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Polizistenmorde: „Dubiose Personen“ – Neue Details zu letztem Funkspruch

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Von: Katja Becher

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Kusel - Eine Woche nach den Polizistenmorden fördern die Ermittlungen immer neue Details zutage. Was bisher zu den Tatverdächtigen und dem tödlichen Einsatz bekannt ist:

Auch Tage nach den Polizistenmorden von Kusel ist die Betroffenheit weiterhin groß. Unterdessen ergeben die Ermittlungen immer mehr Details zu den Verdächtigen sowie dem verhängnisvollen Einsatz der beiden getöteten Polizisten. Am 31. Januar waren nahe Kusel in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle eine 24-jährige Polizeianwärterin und ein 29-jähriger Oberkommissar erschossen worden.

Als Verdächtige sitzen zwei 38 und 32 Jahre alte Männer wegen des Vorwurfs des gemeinschaftlichen Mordes – und der gewerbsmäßigen Jagdwilderei – in U-Haft. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie mit den Morden die vorherige Wilderei verdecken wollten. Der 38-Jährige hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der 32-Jährige gab an, nicht geschossen zu haben.

Polizistenmorde von Kusel: Mutmaßlicher Mörder musste Waffen 2020 abgeben

Nun wurden weitere Details über den 38-jährigen Verdächtigen bekannt. So hatte der mutmaßliche Polizistenmörder bis Ende März 2020 legal im saarländischen Staatswald gejagt, wie das Umweltministerium des Saarlands am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Nach Angaben des saarländischen Landkreistags musste der Mann bis Januar 2020 seine Waffen an berechtigte Personen abgeben, weil er keine Erlaubnis mehr zum Waffenbesitz hatte. An wen die Waffen überlassen wurden, werde derzeit überprüft.

Bei einer Hausdurchsuchung im saarländischen Spiesen-Elversberg fanden die Ermittler fünf Kurzwaffen, ein Repetiergewehr, zehn weitere Langwaffen, eine Armbrust sowie ein Schalldämpfer und Munition. In dem Haus habe der 38-Jährige gewohnt, allerdings nicht alleine. In Sulzbach stellte die Polizei nach der Festnahme der beiden Verdächtigen zwei weitere Waffen sicher.

Zwei Polizisten bei Verkehrskontrolle getötet - Trauer
Kerzen und Blumen liegen vor dem Gebäude der Polizeiinspektion Kusel. © Thomas Frey/dpa

Polizistenmorde von Kusel: Polizeiinspekteur erklärt Details zum tödlichen Einsatz

Der Inspekteur der rheinland-pfälzischen Polizei, Jürgen Schmitt, hat im Innenausschuss des Landtags Details zu dem Einsatz nach den tödlichen Schüssen erklärt. Er berichtete am Dienstag unter anderem, warum es zwölf Minuten dauerte, bis andere Streifen am Tatort waren, obwohl die später getöteten Beamten gemeinsam mit den Besatzungen zwei weiterer Fahrzeuge unterwegs waren.

Schmitt sagte, wenn Streifen an einen Tatort geschickt würden und bekannt sei, dass dort geschossen worden sei, seien sie angehalten, zunächst zu stoppen und Schutzausrüstung anzulegen. Dazu gehörten schwere Schutzhelme und Westen sowie eine Maschinenpistole. „Das führt zu einer gewissen Zeitverzögerung“, erklärte der Inspekteur.

Polizistenmorde bei Kusel: Getötete Polizisten observierten Person

Die beiden am frühen Morgen des 31. Januar getöteten Polizisten hatten um 4:20 Uhr an einer Kreisstraße bei Kusel ein Fahrzeug kontrolliert, zunächst über Funk von „dubiosen Personen“ berichtet, die zahlreiche tote Wildtiere dabei hätten. Sie forderten Verstärkung an und riefen schließlich um Hilfe mit den Worten „Komm schnell, die schießen, die schießen“.

Inspekteur Schmitt zufolge waren an dem Morgen nach der Kontrolle mit tödlichem Ausgang andere Streifen um 4:32 Uhr am Tatort. Beide Opfer seien zu dem Zeitpunkt bereits tot gewesen, hätten massive Verletzungen am Kopf aufgewiesen. Die zwei Beamten waren demnach uniformiert in einem zivilen Polizeiauto unterwegs, Schmitt zufolge observierten sie mit den Besatzungen zwei weiterer Polizeiwagen eine Person. Nach früheren Angaben der Polizei ging es darum, eine Serie von Eigentumsdelikten aufzuklären.

Polizistenmorde von Kusel: Polizeigewerkschaft verurteilt Hass und Hetze im Netz

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) will nach den tödlichen Schüssen nicht zur Tagesordnung übergehen. „Es darf nicht kleingeredet werden, dass Polizistinnen und Polizisten mit Hass- und Hetzaufrufen im Netz, vor allem in den sozialen Medien belegt werden“, stellte der GdP-Bundesvorstand fest. Die mangelnde Wertschätzung eines Teils der Bevölkerung für die Polizei sei auch Ausdruck einer „Unkultur des ständigen Hinterfragens staatlichen und polizeilichen Tuns“, die mit der demokratischen Kontrolle des Staates nichts mehr zu tun habe.

Nach den tödlichen Schüssen hat das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz eine Ermittlungsgruppe gegen Beifallsbekundungen für die Täter im Internet eingerichtet. Insgesamt 14 Beamte sollen die Verfasser von Hasskommentaren ausfindig machen. „Die Ermittlungsgruppe steht am Anfang ihrer Arbeit. Zu Ergebnissen werden wir uns zu gegebener Zeit äußern“, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Donnerstag mit. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA) ist geplant. (kab/dpa)

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