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Mordfall Ayleen A. (†14): „Hatten keine Chance, sie lebend zu finden“

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Von: Peter Kiefer

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Gottenheim - Der Mord an der 14-jährigen Ayleen A. schockiert ganz Deutschland. Da der Verdächtige (29) schweigt, gehen die Ermittler von wochenlanger Arbeit aus:

Während Gottenheim, die idyllische Heimatgemeinde der getöteten Ayleen A. (14), nach der schrecklichen Todesnachricht in tiefer Trauer und Schockstarre verharrt, laufen die Ermittlungen der Polizei in dem Mordfall auf Hochtouren. Denn sowohl Todesursache und Motiv als auch der mögliche Tatort – alles noch unklar.

Mordfall Ayleen A. (14): Verdächtiger (29) schweigt – Ermittlungen werden Wochen dauern

Die Ermittler müssen im Fall der getöteten Schülerin aus Gottenheim bei Freiburg (Baden-Württemberg) noch ganz elementare Fragen klären. Und diese Arbeit werde Wochen dauern, wie Dieter Inhofer, Leiter der Freiburger Staatsanwaltschaft, bei der Pressekonferenz am Montag (1. August) prophezeit hat.

Denn: Der dringend für den Mord an Ayleen tatverdächtige 29-Jährige, der bereits zehn Jahre in einer Psychiatrie gesessen hat, will sich bislang nicht zu den Vorwürfen äußern. Und diese könnten schwerwiegender kaum sein: Entziehung Minderjähriger, sexuelle Nötigung und Mord in Verdeckungsabsicht.

Die Teilnehmer einer Pressekonferenz sitzen im Regierungspräsidium in Freiburg. Die Ermittlungsbehörden informieren während einer Pressekonferenz zum Tod einer 14-Jährigen aus Gottenheim bei Freiburg.
Die Teilnehmer einer Pressekonferenz sitzen im Regierungspräsidium in Freiburg. Die Ermittlungsbehörden informieren während einer Pressekonferenz zum Tod einer 14-Jährigen aus Gottenheim bei Freiburg. © Philipp von Ditfurth/picture alliance/dpa

Handyortung und technische Überwachung führen Polizei zu Ayleens Leiche

Rückblick: Am Samstag (30. Juli) hat die Polizei dank Handyortung und technischer Überwachung am Teufelsee im Wetteraukreis (Hessen) die Leiche der Schülerin entdeckt – rund 300 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Daraufhin haben Beamte die Wohnung des 29-jährigen Deutschen in der Nähe von Wetzlar durchsucht und ihn kurz darauf festgenommen. In seiner Wohnung sind Gegenstände von Ayleen gefunden worden.

Der polizeibekannte Mann ist bereits als 14-jähriger Jugendlicher wegen eines versuchten Sexualdelikts an einem elfjährigen Mädchen für zehn Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden – bis 2017. Noch zu Jahresbeginn 2022 hat sich der Beschuldigte in einem Programm für rückfallgefährdete Sexualstraftäter befunden.

Der Teufelsee im Wetteraukreis
Der Teufelsee im Wetteraukreis (Hessen). Hier wurde die tote Ayleen A. (14) gefunden. © Frank Rumpenhorst/dpa

Ayleen und ihr mutmaßlicher Mörder haben wochenlang gechattet

Der 29-Jährige und das als schüchtern beschriebene Mädchen haben sich aus wochenlangen Chats in sozialen Netzwerken und dem bekannten Online-Spiel „Fortnite“ gekannt. „Das Netz ist verführerisch“, mahnt der hessische LKA-Chef Andreas Röhrig.

Unklar sei laut Polizei noch, ob jemand aus Ayleens Umfeld oder dem des Mannes von dem Kontakt gewusst hat. Zunächst müsse massenweise Datenmaterial ausgewertet werden, so der Freiburger Kriminaldirektor Arno Englen. Somit ist auch ungewiss, ob Ayleen am 21. Juli, dem Tag ihres Verschwindens, abends freiwillig in das Auto des Verdächtigen gestiegen und mitgekommen ist.

Ermordete Ayleen (†14): Erste Obduktion kann Todesursache nicht klären

Für die Ermittler erschwerend kommt hinzu, dass Aylees Leiche tagelang im Wasser gelegen hat. Dadurch haben Rechtsmediziner trotz einer ersten mehrstündigen Obduktion noch nicht die Todesursache klären können. Dafür seien weitere Untersuchungen nötig.

„Wir sind erst am Anfang. Das wird noch Wochen dauern“, erklärt der Leitende Freiburger Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer. Es habe keine Chance gegeben, das Mädchen lebend zu finden, so die ernüchternde Bilanz des Freiburger Polizei-Chefs Franz Semling. „Das ist bitter für alle, die alles gegeben haben, und muss erst verarbeitet werden.“

Blumen, Kerzen und Botschaften liegen vor dem Rathaus von Gottenheim, wo Menschen sie in Anteilnahme am Tod der 14-jährigen Ayleen A. abgelegt haben.
Blumen, Kerzen und Botschaften liegen vor dem Rathaus von Gottenheim, wo Menschen sie in Anteilnahme am Tod der 14-jährigen Ayleen A. abgelegt haben. © Philipp von Ditfurth/picture alliance/dpa

Gottenheim – eine kleine Gemeinde steht unter Schock

In der beschaulichen Weinbaugemeinde Gottenheim ist die Anteilnahme groß. Trauernde haben vor dem Rathaus der 3.000 Seelen Gemeinde Blumen und brennende Kerzen abgestellt. Auf einem Zettel steht, was alle denken: „Wir können es nicht fassen!“

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Ein Kriseninterventionsteam kümmert sich um die Familie des getöteten Mädchens, steht den Angehörigen bei Bedarf rund um die Uhr zur Verfügung. „Es ist das Schlimmste eingetreten, was überhaupt in solch einem Falle eintreten kann. Ganz Gottenheim steht unter Schock“, so Bürgermeister Christian Riesterer. (dpa/pek)

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