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Rheinland-Pfalz: Regierung warnt vor russischen Hacker-Attacken – „Krieg im Cyberraum“

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Von: Peter Kiefer

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Rheinland-Pfalz - Im Zuge des Ukraine-Krieges befürchtet die Landesregierung russische Cyber-Attacken. Auch eine neue, erpresserische Betrugsmasche macht die Runde:

Der Krieg in der Ukraine hat auch Folgen für die Sicherheit in Rheinland-Pfalz. Demnach ist nach Einschätzung der Landesregierung auch von einer „erhöhten abstrakten Gefährdungslage“ der Cybersicherheit auszugehen. Digitalminister Alexander Schweitzer (SPD) forderte Unternehmen und Organisationen der kritischen Infrastruktur am Mittwoch (23. März) in Mainz auf, Warnungen und Empfehlungen der Sicherheitsbehörden etwa auf den Webseiten der Allianz für Cyber-Sicherheit aufmerksam zu verfolgen.

BundeslandRheinland-Pfalz
LandeshauptstadtMainz
Einwohnerzahl4.098.391 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche19.854,21 km²
MinisterpräsidentinMalu Dreyer (SPD)

Cyber-Attacken in Rheinland-Pfalz: Diese neun Sektoren sind besonders gefährdet

„Dieser Krieg findet auch im Cyberraum statt.“ Die Firmen seien höchst sensibilisiert, müssten sich aber selbst schützen. Zur kritischen Infrastruktur gehören nach den Worten von Innenminister Roger Lewentz (SPD) neun Sektoren: Energie, Gesundheit, IT/Telekommunikation, Transport/Verkehr, Medien/Kultur, Wasserversorgung, Finanzen/Versicherungen, Ernährung sowie Staat/Verwaltung.

Einige davon seien in kommunaler Hand. Betroffene Verwaltungen, Unternehmen und Institutionen könnten die neusten Informationen des Verfassungsschutzes tagesaktuell abrufen, sagte Lewentz. Dafür gebe es eine landeseigene Cloud, die in dieser Form bundesweit einmalig sei.

Der rheinland-pfälzische Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung: Alexander Schweitzer (SPD).
Der rheinland-pfälzische Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung: Alexander Schweitzer (SPD). © Andreas Arnold/picture alliance/dpa

Rheinland-Pfalz: Digitalminister Schweitzer warnt – „Lage kann sich minütlich verändern“

Die Landesregierung habe ihre Sicherheitsmaßnahmen seit Ausbruch des Krieges ebenfalls hoch gefahren. „Wir wissen, wie verwundbar wir sein können in Deutschland“, sagte Schweitzer. Dazu gehöre unter anderem eine engere Zusammenarbeit von Wirtschafts- und Verfassungsschutz, Kriminalprävention, Krisenmanagement und dem Landeskriminalamt (LKA).

Es werde auch mehr dafür getan, Angriffserkennungssysteme zu verbessern. „Die Lage kann sich minütlich verändern“, sagte Schweitzer. „Wir sind weder mut- noch machtlos“, betonte Lewentz. „Wir können schnell reagieren und uns auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen einstellen.“

LKA-Präsident: „Grenzen zwischen unpolitischen und politischen Hackerangriffen verschwimmen“

„Immer wieder rückt auch die cybergestützte Desinformation in den Fokus“, berichtete Lewentz. Getarnt als Pressemitteilungen offizieller Stellen, Korrespondenz von Regierungen oder als erfundene Zitate politischer Amtsträger. So habe die Russland zugeordnete Cybergruppierung „Ghostwriter“ E-Mail-Adressen aus dem politischen Raum auch in Rheinland-Pfalz mit dem Ziel angegriffen, über diese Mailkonten Falschinformationen in den sozialen Medien zu platzieren.

Es sei aber noch keine Person des öffentlichen Lebens damit erfolgreich angegriffen worden. Dazu LKA-Präsident Johannes Kunz: „Die Grenzen zwischen unpolitischen und politischen Hackerangriffen verschwimmen im Moment.“

Roger Lewentz
Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD). © Andreas Arnold/dpa/Archivbild

So wollen russische Hacker wirtschaftlichen Schaden anrichten

So gebe es einige Hackergruppen, die sich erst in den letzten vier Wochen als politisch motivierte Gruppen herausgestellt hätten. Der russischen Seite gehe es vorrangig darum, wirtschaftliche Schäden anzurichten, etwa bei für Lieferketten wichtige Firmen.

Private Nutzer stehen nach Einschätzung Schweitzers nicht im Fokus. Dennoch gelte weiterhin Wachsamkeit und etwa keine SMS oder Mail anzuklicken, deren Absender man nicht kenne. Lewentz warnte vor unseriösen Spendenaufrufen im Netz, die Menschen im Rahmen des Krieges um ihr Erspartes bringen wollten.

Ein Hacker sitzt im Dunkeln und tippt auf einem Laptop (Symbolbild)
Ein Hacker treibt sein Unwesen. (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa

Polizei warnt vor Betrugsmasche mit Ukraine-Krieg

Und auch Betrüger machen sich den Ukraine-Krieg zu Nutze: Derzeit kursiert bundesweit eine Spam-E-Mail-Welle mit erpresserischem Hintergrund. Seit dem 22. März gehen bei der Polizei Baden-Württemberg viele Anzeigen und Hinweise zu Erpressungsnachrichten ein über Kontaktformulare von Firmen-Webseiten. Betroffen sind hier Betreiber*innen von Webseiten.

Die bislang unbekannten Absender behaupten deutschsprachig, ukrainische Hacker zu sein und Webseiten gehackt zu haben. Sie fordern ihre vermeintlichen Opfer auf, 0,05 Bitcoin auf zu transferieren – das entspricht aktuell rund 1.950 Euro. Falls die Summe nicht bezahlt wird, drohen die Kriminellen die Homepage zu schädigen.

Erpresserische Nachrichten kommen per Kontaktformular auf Websites

Sie nutzen hierbei unzureichend abgesicherte Formulare auf den Webseiten der Empfänger*innen. Die erpresserischen Nachrichten werden so automatisiert und massenhaft an die Inhaber*innen der Webseiten versendet.

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Nach Einschätzung der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) des Landeskriminalamts Baden-Württemberg liegt keine konkrete Erpressungslage und demzufolge kein Hacker-Angriff vor. Es handelt sich um eine haltlose Drohung, die keine reale Grundlage besitzt, da die vermeintlichen Hacker keinen Zugang auf die Webseite beziehungsweise Server haben.

Auf diese verdächtigen Hinweise sollte man laut LKA achten

Diese Einschätzung stützt, dass die Tätergruppe die Nachricht über das Kontaktformular verschiedener Webseiten-Systeme senden. Dies macht eine ausgenutzte Lücke unwahrscheinlich. Ferner sind die Kontaktformulare nicht mit einem Captcha geschützt. Das ermöglicht eine vollständige Automatisierung des Nachrichtenversands.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg empfiehlt folgende Verhaltenshinweise: Niemals Bitcoins an die angegebene Adresse zahlen und immer wachsam sein, was den Online-Auftritt und etwaige Änderungen betrifft. (dpa/PM/dpa)

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