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Niedrigwasser-Alarm wegen Dürre – wird Schifffahrt auf Rhein eingestellt?

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Von: Peter Kiefer

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Rhein - Die Zahlen sind alarmierend! Der Rhein ist stellenweise nicht mal mehr knöcheltief. So ist in einer Stadt ein Pegel von nur noch vier Zentimetern gemessen worden:

Vier Zentimeter! So alarmierend niedrig ist am Montag (15. August) der Rhein-Pegel in Emmerich (NRW) kurz vor der niederländischen Grenze. Ein neuer Minus-Rekord, wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) über ihr Portal Elwis mitteilt. Schuld daran sind die seit Wochen anhaltende Hitze und Dürre.

FlussRhein
Länge1.232,7 km
QuelleTavetsch (Schweiz)
MündungNordsee (Rotterdam/Niederlande)

Niedrigwasser im Rhein – Fährbetrieb bei Mannheim längst eingestellt

Zum Vergleich: Der Pegel in Mannheim hat am Sonntagmorgen (14. August) um 5 Uhr bei 93 Zentimetern gelegen – tags zuvor sind es noch 101 Zentimeter gewesen. In der Quadratestadt datiert der historisch niedrigste Wasserstand mit 85 Zentimetern vom 20. Oktober 2018. Entsprechend ist bereits seit 3. August der Betrieb der Rheinfähre Altrip nach Mannheim-Neckarau eingestellt.

Für die kommenden Tage erwartet die Behörde noch weiter fallende Wasserstände. Am Dienstagnachmittag soll in Emmerich sogar ein Pegel von Null erreicht werden. Der Pegelstand ist nicht zu verwechseln mit der Fahrrinne. Dort werden in Emmerich 1,80 Meter für die Berufsschifffahrt frei gehalten. Eine Rheinfähre bei Rees wurde wegen des Niedrigwassers eingestellt, wie der Fährbetrieb mitteilte.

Flüsse im Stress
Ein Frachtschiff passiert auf dem Rhein einen Felsen. Durch die anhaltenden Trockenheit des Hochsommers fällt der Wasserspiegel des Mittelrheins immer weiter. © Thomas Frey/dpa

Gefahrlose Binnenschifffahrt am Mittel- und Oberrhein nicht mehr gewährleistet

Auch die schlimmen Prognosen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung haben sich bestätigt, dass der Rhein-Pegel bei Kaub am Wochenende (13./14. August) unter die 40-Zentimeter-Marke fallen könnte: Sogar bereits am Freitagabend war es mit 38 Zentimetern soweit. Aktuell (Stand: 15. August, 5 Uhr) sind es dort sogar nur noch 32 Zentimeter. Der Pegel zeigt nicht die tatsächliche Wassertiefe an, sondern die Differenz zwischen der Wasseroberfläche und dem sogenannten Pegelnullpunkt, der nicht am tiefsten Punkt der Flusssohle liegt.

Eine gefahrlose Binnenschifffahrt am Mittel- und Oberrhein sei dann nicht mehr möglich, so ein Transport-Experte der Firma HCL-Logistics GmbH in Ludwigshafen gegenüber dem SWR. Für den Warentransport müsse man deshalb auf Lastwagen und Güterzüge ausweichen. Zudem sei geplant, Container per LKWs zu Terminals am Niederrhein zu transportieren, wo die Binnenschifffahrt noch möglich sei.

Laut WSV-Angaben vom Montag lag die Fahrrinnentiefe bei Kaub am Montagmorgen bei 1,43 Metern. Sie ist entscheidend, wie viel Fracht Binnenschiffer zuladen können. Vor allem Fracht- und Personenschiffe kämpfen seit Wochen mit Niedrigwasser. Binnenschiffer müssen bei ihrer Ladung den Tiefgang des Schiffes beachten. Bei niedrigen Wasserständen können sie weniger Fracht befördern – irgendwann wird der Transport unwirtschaftlich.

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hofft auf steigende Pegelstände

Der Rheinpegel bei Köln liegt am Montagmorgen bei 76 Zentimetern – sieben Zentimeter über dem bisherigen Tiefststand (69 cm). In Düsseldorf sind 34 Zentimeter gemessen worden (bisheriger Minus-Rekord dort 23 cm). „Solange es nicht regnet, geht es weiter bergab“, hatte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamt Rhein gegenüber dpa gesagt. Außergewöhnlich sei, dass niedrige Stände schon so früh im Jahr erreicht würden. Erst ab Mitte der neuen Woche erwartet die Behörde eine leichte Entspannung bei den Wasserständen.

So rechnet auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) in den kommenden vier Wochen mit leicht steigenden Pegelständen in den ausgetrockneten deutschen Flüssen. „Trotz leichter Niederschläge wird die Niedrigwassersituation auch in den kommenden Wochen die Pegelstände prägen“, sagt Wissing zur „Rheinischen Post“.

Minister Wissing warnt: Klimawandel sorgt langfristig für „extreme Niedrigwasser-Situationen“

„Für die zweite Monatshälfte im August und die erste Septemberhälfte deutet die jüngste Sechs-Wochen-Vorhersage unserer Experten allerdings auf leichte Wasseranstiege und eine Stabilisierung der Wasserstände auf niedrigem Niveau hin“, so der in Landau (Rheinland-Pfalz) geborene FDP-Politiker.

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„Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass wir uns langfristig aufgrund des Klimawandels immer wieder auf extreme Niedrigwasser-Situationen einstellen müssen“, sagte Wissing. Es sei daher wichtig, dass Maßnahmen, „wie etwa die Engpassoptimierung am Mittelrhein“, möglichst schnell umgesetzt würden. Vor allem die extremen Niedrigstände im Rhein belasten die Binnenschifffahrt und führen zu Lieferengpässen in der Industrie. (dpa/pek)

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