Nach Urteil des Verwaltungsgerichtshofes in Mannheim 

Sexsteuer für Tantra-Massagen – jetzt geht's in die nächste Instanz!

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Wehrte sich vor Gericht: Monika Kochs.

Tantra gilt als Kunst, bewusst zu leben und zu lieben, als spiritueller Weg der Erfahrung, ohne Dogmen und Glaubensbekenntnisse. Doch die zärtlichen Berührungen kommen sexuellem Vergnügen gleich, befindet der Verwaltungsgerichtshof Mannheim, und ist damit steuerpflichtig.

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim wies die Revisionsklage einer Besitzerin eines Massagesalons gegen die Stadt Stuttgart ab, wie das Gericht mitteilte. Nach Auffassung der Richter bietet die Klägerin in ihrem Betrieb gezielt die "Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen". Entscheidend sei, dass die Kunden gegen Geld eine Massage inklusive Intimbereich buchen könnten. 

Die Klägerin Monika Kochs macht jedoch geltend, dass die Ganzkörpermassagen nach striktem Tantra-Ritual ablaufen. Sie seien nicht in erster Linie auf das sexuelle Vergnügen, sondern auf ganzheitliches Wohlbefinden ausgerichtet. 

Und das ist der Knackpunkt in dem Streit: Denn in Stuttgart muss laut Satzung für "das gezielte Einräumen der Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen in Bordellen, Laufhäusern, Bars, Sauna-, FKK- und Swingerclubs und ähnlichen Einrichtungen" Steuer gezahlt werden.

Viele deutsche Städte erheben diese sogenannte Sexsteuer, aber nicht alle. In Hamburg und Berlin etwa gibt es keine. Köln gehörte vor rund zehn Jahren zu den Vorreitern dieser Steuer. In Baden-Württemberg erhebt neben der Landeshauptstadt beispielsweise Freiburg die Abgabe. Berechnet wird sie nach Quadratmeterzahl des Etablissements oder der Wohnung.

Kochs will weiter kämpfen

Kochs will sich mit dem Urteil nicht zufriedengeben. Weil der VGH eine erneute Revision nicht zuließ, erwägt sie nun, sich dagegen beim Bundesverwaltungsgericht zu beschweren. "Das Gericht hat die wahre Behandlungsform unserer Tantra-Massagen nicht erkannt", sagte sie nach dem Urteil. "Das ist wie wenn man über Schokolade spricht und das noch nie gegessen hat."

"Wir wollen den Menschen erklären, was Tantra ist", sagte Kochs. "Wenn es um Intimität geht, sind die Menschen überwiegend verhalten. Sie sehen nicht die heilende Wirkung", meinte Kochs weiter. "Die Gesellschaft ist noch nicht so weit." Bei Tantra-Massagen entkleiden sich Kunde und Masseurin und sind dann beide nackt. Der Intimbereich wird bei der Ganzkörperbehandlung mit eingeschlossen.

Verband unterstützt die Masseurin

Der Tantra-Massage-Verband stellt sich geschlossen hinter Kochs. "Wir leisten eine Arbeit für die Gesundheit", sagte Martina Weiser von dem Verband. Die Vorsitzende Michaela Riedl hatte bereits nach dem ersten Verhandlungstermin gesagt: "Unser Verband hat kein Problem mit der Prostitution, wenn sie selbstbestimmt und nicht ausbeuterisch ausgeübt wird. Aber dennoch ist es wichtig, eine klare Linie zu ziehen und öffentlich zu erklären, wie unsere Arbeit aussieht und welchen kulturellen Beitrag die Tantra-Massage leistet."

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dpa/kb

Quelle: Mannheim24

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