Kolumne von Jana Buch

11 Exhibitionisten in 4 Wochen – das Phänomen ‚Der nackte Mann‘

+
Kolumne: 11 Exhibitionisten in 4 Wochen – das Phänomen ‚Der nackte Mann‘

Plötzlich taucht ein Mann aus dem Gebüsch auf. Im ersten Moment vollkommen unscheinbar. Doch dann nähert er sich uns und öffnet seine Hose. Zum Vorschein kommt sein steifes Glied! Von da an ist dieser Ort für mich tabu.

Ich bin gerade einmal 13 Jahre alt, als ich das erste Mal einen Penis ‚in freier Wildbahn’ sehe. Ein Fremder entblößt sich vor mir, als ich zusammen mit einer Freundin spazieren gehe. Natürlich sind wir damals irritiert und verängstigt, fangen an zu schreien und rennen davon. In den nächsten Jahren folgen noch drei weitere.

Heute, ich bin mittlerweile 26 Jahre, habe ich schon vier Exhibitionisten gesehen. Der letzte ‚Nackte‘ hat mich noch nicht einmal schockiert. Stattdessen habe ich ihn einfach ausgelacht und bin meines Weges gegangen. Diese Abgestumpftheit habe ich mir spätestens nach dem dritten Penis angeeignet.

Doch ich stelle mir bei so was eher pragmatische Fragen. Zum Beispiel würde mich interessieren, ob der Mann schon mit dem Plan, blankzuziehen, in den Park geht? Oder kommt der Gedanke dann eher spontan? Schließlich muss auch die Kleiderwahl beim Entblößen bedacht werden!

Nicht therapierbar?

Natürlich kann man sich darüber lustig machen oder ärgern. Andererseits darf man nicht vergessen, dass so ein Verhalten mit einerpsychischen Störung einhergeht. Exhibitionismus wird nämlich als eine Störung der Sexualpräferenz angesehen – wenn man nach „Fifty Shades of Grey“ Sexualverhalten überhaupt noch gestört nennen kann.

Exhibitionisten sind sowohl in der Stadt als auch auf dem Land kein seltenes Phänomen. Alleine in den letzten vier Wochen werden der Polizei Mannheim elf Vorfälle gemeldet. Die Dunkelziffer ist deutlich höher!

Umgerechnet gibt es also im Schnitt alle zwei Tage einen Perversen, der irgendwo im Park oder im Wald den ‚nackten Mann‘ macht. Bedenklich wird es jedoch, wenn Kinder Opfer dieser Taten werden.

So auch jüngst im Luisenpark: Dort masturbiert der Täter nicht nur vor einem Spielplatz, sondern trägt zu allem Übel auch noch eine Teufelsmaske! Wenn die Kinder beim Anblick seines Geschlechtsteils nicht verstört genug sind, dann spätestens, wenn sie die Fratze erblicken.

Das Problem an Exhibitionismus: Es können keine konkreten Therapieerfolge nachgewiesen werden. Für Betroffene besteht oft nur die Möglichkeit, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Ob das zwanghafte Verhalten dadurch gelindert werden kann, ist jedoch fraglich.

Wird einer mal erwischt, droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe – ein sehr geringer Trost für die Opfer. Solange dieses Verhalten nicht therapierbar ist, wird es die Täter weiterhin auf die Straße ziehen. Die Frage ist, ob man sie mit ein wenig Hintergrundwissen dafür überhaupt verurteilen kann.

>>> Kolumne: Suche Wohnung – bekomme Sex-Angebote!

jab

Quelle: Mannheim24

Kommentare