - falls nötig - im Herbst und Winter wieder von der Dürre erholen kann? Der Start in den Herbst 2022 könnte ungewöhnlich werden, so zumindest die Prognosen.

Die Auswirkungen der vielen Hitzewellen sind dennoch bereits an jeder Ecke des Landes zu sehen. Neben immer wieder aufflammenden Waldbränden sind es vor allem die Gewässer, die unter der Trockenheit leiden. Es herrschen Zustände wie in Südwesteuropa: Die Flüsse laufen leer. Das beeinträchtigt die Schiffsfahrt. Viele Fähren, etwa auf dem Rhein, können nicht mehr ablegen, da die Pegelstände zu niedrig sind.

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