Schwarzwald-Attraktion

Magisch! Der Gengenbacher Adventskalender

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Bürgermeister Thorsten Erny schaut im Rathaus in Gengenbach (Baden-Württemberg) aus dem Fenster.

Im Dezember sitzen in Gengenbach (Schwarzwald) der Bürgermeister und seine Mitarbeiter oft im Dunkeln, damit ihre Stadt mit dem historischen Rathaus richtig leuchten kann.

Der historische Bau im Schwarzwald wird jedes Jahr vor Weihnachten zum Anziehungspunkt. Bunt beleuchtet und kunstvoll verziert verwandelt sich im Dezember das Rathaus in Gengenbach in das „weltgrößte Adventskalenderhaus“. Jeden Abend vor dem Fest öffnet sich ein Fenster. Das weltweit einmalige Ritual zum Advent ist zur Touristenattraktion geworden - die hinter den Fenstern ihre Schatten wirft. Damit ihre Stadt glänzen kann, sitzen der Bürgermeister und seine Mitarbeiter im Dunkeln.

24 fantastische Motive

„Der Dezember ist in Gengenbach immer ein ganz besonderer Monat.“ Bürgermeister Thorsten Erny (CDU) sitzt an seinem Schreibtisch im Chefzimmer des denkmalgeschützten Rathauses. Der Blick nach außen ist ihm verwehrt, denn das Fenster seines Büros ist verdeckt. In der Fensteröffnung ist ein großes Bild mit zwei Bären aus einem Kinderbuch installiert. Es ist eines der Symbole des diesjährigen Adventskalenders. Die Kalendertüren bestehen aus den 24 Fenstern des historischen Rathauses. Die Fassade des 1780 erbauten, vierstöckigen Gebäudes bildet damit den überdimensionalen Adventskalender.

Nur Arbeiten bei Kerzenschein

Damit kein helles Licht nach außen dringt, müssen Erny und alle anderen im Rathaus abends bei Kerzenschein arbeiten. Elektrisches Licht in den Büros würde das bunte Bild des Kalenders stören. „Wir sind wohl die einzige Stadt in Deutschland, die ihren Mitarbeitern im Rathaus Kerzen zur Verfügung stellt, damit sie abends arbeiten können“, sagt Erny. Murren über das magere Licht gebe es aber nicht.

Den Adventskalender in der 10.600 Einwohner zählenden Kleinstadt am Oberrhein gibt es seit 1996. Bürger hatten die Idee und setzen sie seither um. „Ziel ist, die Stadt im Dezember zu beleben und ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen“, sagt Lothar Kimmig, Tourismuschef in Gengenbach und einer der Organisatoren. Der Weltrekord, den der Ort erzielte und der offiziell bestätigt wurde, stehe nicht im Vordergrund. „Größe ist nicht der entscheidende Faktor. Uns ist wichtig, authentisch zu sein. Wir machen Kultur statt Kommerz.“

Dazu passt, dass alles ehrenamtlich und an historischem Ort läuft. Beim Adventsmarkt vor dem Rathaus kommen nur örtliche Vereine und Händler zum Zug, angeboten wird regionale Ware. Die geschichtsträchtige Altstadt von Gengenbach mit ihren Fachwerkhäusern bietet dafür die passende und bei Touristen beliebte Kulisse.

In den vergangenen Jahren hat sich das vorweihnachtliche Ritual herumgesprochen. Jedes Jahr kommen nach Angaben der Veranstalter vom ersten Advent bis Heiligabend deutlich mehr als 100.000 Menschen in die Stadt. Reisebusse fahren beispielsweise aus Italien und Frankreich an, Gruppen kommen aus Asien und den USA. Die Zahl der Touristen und Übernachtungen, sagt Kimmig, hat sich seit dem Start des Kalenders vor 18 Jahren mehr als verdoppelt - Tendenz steigend.

Die Motive der Fenster wechseln alle drei Jahre. In diesem und im kommenden Jahr erstrahlen Kinderbuchfiguren wie das Sams, Grüffelo, Harry Potter, Karlchen oder Pippi Langstrumpf. Regie führt der Kinderbuchautor Paul Maar. In den Jahren zuvor waren unter anderem Bilder von Marc Chagall (1887-1985) und Tomi Ungerer zu sehen.

Rund um die tägliche Fensteröffnung gibt es ein künstlerisches Rahmenprogramm, das von Kindern und Jugendlichen des Ortes gestaltet wird. Der Eintritt ist frei. Hinzu kommen Aktionen und Ausstellungen zum Thema. In diesem Jahr zum Beispiel stellen Künstler ihre Entwürfe aus, wie der Weihnachtsmann der Zukunft aussehen kann.

„Einen besseren Ort kann es nicht geben, denn bei uns steht die Wiege des Weihnachtsbaums“, sagt der künstlerische Leiter Reinhard End. Erstmals urkundlich erwähnt wurde ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum im Jahre 1521 im Elsass, nur wenige Kilometer von Gengenbach entfernt. Er blieb der vornehmen Gesellschaft vorbehalten. 55 Jahre später holte der Gengenbacher Gemeindeförster einen Nadelbaum aus dem Wald und stellte ihn auf dem Platz vor dem Rathaus auf. Es war der erste öffentliche Christbaum. Und einer der wenigen Bäume damals, die dem ganzen Volk dienten.

Von Jürgen Ruf, dpa

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