Zielsetzung, Test-Abläufe und -Durchführung

Öko-Test: Strenger als der Gesetzgeber – alle Infos zum Verbrauchermagazin

Öko-Test ist ein Verbraucher-Magazin mit ökologischen Anspruch und führt Vergeichs-Test zu Produkten und Dienstleistungen des täglichen Lebens durch – hier findest Du alle Infos:

  • „Öko“ ist Programm: Öko-Test ist ein 1985 gegründetes Verbraucher-Magazin – gesundheitliche und ökologische Aspekte stehen vor reiner Funktionalität.
  • Konzept von Öko-Test: Ökologische Aufklärung durch Fakten in vergleichenden Warentests.
  • Ungenügend: Produkt bei Öko-Test durchgefallen! Gibt es ein Rückgaberecht?
  • Auswahl, Beschaffung, Ablauf der Vergleichstest und Kritik an Öko-Test – alles auf einem Blick:

Öko-Test ist ein Verbraucher­magazin, das seit 1985 in Deutschland erscheint. Gesellschafter des Verlags ist gänzlich die Öko-Test AG in Frankfurt, an dem auch die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mehrheitlich beteiligt ist. Letztere ist eine Medien-Holding der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Oftmals wird Öko-Test mit Stiftung-Warentest gleichgesetzt oder verwechselt. Bei den beiden Publikationen handelt es sich jedoch um Konkurrenten auf dem Verbraucher-Informationsmarkt. Gemeinsam haben jedoch beide Unternehmen, dass sie selbst keine Labore führen, sondern für die Produkt- und Dienstleistungs-Tests mit verschiedenen Instituten in ganz Deutschland zusammenarbeiten. Die Ergebnisse werden in gedruckter Form in der Zeitschrift Öko-Test, die Öko-Test-Jahrbücher und die Öko-Test-Ratgeber veröffentlicht. Darüber hinaus ist Öko-Test auch in den sozialen Medien und einer Webseite im Internet vertreten.

Öko-Test: Aufklärung als Anspruch des Verbrauchermagazins

Der Anspruch des ÖKO-Test-Verlags lässt sich bereits aus der Namensgebung ableiten, denn „Öko“ ist Programm. In einem Beteiligungsprospekt wird die Motivation hinter der Zeitschrift darin begründet, „einer zunehmenden Vergiftung unserer unmittelbaren Lebensbedingungen entgegenzuwirken“.

Alarmistische Berichterstattung über Umwelt-Skandale seien nach Ansicht der Begründer hierzu nicht ausreichend. Vielmehr sieht sich Öko-Test verpflichtet den Verbrauchern Fakten zu liefern.

Damit lässt sich zusammenfassen: Öko-Test will mehr sein, als lediglich ein weiterer vergleichender Warentest. Gesundheitliche und ökologische Aspekte werden stärker gewichtet als die Funktionalität der Test-Objekte. Auf wissenschaftlicher Grundlage sollen dabei beispielsweise Inhaltsstoffe von Lebensmitteln ebenso analysiert werden, wie deren Produktionsbedingungen oder Probleme bei der Abfallentsorgung.

Mit ökologischem Sendungsbewusstsein verdeutlicht Öko-Test im Beteiligungsprospekt sein Anliegen: „Das ÖKO-TEST-Magazin will in ganz ähnlicher Weise den Gebrauchsnutzen der uns umgebenden Dinge untersuchen; aber nicht nur Waren, sondern den Verhältnissen entsprechend auch Lebensbereiche, Lebensumstände. Untersuchungskriterien sind nicht mehr Preis, praktische Form, Pflegeleichtigkeit, Geschmack, sondern Gesundheit, soziale Verantwortung, Verantwortung für das Ökosystem, in dem wir leben. Wenn es immer mehr Mühe macht, die Luft zu atmen, die uns umgibt, dann spielt es eigentlich keine Rolle mehr, ob das Handschuhfach an irgendeinem Test-Auto groß oder klein ist“.

Öko-Test: Handlungstipps für die Leserschaft als Zielsetzung

Über die Test-Ergebnisse, können dann Änderungen von Kaufgewohnheiten und Alltagsverhalten der Verbraucher angeregt werden. Gleiches gilt auch für Unternehmen und Behörden, die durch den öffentlichen Druck zur Beseitigung von Missständen gedrängt werden sollen.

Obgleich damit die politische Wirkung durchaus gewollt ist, bekennt sich der Öko-Test in seiner journalistischen Arbeit zur parteipolitischen Neutralität.

Der Anspruch von ÖKO-TEST lässt sich aus der Namensgebung ableiten: „Öko“ ist Programm bei der Verbraucherorganisation (Archivbild).

Um den Anspruch gerecht zu werden, Konsumenten über Produkt-Tests Handlungsalternativen anzubieten, ist eine einfache Bewertung nach einem Vergleichstest nicht zielführend. Daher endet jeder Test mit einem Fazit unter der Überschrift „Was tun?“. Hierbei soll es laut Öko-Test nicht darum gehen, der Leserschaft vorzuschreiben, wie sie sich hinsichtlich ihres Konsums zu verhalten habe, sondern lediglich verschiedene nachhaltige Möglichkeiten aufgezeigt werden.

Daneben gibt eine weitere Rubrik unter dem Titel „Nachwirkungen“ einen Einblick darin, was sich nach den Test bei den Herstellern und in der Berichterstattung getan hat. Dieser Serviceleistung vergegenwärtigt den ökologisch bewussten Verbraucher die Wirksamkeit der Aufklärungs-Kampagne seitens Öko-Test.

Öko-Test: Kritik an „Strategie zur publikumswirksamen Auflagensteigerung“

Obgleich die Arbeit des Verbrauchermagazins in ökologischer Hinsicht wünschenswert erscheint, regt sich aber auch Kritik an der Vorgehensweise.

Insbesondere die Vereinfachung einiger Tests auf die Frage „Schadstoffe – ja oder nein?“ und der Gleichsetzung mit „Bio“, falls keine Schadstoffe enthalten sind, haben in der Vergangenheit zu einer Kontroverse geführt. In dieser wirft der Journalist Hannes Koch dem Chefredakteur des ÖKO-TEST-Magazins, Jürgen Stellpflug, vor, eine Strategie zur publikumswirksamen Auflagensteigerung zu betreiben.

Öko-Test: Selbstbestimmte Forschungseinrichtungen und Labore sollen für Unabhängigkeit von der Industrie garantieren

Zweifelsfrei nehmen bei Produkt-Test die Labore und Institute Rolle eine maßgebende Rolle ein. Auch aus Kostengründen ist für Öko-Test die Unterhaltung eines eigenen Labors ausgeschlossen worden.

Doch angetrieben durch die Anti-Atomkraft-Bewegung und der Umweltbewegung entstehen bereits in den 1980er Jahren kleine unabhängige Forschungseinrichtungen. Deren Errichtung geht vor allem auf Wissenschaftler zurück, die beabsichtigt haben von der Industrie unabhängige Forschungsarbeiten zu umweltrelevanten Themen zu ermöglichen.

Die meisten dieser Forschungseinrichtungen sind ab 1986 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF) e.V.

Öko-Test: Vor dem Vergleichstest ab – Auswahl und Beschaffung

Zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 2010 hat Öko-Test die Marke von 100.000 getesteten Produkten überschritten – zu diesem Zeitpunkt kommen 3.000 Dienstleistungen hinzu. Ganz gleich ob Kinderschnuller, Mineralwasser, Joghurt, Haarwaschmittel, Energiesparlampen, Medikamente, Rentenversicherungen oder Kondome – Öko-Test hat alle Endverbraucherprodukte geprüft.

Dabei folgt die Vorgehensweise einem ganz bestimmten Muster: In einem ersten Schritt koordiniert ein spezialisierter Fachredakteur die Auswahl der Produkte. Dafür müssen die Redakteure herausfinden, welche Artikel neu und welche Hersteller marktführend sind. Im Fokus stehen erwartungsgemäß auch Produkte aus dem Bio- sowie Reformhausbereich.

Nach der getroffenen Auswahl werden die Produkte von einem Testeinkäufer von Öko-Test anonym im Handel erworben. Auch online werden Produkte beschafft, jedoch über private Adressen bestellt, um Manipulationen seitens der Hersteller auszuschließen.

Öko-Test: So läuft ein Vergleichstest ab

Die jeweiligen Fachredakteure beauftragen nach ausführlicher Produkt-Recherche ein Testlabor und teilen diesem die Testkriterien mit. Das heißt: Öko-Test bestimmt, nach welchen Inhalt- oder Schadstoffen gesucht werden soll und wie die Wirksamkeit des Produktes zu überprüfen ist.

Entscheidend ist, was bei den ausgewählten Test-Thema wichtig ist, da nicht jede Produktgruppe das selbe Testverfahren durchläuft. Das lässt sich am Beispiel von Haarpflegeprodukten genauer erläutern: Während bei Haarspray die Lungengängigkeit der versprühten Teilchen untersucht wird, ist dieser Test-Abschnitt bei Haarwachs überflüssig, da dieses Produkt mit der Hand aufgetragen wird.

Die spezielle Ausrichtung auf die einzelnen Produkte oder Dienstleistungen gewährleistet aussagekräftige Testergebnisse. Nach Aussage des Unternehmens werden dabei auch die Testkriterien im Laufe der Zeit immer weiter verschärft und verfeinert. Ein Beispiel aus dem Test-Alltag soll diese Vorgehensweise verdeutlichen:

Für ÖKO-TEST steht der gesundheitliche Verbraucherschutz an erster Stelle

Stellungnahme auf oekotest.de

Im Jahr 2005 ist bei Nuss-Nougat-Creme nach gesundheitsschädlichen Transfettsäuren gesucht worden. Nachdem die Hersteller dieses Problem behoben haben, ist allerdings ein anderer Schadstoff (3-MCPD-Fettsäureester) entdeckt worden. Daraufhin hat Öko-Test im Jahr 2009 die verschiedenen Nuss-Nougat-Cremes auf dem Markt auf diesen Schadstoff untersucht.

Erst nach Abschluss der Tests, wenn die Ergebnisse bereits vorliegen, werden die Hersteller der Produkte darüber informiert.

Öko-Test-Bewertung: Strenger als der Gesetzgeber

Nachdem die Testergebnisse der Labors feststehen, werden diese von den Redakteuren bewertet. Dabei ist die Bewertung von Öko-Test nicht unumstritten. Vor allem die Hersteller kritisieren, dass Öko-Test weitaus strenger Richtlinien festlegt, als der Gesetzgeber vorgibt. So können sogar Produkte, die gesetzliche Vorgaben formal einhalten, dennoch mit ungenügend durchfallen.

Öko-Test begründet seine Bewertungskriterien folgendermaßen: „Für ÖKO-TEST steht der gesundheitliche Verbraucherschutz an erster Stelle. In gesetzliche Grenzwerte fließen viele weitere Überlegungen ein. Zum Beispiel, ob es für gesundheitlich bedenkliche Inhaltsstoffe Alternativen gibt, ob diese sich wirtschaftlich rechnen, ob den Überwachungsbehörden überhaupt Testmethoden für die Untersuchung zur Verfügung stehen. Außerdem gäbe es ausschließlich ‚sehr gute‘ oder ‚ungenügende‘ Produkte, wenn wir nur nach ‚erlaubt‘ oder ‚verboten‘ bewerten würden. Das würde den Qualitätsunterschieden zwischen den Produkten aber in keinster Weise gerecht.“

Gleiches gilt für die gen-technisch veränderte Lebensmittel: Laut EU-Gesetzgebung gilt Nahrung dann als gentechnikfrei, wenn der Anteil an Gen-Technik den Wert 0,9 Prozent nicht überschreitet.

Diese juristische Festlegung spielt bei Öko-Test lediglich eine untergeordnete Rolle. Daher werden Produkte selbst dann abgewertet, wenn sie nur geringste Mengen von genetisch verändertem Material enthalten.

Nach Ansicht von Öko-Test gibt es zudem in gesetzlichen Vorgaben oft Regelungslücken. So seien beispielsweise die krebserregenden aromatischen Amine in Textilien zwar verboten, aber ausgerechnet bei Baby- und Kinderspielzeug ist der Gesetztgeber in Verzug gewesen.

Selbstverständlich hat ÖKO-TEST in seinen Tests auf diese Absurdität hingewiesen und belastete Produkte abgewertet“, so Öko-Test auf der Unternehmens-Website.

Öko-Test-Bewertung: Soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit im Produktionsprozess

Ebenso wie es die Stiftung Warentest bereits vorgemacht hat, berücksichtigt auch Öko-Test seit dem Jahr 2010 regelmäßig die sogenannte Corporate Social Responsibility (CSR). Hierbei handelt es sich um die Frage, ob oder inwieweit ein Unternehmen bei der Produktion seiner gesellschaftlichen Verantwortung und dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit gerecht wird.

In diesem Zusammenhang ist für Öko-Test von Interesse, inwieweit Unternehmen sich ihrer sozialen Verantwortung verpflichtet fühlen und darüberhinaus welchen Aufwand sie hierzu betreiben. Der erste Test dieser Art von Öko-Test hat sich mit Kinderspielzeug beschäftigt.

Durch die Aufnahme von Arbeits- und Sozialstandards in die Testberichte sollen Unternehmen Anreize bekommen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Öko-Test: Rückgaberecht für „mangelhafte" Produkte?

Bei der Frage, ob ein Rückgaberecht für Produkte gibt, die bei Öko-Test schlecht abgeschnitten haben, verweist die Verbraucherorganisation auf die gesetzlichen Bestimmungen.

Entspricht das Produkt diesen, obwohl es von Öko-Test als „mangelhaft“ bewertet wird, ist der Hersteller nicht gezwungen das Produkt zurückzunehmen.

Im Falle, dass ein Produkt nicht den gesetzlichen Vorschriften entspricht, wird es von Öko-Test grundsätzlich immer mit „ungenügend“ eingestuft und als „nicht verkehrsfähig" gekennzeichnet.

Diese Produkte können laut Öko-Test an den Hersteller zurückgegeben oder ins Geschäft zurückgebracht werden. Obgleich dieses Recht bei Produkten, welchen den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, nicht vorliegt, nehmen die Hersteller „mangelhafte“ oder „ungenügende“ Produkte jedoch oftmals aus Kulanz zurück.

Öko-Test: Einfluss auf Testergebnisse durch Anzeigenkunden?

Während sich die konkurrierende Verbraucherorganisation Stiftung Warentest ausschließlich über Heftverkäufe, Abonnements und öffentliche Mittel finanziert, greift Öko-Test zur Deckung des Etats auch auf Anzeigen zurück. Kritiker sehen darin eine Gefahr für die Unabhängigkeit der Untersuchungen und zweifeln darüber die Objektivität der Testergebnisse an.

Öko-Test finanziert sich unter anderem auch durch Anzeigen von Herstellern der getesteten Produkte (Symbolbild).

Gegen diese Anschuldigung hat das Unternehmen auf seiner Homepage Stellung genommen: „Grundsätzlich, so hat der Bundesgerichtshof entschieden, rechtfertigen Anzeigen in einer Testzeitschrift nicht einmal den Verdacht, es fehle den Tests an der erforderlichen Neutralität und Sachkunde. Trotzdem wird in der Öffentlichkeit manchmal versucht, ÖKO-TEST allein durch den Hinweis auf die Anzeigen im Heft in Misskredit zu bringen. Allerdings träfe ein entsprechender Verdacht (fast) alle Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunkanstalten und Fernsehsender, die sich meist in wesentlich höherem Maße über Anzeigen finanzieren als ÖKO-TEST.“

An anderer Stelle heißt es weiter: „Dass es keinerlei Rücksichtnahme auf Anzeigenkunden gibt, zeigt auch die Tatsache, dass immer wieder Anzeigen veröffentlicht werden für Produkte, die im gleichen Heft mit „ausreichend“, „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“ getestet wurden. Verständlich ist allerdings, dass viel häufiger für „sehr gute“ oder „gute“ Produkte geworben wird. Denn ÖKO-TEST teilt den Herstellern vorab die Labor-Ergebnisse zur Kontrolle und zur Stellungnahme mit. Obwohl die Hersteller nur die Laborwerte bekommen und nicht die Bewertung und das Gesamturteil, können sie abschätzen, ob sie besser oder schlechter abschneiden werden.“ (esk)

Rubriklistenbild: © obs/ÖKO-TEST AG

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