Lebensaufgabe in Gefahr?

Suche nach Kriegstoten: Hobbyforscher in der Kritik!

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Der Organisator der Ausgrabungsaktion, Uwe Benkel, kniet am 08.08.2015 bei Ottersweier (Baden-Württemberg) vor den ausgegrabenen Überresten des amerikanischen Jagdbombers Thunderbolt P-47.

Speyer – Uwe Benkel hat sich mit dem Aufspüren abgestürzter Weltkriegsflugzeuge einen Namen gemacht. Aber inzwischen kritisieren Archäologen seine Arbeitsweise. Benkel sieht seine Lebensaufgabe in Gefahr. 

Mit abgestürzten Weltkriegsflugzeugen kennt Uwe Benkel sich aus. Rund 140 Wracks hat der Pfälzer nach eigenen Angaben seit Ende der 80er Jahre in Deutschland ausgegraben, dazu Gebeine von 50 Flugzeugführern. Für den Dienst, den er und seine „Arbeitsgruppe Vermisstenforschung" den Toten und ihren Hinterbliebenen erwiesen haben, wurde Benkel mehrfach ausgezeichnet. Er selbst nennt die Suche seine Lebensaufgabe.

Doch nun kritisieren hauptberufliche Archäologen die Arbeitsweise des Krankenkassenangestellten - und damit das Vorgehen vieler Hobby-Forscher, die auf eigene Faust nach Wracks suchen.

Unsachgemäße Ausgrabungen

Der Archäologe Ulrich Himmelmann, seit drei Jahren Leiter der Direktion Landesarchäologie - Außenstelle Speyer, spricht von „unsachgemäßen Ausgrabungen“ und fordert: „Es gibt einfach gewisse Regeln, die am Ende beachtet werden müssen.“ Das sei auch deshalb wichtig, weil „die Problematik mit Vermisstenforschern“ und unprofessionellen Ausgrabungen überall zugenommen habe.

Himmelmann und sein Koblenzer Kollege Michael Schwab waren in einem anderen Zusammenhang auf ein youtube-Video gestoßen, in dem Benkels Truppe 2015 im südpfälzischen Bienwald ein Flugzeug ausgräbt. 

Dabei buddelt ein Bagger ein metertiefes Loch in den Waldboden, bis er auf ein Motorteil stößt und dieses am Rand der Grube in einen Sandhaufen fallen lässt. Ein Mann kratzt mit einem Ast in einer Öffnung herum und erklärt, dass daraus die Munition abgefeuert worden sei. Die Archäologen, die normalerweise Schicht für Schicht freilegen, waren nicht begeistert. „Wir haben gemerkt: das läuft irgendwie ungünstig“, sagt Himmelmann. 

Sicherheitsbedenken und Pietätlosigkeit

Bedenken gibt es wegen der Sicherheit. Solche Flieger hätten möglicherweise noch Sprengkörper an Bord, die seit über 70 Jahren im Boden lägen, sagt Schwab. „Da wird die Bombe nicht besser.“ 

Und es geht um Pietät. Die Suche nach Vermissten und die Übergabe sterblicher Überreste an Angehörige sei ein gutes Ziel, sagt Himmelmann. Dies dürfe aber nicht vermischt werden mit der Suche nach Militaria. „Flugzeugmotoren dienen nicht der Vermisstenforschung.“ Auch handele es sich bei den Überresten um Kulturgüter, die Suche müsse genehmigt werden. Man wolle wissen, wer wo sucht. Und bei Ausgrabungen vorher mitreden. Die Flugzeugwracks hätten zudem - im Unterschied zu „normalen“ archäologischen Funden - die Besonderheit, dass sie noch „ihren“ Staaten gehörten, sagt Himmelmann. 

Mitglieder der „Arbeitsgruppe Vermisstenforschung“ bergen am 15.09.2012 auf einem Acker bei Laumersheim (Rheinland-Pfalz) die sterblichen Überreste von britischen Bomberpiloten.

Inzwischen seien die Amerikaner vorstellig geworden, die eine eigene Abteilung für die Suche nach Kriegstoten haben, die Defense POW/MIA Accounting Agency (dpaa). „Die Amerikaner haben uns gesagt: wir wollen, dass unsere Toten in der Erde bleiben, bis unsere Einheit kommt und die ausgräbt.“ 

Sie wollten genau klären, wer von den Toten in einem Flugzeug wer sei, um die Überreste unter dem richtigen Namen beisetzen zu können. „Das heißt: die haben überhaupt kein Interesse daran, dass jemand mit dem großen Bagger hergeht und Metallteile rausholt.“ Die Amerikaner seien auch die einzigen, die - wenn ein DNA-Test nötig wäre - Vergleichsproben hätten, sagt Schwab. Lt. Col. 

Christopher A. Moeller von der dpaa bestätigt das Interesse der Amerikaner. „Wir bevorzugen, es selbst zu tun“, sagt er über die Ausgrabungen. Nach seinen Angaben ist die dpaa seit vier Jahren wieder mehr in Europa aktiv, nachdem sie vorher lange vor allem in Asien gewesen sei. 

Vermisstenforscher Benkel fühlt sich ungerecht behandelt 

Himmelmann und Schwab sind an der Kooperation mit Laien interessiert - wenn diese suchen, aber nicht wild buddeln. „Wir brauchen diese Menschen“, sagt Schwab. Sie haben 2016 mit Benkel gesprochen, es gab kurz Konsens, dann Streit, inzwischen herrscht Funkstille. Benkel fühlt sich ungerecht behandelt. 

Erste Anträge für eine Suche seien plötzlich abgelehnt worden, „mit fadenscheinigen Begründungen“, sagt er. Die Amerikaner hätten sich über ihn beschwert, habe es geheißen. Er klagt, andere dürften „ohne Ende“ suchen, nur ihm werde das verweigert. Himmelmann sagt, Benkel habe mehrere Nachforschungsgenehmigungen erhalten, nur in einem Fall nicht, weil die Amerikaner kein Interesse gehabt hätten. „Mit allen anderen Vermisstenforschern läuft es genauso.“

„Wir kennen das Land“

Benkel sagt, die Ehrenamtlichen könnten nicht nach den Maßstäben der Amerikaner arbeiten, weil sie nicht deren Ausstattung hätten. Trotzdem seien die Amerikaner nicht so erfolgreich wie seine Gruppe. 

„Wir kennen das Land“, sagt er, „wir haben Kontakt zu Zeitzeugen“. Auch die Archäologen könnten von seinem Knowhow profitieren. Wenn sie sich nun mit Genehmigungen sperrten, sei Raubgrabungen Tür und Tor geöffnet, denn andere hätten das Wissen auch. 

Manche Bedenken der Archäologen teilt er nicht, etwa hinsichtlich der Gefahr durch Waffen und hinsichtlich der Besitzverhältnisse. Er bemängelt auch, dass bisher nie Einwände gekommen seien. Und die Suche im Bienwald sei von einem anderen gemanagt worden. „Warum soll ich das Ganze sterben lassen?“, fragt er. 

Damit würde er die Hinterbliebenen vor den Kopf stoßen. Sie hätten großes Interesse, ihre Toten bestatten zu können und brauchten einen Ort der Trauer. Vor allem um ihretwillen müsse es weitergehen. „Es ist nach wie vor unser Bestreben, mit den Archäologen zusammenzuarbeiten“, sagt Benkel, der „jederzeit“ zu einem Treffen bereit ist. Und Himmelmann? Er stehe dem Einsatz Ehrenamtlicher prinzipiell offen gegenüber, sagt der. 

dpa/kp

Quelle: Mannheim24

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