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Polizisten-Mord bei Kusel: Präsident schildert grausame Details – „Neue Zeitrechnung“

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Von: Marten Kopf

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Kusel/Rheinland-Pfalz - Nach dem Tod zweier junger Polizisten während einer Verkehrskontrolle sind zwei Tatverdächtige in Haft. Am Dienstag präsentiert die Polizei erste Ergebnisse.

Am Ende war der Fahndungsdruck zu groß: Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in Rheinland-Pfalz am Montagmorgen (31. Januar) stellt sich der öffentlich gesuchte Verdächtige Andreas S. der Polizei. Der 38-Jährige aus dem saarländischen Kreis Neunkirchen wird rund 13 Stunden nach der brutalen Bluttat vor einem Haus im saarländischen Sulzbach von Spezialkräften der Polizei festgenommen, wie ein Polizeisprecher in Kaiserslautern am Montagabend berichtet. Zuvor habe sich der Verdächtige über eine Anwältin bei der Polizei gemeldet.

Wie die „Saarbrücker Zeitung“ berichtet, erlässt das Amtsgericht Kaiserslautern am Dienstagmorgen Haftbefehl gegen ihn – und auch gegen einen 32-Jährigen, der kurze Zeit später mit Andreas S. im selben Haus widerstandslos festgenommen wird. In welchem Zusammenhang er zu den tödlichen Schüssen auf die 24 Jahre alte Polizeianwärterin und den 29 Jahre alten Oberkommissar steht, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben. Beide Männer verweigern bislang Aussagen zur Tat, doch mit den Haftbefehlen erscheint der Tatverdacht konkret.

Polizeipräsidium Westpfalz: „Tränen in den Augen“

Am Dienstagmittag stellt das zuständige, durch den grausamen Verlust seiner Kollegen aber ebenso selbst betroffene Polizeipräsidium Westpfalz, erste Ermittlungsergebnisse in einer Pressekonferenz vor. „Seit gestern Morgen um 4:22 Uhr gilt für unser Polizeipräsidium hier in Kaiserslautern eine neue Zeitrechnung“, so leitet Polizeipräsident Michael Denne diese Pressekonferenz ein. Und man nimmt den dort vorne vor den Mikrofonen Sitzenden ihre persönliche Betroffenheit ab.

Der Tod der beiden sei allen Kolleginnen und Kollegen sehr nahe gegangen. Er habe am Morgen die Mutter eines der beiden Opfer besucht. „Man hat da schon Tränen in den Augen. Das geht einem sehr nahe“, so Denne. Es habe Beileidskundgebungen aus ganz Europa gegeben. Er habe den getöteten Beamten persönlich gekannt, er sei ein sehr sympathischer Kollege gewesen.

Tödliche Schüsse: Ermittler gehen von Wilderei aus

Im Fall der beiden erschossenen Polizisten gehen die Ermittler davon aus, dass die mutmaßlichen Täter wohl eine vorherige Wilderei verdecken wollten. Die beiden Tatverdächtigen sollen als Wilderer in die Polizeikontrolle geraten sein. Wie genau die Beamten an diesem Morgen auf die beiden aufmerksam werden, ist unklar. In dem Laderaum ihres Kastenwagens hätten sich zahlreiche getötete Wildtiere befunden, sagt Oberstaatsanwalt Stefan Orthen. Der 32 Jahre alte Tatverdächtige räumt nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Wilderei ein. Er habe auch die Polizeikontrolle geschildert, aber bestritten, selbst geschossen zu haben.

Die Ermittler gehen nach jetzigem Stand allerdings davon aus, dass beide Verdächtige Schüsse abgegeben haben. Bei den Ermittlungen seien eine Schrotflinte und ein Jagdgewehr sichergestellt worden. Bislang lägen keine Hinweise auf eine politisch motivierte Tat oder Verbindungen der Verdächtigen in die sogenannte Reichsbürgerszene vor. Die 24 Jahre alte Polizistin wird mit einem Schuss in den Kopf getötet. Der 29 Jahre alte Oberkommissar wird nach Darstellung der Ermittler von vier Schüssen niedergestreckt, einer davon traf ihn in den Kopf. Er selbst habe 14 Mal geschossen, nach bisherigen Erkenntnissen sei aber keiner der beiden Verdächtigen getroffen worden.

Getötete Polizisten in Kusel: Täter polizeibekannt

Die 24-Jährige fast fertig ausgebildete Polizeianwärterin sei arglos gewesen, sie habe womöglich eine Taschenlampe und die Papiere in der Hand gehalten und nicht geschossen, ihre Dienstwaffe befand sich noch im Holster. Die beiden Tatverdächtigen waren laut Staatsanwaltschaft nicht rechtskräftig vorbestraft. Der 38-Jährige sei der Polizei aber früher bereits wegen Jagdwilderei und Verkehrsunfallflucht aufgefallen. Der 32-Jährige sei der Polizei wegen Betrugsdelikten bekannt. Unterdessen wird die Polizei nach dem Polizisten-Mord mit widerlichen Hasskomentaren im Netz konfrontiert. (mko/dpa)

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