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Bierbrauerei aus RLP meldet Insolvenz an – nach 150 Jahren

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Von: Julian Kaiser

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Eine Traditionsbrauerei kann ihre Insolvenz in Eigenverwaltung nicht abschließen. Die Gründe dafür sind vielfältig – doch es besteht noch Hoffnung.

NRW – Diese Nachricht wird Biergenießern wohl gar nicht schmecken. 150 Jahre nach der Gründung ist die deutsche Traditions-Brauerei „Bischoff“ aus dem rheinland-pfälzischen Winnweiler insolvent. Zwar muss der Betrieb kontrolliert heruntergefahren werden – doch für die rund 40 Arbeitnehmer und die Familie Bischoff besteht noch ein Fünkchen Hoffnung, wie RUHR24 berichtet (mehr Service-News auf RUHR24).

Privatbrauerei Bischoff GmbH & Co. KGBrauerei aus dem rheinland-pfälzischen Winnweiler
Gründung1866
LeitungSven Bischoff

Brauerei „Bischoff“ kann 2020 eröffnetes Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung nicht abschließen

Wie die Lebensmittel Zeitung berichtet, sind die finanziellen Reserven der Privatbrauerei Bischoff versiegt, die Eigenverwaltung musste aufgehoben werden. Der ursprüngliche Plan, den Familienbetrieb nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens Ende 2020 in Eigenverantwortung zu sanieren, sei gescheitert, sodass die Anlagen und der Produktionsprozess bereits kontrolliert heruntergefahren werden mussten.

„Durch das kontrollierte Herunterfahren der Brauerei können die Verluste minimiert werden, die das Unternehmen auch im Eigenverwaltungsverfahren erwirtschaftet hat“, erklärt der Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Erbe von der Anwaltssozietät Schultze & Braun in der entsprechenden Pressemitteilung. Die Hoffnung der letzten anderthalb Jahren habe in einem baldigen Einstieg eines neuen Investors bestanden.

Investoren zogen sich zurück – Bierproduktion in der Brauerei wird kontrolliert heruntergefahren

Doch ein potenzieller Investor hatte laut der Pressemitteilung des Insolvenzverwalters sein Interesse an einer Übernahme der Traditionsbrauerei zurückgezogen, obwohl die Gläubiger dem für dieses Modell konzipierten Plan bereits zugestimmt hatten. Auch ein weiterer Investor, der das Grundstück und die Brauerei kaufen sollte, zog seine Interessensbekundungen kurzfristig zurück.

Über diese schlechten Nachrichten seien die rund 40 Mitarbeiter der Brauerei Bischoff laut der Pressemitteilung bereits informiert worden. „Meine Familie und ich haben bis zuletzt alles versucht, um unsere Brauerei zu retten“, ließ Dr. Sven Bischoff, geschäftsführender Gesellschafter der Privatbrauerei, in der Mitteilung verlauten.

Corona-Lockdowns und steigende Energiepreise setzten Brauereibetrieb zu

„Die Brauerei kann aufgrund einer defekten Ammoniakleitung für die Kühlung nicht die Menge Bier produzieren, die eigentlich möglich wäre und für die es auch Aufträge gegeben hätte“, so Bischoff weiter. So sei der Betrieb letztendlich nicht kostendeckend gewesen.

Die Gründe für die fehlgeschlagene Sanierung des Familienbetriebs in Eigenverwaltung in den letzten anderthalb Jahren sind offenkundig. Einerseits setzte der Brauerei die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Lockdowns in der Gastronomie erheblich zu.

Konzernleitung und Mitarbeiter setzen Hoffnung in neuen Investor und Strahlkraft der Brauerei

Andererseits machten auch die stark gestiegenen Energiepreise infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine im Frühjahr 2022 den Bemühungen zur Sanierung einen Strich durch die Rechnung. Für den Familienbetrieb, seine Mitarbeiter und die Stammkundschaft des „Bischoff Premium Pils“ gibt es aber noch Hoffnung.

Schließlich könnte ein neuer Investor mit frischem Kapital für die Reparaturen und neuen Aufträgen einsteigen. In diesem Fall könne man die Produktion schnell wieder hochfahren, ist sich Sven Bischoff sicher.

Vorerst bleibt es allerdings bei seiner Hoffnung, „dass in Winnweiler auch künftig Bier gebraut werden kann“ und dass die Bekanntheit der Biermarke in Frankreich, Italien sowie auf dem osteuropäischen und chinesischen Markt die Produktion aufrechterhalten könnte. Die Familie glaubt jedenfalls fest an das Potenzial ihres Traditionsbetriebs.

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