Städtische "Spielregeln" wirklich gerecht?

Straßenkünstler haben es nicht leicht!

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Viele Straßenkünstler sind für kleine Almosen dankbar.

Wer kennt diese Situation nicht? Der Gang wird langsamer, die Ohren aufmerksam und die Augen wandern zu einem Straßenkünstler, der gerade etwas malt oder seine tolle Stimme preis gibt.

Die meisten Leute ignorieren sie einfach – obwohl sie sich redlich bemühen und mitunter qualitativ Hochwertiges abliefern. Die Rede ist von den vielen Musikern und Künstlern in unseren Fußgängerzonen...

Doch viele Passanten bleiben auch stehen oder setzen sich auf eine Parkbank, sind dankbar für die kurze Abwechslung während der Shopping-Tour durch die überfüllte City. Nicht selten wird diese Dankbarkeit von den Zuhörern und Zuschauern auch mit etwas Kleingeld honoriert.

Doch nicht alles, was so harmonisch klingt, ist es auch wirklich. Denn für viele Anwohner – darunter auch Nachtschichtarbeiter – bedeutet die ständige Geräuschkulisse die reinste Lärmbelästigung.

Um beiden "Parteien" gerecht zu werden, hat die Stadt Heidelberg einige "Spielregeln" für die Straßenmusik festgelegt:

- keine elektro-akustischen Geräte wie Verstärker und Lautsprecher
- Blechinstrumente oder jede Art von Schlaginstrumenten sind grundsätzlich untersagt
- jeder Künstler darf nur eine Stunde an der selben Stelle tätig sein

Zudem darf auch nur an bestimmten Plätzen und Uhrzeiten gespielt werden:

- Hauptstraße/Ecke St.-Anna-Gasse von 15 bis 17 Uhr 
- Hauptstraße beim Anatomiegarten im Bereich der Parkbänke von 15 bis 16 Uhr
- Hauptstraße/Ecke Theaterstraße von 16 bis 18 Uhr
- Bismarckplatz von 10 bis 21 Uhr

Doch genau diese Regeln und Platzzuweisungen machen es dem ein oder anderen Straßenmusiker oft nicht leicht. Gerade in der Sommerferien-Zeit hat sich die Stadt Heidelberg für einen Baustellen-Marathon gerüstet. Vor allem rund um Bismarckplatz und Innenstadt wird fleißig gehämmert, gebohrt und aufgebuddelt.

Bei einem Wettkampf "Gitarre" gegen "Presslufthammer" verliert eindeutig die Gitarre das Duell. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Musiker und Künstler auf "verbotenen" Plätzen ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Florian B. (29) spielt ein außergewöhnliches, aber auch beruhigendes Instrument – eine Pantam.

Florian B. (29) – ein Musiker der zu Besuch in Heidelberg ist und ein ganz besonders harmonisches Instrument spielt, verrät HEIDELBERG24, wie schwer die Lage wirklich ist: "Grundsätzlich ist es schon sehr schwer einen wirklich guten Platz in Heidelberg zu finden, gerade der erlaubte Bismarckplatz ist überfüllt. Und der Baustellenlärm drumherum, macht die Situation noch schwieriger". Zudem betont er: "So wie die jetzigen Spielregeln der Stadt sind, ist es besonders schwierig, legal zu spielen."

Bei der Straßenkunst werden nochmals gesonderte Abstriche gemacht. Bildende Künstler wie Maler, Porträtzeichner und Bildhauer – die auf eine bestimmte Straße, ein stehendes Gebäude und das dortige Publikum angewiesen sind – dürfen im gesamten Fußgängerbereich arbeiten und müssen sich an keine Zeitvorgaben halten. 

Junge Musiker in der Mannheimer Fußgängerzone.

Aber nicht nur in Heidelberg gehören Straßenmusiker und Künstler zum Bild der Fußgängerzone. Auch in Mannheim gehen viele Künstler ihrer Leidenschaft auf der Straße nach. 

Doch auch hier müssen natürlich gewisse Spielregeln eingehalten werden. Doch anders als in Heidelberg sind die Regeln noch "schärfer". Wonach ein Musiker nur 30 Minuten auf der selben Stelle spielen darf und danach seinen Standort um mindestens 100 Meter verändern muss. 

Ein Künstler hingegen darf den ganzen Tag ohne Standortwechsel kreativ sein. Warum das so ist, erklärt Dirk Schuhmann von der Pressestelle der Stadt Mannheim: "Von Straßenkünstlern geht in der Regel kein Lärm aus, deswegen dürfen sie den ganzen Tag arbeiten". 

Für die Sänger gilt wie auch in Heidelberg: Es darf nur ohne Verstärkeranlage gespielt werden. In Mannheim gilt jedoch die strenge Regel, dass ein Musiker maximal zwei Stunden am Tag tätig sein darf.

Was sind die genauen Vorraussetzung das man spielen darf?
Grundsätzlich gilt in Mannheim: Es darf jeder spielen, nur nichts verkaufen! Insbesondere CDs und Bilder dürfen nicht angeboten werden. Natürlich darf ein Hut oder ein anderer Behälter für Kleingeld aufgestellt werden. Vorraussetzung ist die Meldung bei der Stadtverwaltung. Danach erhält jeder gegen eine Gebühr von 17 Euro pro Tag eine Sondernutzungserlaubnis der Straßenverkehrsbehörde.
Doch aufgepasst: "Die Zahl der Straßenmusiker in Mannheim ist auf fünf Personen pro Tag beschränkt", so Schuhmann.  

Welche Strafe droht, wenn man an einem "illegalen" Platz spielt?
Auch hier sind die Sanktionen der beiden Städte ein wenig unterschiedlich. Während man in Mannheim mit einer Geldbuße in Höhe von 250 Euro rechnen muss, weil man gegen das Straßengesetz Baden-Württemberg (§ 16 Abs. 1, § 54 Abs. 1) verstößt, ermahnt Heidelberg die "Regelbrecher" zunächst aufzuhören. 

Bei einem Wiederholungsversuch wird ein Platzverweis ausgesprochen. In hartnäckigen Fällen wird laut Christiane Calis von der Pressestelle der Stadt Heidelberg "erspieltes Geld als Sicherheitsleistung für ein Bußgeldverfahren eingezogen oder das Musikinstrument beschlagnahmt". 

Eine Strafe, die für manch einen Musiker sicherlich die wesentlich härtere Bestrafung darstellt, als eine Geldstrafe. 

nis 

Quelle: Mannheim24

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