„Wünschte, ich hätte es nicht getan“

Horror-Tat in Rot am See: Adrian S. löschte seine Familie aus – Urteil gefallen!

Rot am See - Im Januar 2019 hat Sportschütze Adrian S. sechs seiner Verwandten erschossen, zwei schwer verletzt. Jetzt ist das Urteil gefallen:

  • Am 24. Januar erschießt Adrian S. sechs seiner Verwandten in Rot am See – zwei verletzt er schwer.
  • Nach der Horror-Tat in Rot am See stellt sich der Sportschütze der Polizei.
  • Beim Prozess-Start heute im Landgericht Ellwangen stellt er sein Motiv klar: Rache an seiner Mutter.
  • Das Urteil gegen den 27-Jährigen fällt am Freitag (10. Juli).

Am 24. Januar 2020 spielen sich in einem Gasthaus im beschaulichen Rot am See (5.300 Einwohner) schreckliche Szenen ab: Sportschütze Adrian S. stürmt das Gasthaus seines Vaters und gibt mit einer halbautomatischen Waffe 30 Schüsse auf seine Angehörigen ab. Die Verwandtschaft hatte sich dort getroffen, um familiäre Angelegenheiten zu besprechen. Das Gasthaus gehörte Adrians Vater. Seine Eltern, eine Halbschwester, ein Halbbruder sowie Onkel und Tante sterben. Ein weiterer Onkel und eine Tante werden durch Schüsse verletzt. Nach der Tat ruft Adrian S. selbst die Polizei. Als die Beamten am Tatort eintrifft, findet sie ein Blutbad vor. Der Todesschütze lässt sich widerstandslos festnehmen.

Rot am See/Ellwangen: Adrian S. löschte seine Familie aus – Urteil gefallen

Update vom 10. Juli: Fast ein halbes Jahr nach der schrecklichen Bluttat in Rot am See fällt das Urteil gegen Adrian S.. Er ist wegen Mordes und versuchten Mordes verurteilt worden. Das Landgericht Ellwangen verhängt am Freitag eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Der 27-Jährige wird in ein psychiartisches Krankenhaus gebracht.

Staatsanwaltschaft, Nebenklage und auch die Verteidigung haben erklärt, dass sie den Schützen des Mordes für schuldig halten.
Staatsanwalt und Nebenkläger fordern eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft spricht bei einem Teil der Taten von einer „eingeschränkten Steuerungsfähigkeit“. Die Nebenkläger halten den jungen Mann hingegen für voll schuldfähig. Der Verteidiger beantragt wegen aus seiner Sicht verminderter Schuldfähigkeit seines Mandanten eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren
und die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Der Deutsche hatte die Tat zum Prozessauftakt gestanden und Misshandlungen seiner Mutter als Motiv angegeben. Sie habe ihn missbraucht und vergiftet. Beweise gab es dafür nicht. Ein Psychiater hatte bei ihm Wahnvorstellungen und eine krankhafte seelische Störung diagnostiziert.

Horror-Tat in Rot am See: Adrian S. tötet Mutter und Schwester – Urteil könnte noch diese Woche fallen

Update vom 8. Juli: Im Prozess um die Gewalttat in Rot am See mit sechs Toten hat sich ein Gutachter für die Einweisung des Angeklagten in eine Psychiatrie ausgesprochen. Der 27-Jährige habe seine Mutter und seine Halbschwester im Wahn erschossen, sagt der Psychiater Peter Winckler am Mittwoch vor dem Landgericht Ellwangen. Eine von der Staatsanwaltschaft vermutete paranoide Schizophrenie kann der Gutachter jedoch nicht feststellen. Ein Urteil könnte an diesem Freitag (10. Juli) gesprochen werden.

Rot am See: Nach der Horror-Tat herrscht Fassungslosigkeit

Meldung vom 29. Juni: Nach der Horror-Tat herrscht in dem kleinen Ort Fassungslosigkeit. Der Vorstand seines Schützenvereins beschreibt den jungen Mann in einer Stellungnahme als zurückhaltend, hilfsbereit und freundlich. „Auf die Frage warum, haben wir noch keine Antwort.“, so der Bürgermeister der Gemeinde Rot am See, Siegfried Gröner (parteilos). Diese Frage klärt sich spätestens beim Auftakt des Mordprozesses am 29. Juni. Angeklagt ist der 27-Jährige wegen Mordes und versuchten Mordes. Die Horror-Tat hat er von langer Hand geplant: Drei Jahre zuvor ist er dafür extra in den Schützenverein eingetreten und hat sich legal eine Waffe besorgt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Heimtücke vor.

Der Angeklagte (r) sitzt während des Prozessauftakts um die Gewalttat in Rot am See mit sechs Toten am 24. Januar 2020 vor dem Landgericht Ellwangen im Gerichtssaal.

Die Tat bereut er zumindest in Teilen: „Ich wünschte, ich hätte es nicht getan“, sagt er beim Prozessauftakt am Montag im Landgericht Ellwangen. Dass er seine Mutter mit einem gezielten Kopfschuss getötet hat, tut ihm nicht Leid. Schon im Vorfeld ließ er verlautbaren, dass ihn seine Mutter und Halbschwester misshandelt hätten. Am Montag fügt er hinzu, dass ihn seine Mutter auch vergiftet hätte. „Meine Mutter hat für mich mein Leben zerstört.“  

Sie habe ihm immer wieder Substanzen ins Essen gemischt und soll ihn mit weiblichen Hormonen vergiftet haben. Sein Motiv: Rache. Er habe aber gleich bereut, seinen Vater erschossen zu haben. „Da habe ich auf alles geschossen, was sich bewegt hat.“

Nach der Tat habe er mit dem Gedanken gespielt, Selbstmord zu begehen. Er hätte jedoch nicht den „Mumm gehabt“, abzudrücken. Vor dem Blutbad in seinem Heimatort hätte er in Angst und Abschottung gelebt. Die meiste Zeit habe er in seinem Elternhaus vor dem Computer gesessen. Aus Angst, dass ihn seine Eltern ihn im Schlaf töten könnten, verbarrikadierte er sein Zimmer mit einem schweren Balken, installierte Überwachungskameras und eine Infrarot-Alarmschranke und hörte die Telefonate seiner Eltern ab.

Nach Blutbad in Rot am See: Urteil könnte noch im Juli fallen

Für den Prozess ist auch ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben worden. Es sind sechs weitere Verhandlungstage angesetzt – das Urteil könnte schon am 10. Juli fallen. In Frankfurt verhandelt das Landgericht eine ähnlich blutrünstige Tat: Im August 2019 ist die 22-jährige Lea S. auf einem Reiterhof in Hofheim, als sie mit einem Kopfschuss hingerichtet wird. Der Hauptverdächtige ist ihr damaliger Ex-Freund, der 56-jährige Lothar R.(kp/dpa)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

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