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Polizisten-Morde in Kusel: Unerwartete Wende – Verdächtiger aus Haft entlassen

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Von: Daniel Hagen

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Kusel - Über einen Monat nach den Polizisten-Morden werden neue Details über einen der mutmaßlichen Täter bekannt. Sein Komplize ist unterdessen nicht mehr wegen Mord angeklagt.

Update vom 1. März, 13 Uhr: Im Falle der beiden Polizisten-Morde von Kusel gibt es wohl eine spektakuläre Wendung. Wie die Bild berichtet, gilt Florian V. – einer der beiden Beschuldigten – nicht mehr als mordverdächtig. Die Polizei gehe davon aus, dass nur Andreas S. geschossen habe. Aus dem Gefängnis kommt der mutmaßliche Wilderer aber nicht. Es wird ein neuer Haftbefehl wegen Wilderei und versuchter Strafvereitelung erlassen.

Mehrere Zeugen hätten den Ermittlern bestätigt, dass Florian V. nicht schießen könne. Des Weiteren sieht es so aus, dass der Hauptbeschuldigte Andreas S. einen möglichen Mord bereits in der Vergangenheit angekündigt haben könnte. So hätte er sich „freischießen“ wollen, wenn er einmal beim Wildern erwischt werde.

Polizisten-Morde in Kusel: Trotz Verbots – Mutmaßlicher Täter hortete Waffen und Munition

Erstmeldung: Vor knapp vier Wochen – am 31. Januar – werden Polizeikommissar Alexander K. und Polizeianwärterin Yasmin B. bei einer Verkehrskontrolle nahe Kusel erschossen. Die Mörder der beiden Polizisten sollen zwei Männer sein, die von den Beamten beim Wildern erwischt wurden. Die schreckliche Tat ruft im ganzen Land eine Welle der Wut und des Mitgefühls hervor. Bei der Beerdigung des 29-Jährigen und der Beisetzung der 24-Jährigen kommen hunderte Menschen in deren saarländische Heimatstädte. Unterdessen ermittelt die Polizei weiter und stellt das Leben der beiden Beschuldigten auf den Kopf. Am Freitag (25. Februar) teilt der Landkreistag in Saarbrücken der Öffentlichkeit neue Details mit.

BundeslandRheinland-Pfalz
LandeshauptstadtMainz
Einwohnerzahl4.098.391 (31. Dezember 2020)
Fläche19.858 km²
MinisterpräsidentinMarie-Luise „Malu“ Dreyer (SPD)

Kusel: Landkreistag nennt neue Details zu den Polizisten-Morden

In der Stellungnahme des Landkreistags geht es vor allem um den Waffenbesitz eines 38-jährigen Beschuldigten. Dieser sei im Zeitraum von 1999 bis 2022 insgesamt fünfmal umgezogen, sodass drei untere Jagd- und Waffenbehörden zuständig gewesen seien. Allein 2019 seien die Einträge im Bundeszentralregister sowie im Staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister dreimal abgefragt worden. Zudem habe die Waffenbehörde mehrmals von der Staatsanwaltschaft Akten zu laufenden Verfahren angefordert und Informationen über polizeiliche Ermittlungen eingeholt. Im selben Jahr wird gegen den 38-Jährigen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren von der Waffenbehörde eingeleitet, da er eine Waffenabgabe zu spät meldet.

Eine Polizeiabsperrung
In Kusel wurde der Tatort weiträumig abgesperrt. Am Montag war noch unklar, wieso die Beamten getötet wurden. © Sebastian Gollnow / dpa

Ab April 2020 darf der Beschuldigte außerdem weder Waffen besitzen, noch kaufen oder leihen. Einen Monat zuvor habe der 38-Jährige noch zwei Waffenbesitzkarten legal besessen, in die vier Schalldämpfer eingetragen waren. Einen Jagdschein habe der Mann nur bis März 2020 gehabt. Die Chance, illegale Waffen bei ihm zu finden, ist aber nicht besonders hoch gewesen. So seien die Waffenbehörden nicht befugt, gegen den Willen einer Person dessen Wohnung zu betreten. Auch bei einer angemeldeten Prüfung von Waffenschränken sei es laut dem Landkreistag in Saarbrücken „unrealistisch“, auf illegale Waffen zu stoßen.

Polizisten-Morde in Kusel: Trotz Verbot – Mutmaßlicher Täter hat Waffen gehortet

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler wohnt der 38-Jährige in einem Haus in Spiesen-Elversberg, einer Gemeinde im Saarland – jedoch nicht alleine. In dem Gebäude findet die Polizei nach der Tat fünf Kurzwaffen, ein Repetiergewehr, zehn weitere Langwaffen, eine Armbrust sowie einen Schalldämpfer und Munition. Einen ähnlichen Fund hat die Polizei auch bei einem selbst ernannten „Druiden“ gemacht, der mittlerweile verurteilt worden ist. Das wird wohl auch den beiden Verdächtigen der Polizisten-Morde bevorstehen. Der 38-Jährige und sein 32-jähriger mutmaßlicher Komplize befinden sich derzeit wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord in Untersuchungshaft. (dpa/dh)

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